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die Trude

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ich wollte hinaus in den garten © die Trude
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photography
Statement

 „Ich wollte hinaus in den Garten“  die Trude

Deserted rooms, the plaster is crumbling and exposes the raw bricks, bare stairwells, rusty lockers, empty tables and chairs: a children’s home, a boarding school or a lung disease sanitorium are the places where the artist duo die Trude set their photographs. On each one a naked female body can be seen; a woman who is looking for protection in an inhospitable and hostile environment, and to which she is at mercy. The naked woman is accompanied by the words “Komm halt die Fresse” (shut-up) and “All I do is for you”. Being exposed to this environment, being watched and being subjected to staring eyes are the central elements of the 9 part series “I wanted to get out into the garden”.

The starting point of the photographers Stefanie Anastase and Claudia Köhn was Michel Foucaults’s analysis of the Disciplining Society[1]. In particular at the institutional level disciplining as a method to control and render the individual compliant has proven itself to be effective in ideological state run “apparatuses “through which we in part collectively pass: kindergarten, schools, hospitals, orphanages, boarding schools. Discipline, control and surveillance are the means the to build and maintain hegemonial power.

Die Trude, within the history of the replication of the patriarchal order, direct their sights in particular on the disciplining of the feminine: solely a female nude is under observation. Inevitably one thinks of the experiments in the French mental institution Salpetriere in the 19th Century[2]. An iconography of hysteria came into being , which not only disciplined the feminine but also pathologised them. The widespread publication of the pictures led to the feminine self being becoming stigmatized and placed women under constant observation[3]. The inescapability of this “Panopticon” situation is above all stressed by the pictures of Die Trude through their use of a central perspective in the composition of their picture – they manoeuvre the observer immediately into the a position of power. The moment of defenselessness is frozen in time in the picture and repeats itself. In this way, while observing the photos, the phrase “I wanted to get out into the garden” stays in the mind as something unreachable.

 


[1] Michel Foucault: Überwachen und Strafen, Frankfurt am Main 1994, bes. S. 251 ff (1., franz. Aufl. 1975).


 

[2] For the photographs see: Désiré Magloire Bourneville/ Paul Régnard: Iconographie Photographique de la Salpêtrière, Paris 1875–1890.

 

[3] For a historical overview see in particular the contribution from Schmersahl::DerKampfderGeschlechter.DerneueMythosin der Kunst 1850 – 1930, Ausst. Kat. Städtischen Galerie im Lenbachhaus, München 1995, hg. v. Helmut Friedel, Köln 1995.

die trude are the viennese artists stefanie anastase and claudia köhn

 

„Ich wollte hinaus in den Garten“  die Trude

Verlassene Räume, der Putz bröckelt und legt die rohen Ziegel frei, kahle Treppenhäuser, rostige Spinte, leere Tische und Stühle: ein Kinderheim, ein Internat oder eine Lungenheilanstalt sind die Orte, an denen das Künstlerinnenduo die Trude seine Fotografien inszeniert. Darauf zu sehen ist immer der nackte weibliche Körper; eine Frau, die Schutz sucht in der unwirtlichen feindlichen Atmosphäre, der sie ausgeliefert ist. Begleitet wird sie von Schriftzügen wie „KOMM HALT DIE FRESSE!“ oder „All I DO IS FOR YOU“. Dieser Umgebung ausgesetzt zu sein, beobachtet und unseren Blicken unterworfen zu sein, sind die zentralen Elemente von „Ich wollte hinaus in den Garten“.

Ausgangspunkt für die Künstlerinnen Stefanie Anastase und Claudia Köhn war Michel Foucaults Analyse zur „Disziplinierungsgesellschaft“.[1] Disziplinierung als Technologie um den Einzelnen gefügig und steuerungsfähig zu machen, hat sich insbesondere auf institutioneller Ebene derjenigen ideologischen Staatsapparate bewährt, die wir zum Teil kollektiv durchlaufen: Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser, darüber hinaus Kinderheime, Internate. Disziplin, Kontrolle und Überwachung ist Mittel, um das hegemoniale Machtgefüge zu konstituieren und aufrechtzuerhalten.

Innerhalb einer Geschichte der Reproduktion patriarchaler Ordnungen richten die Trude ihren Blick speziell auf die Disziplinierung des Weiblichen: unter Beobachtung steht ausschließlich ein weiblicher Akt. Unweigerlich denkt man an die Fotografien der Versuche an der französischen Nerven- und Heilanstalt Salpêtrièreim 19. Jahrhundert.[2]  Es entstand eine Ikonografie der Hysterie, die das Weibliche nicht nur disziplinierte, sondern pathologisierte. Die weit verbreitete Publizierung der Bilder bedeutete eine Stigmatisierung des Weiblichen und stellte die Frau unter permanente Beobachtung.[3] Die Ausweglosigkeit aus dieser „Panopticon„- Situation (Foucault) betonen die Künstlerinnen von die Trude vor allem durch das Aufgreifen einer zentralperspektivischen Bildkomposition: sie manövriert den/die Betrachter/in unmittelbar in die Machtposition eines Überwachenden. Der Moment der Schutzlosigkeit ist im Bild eingefroren und wiederholt sich. So bleibt die Formulierung „Ich wollte hinaus in den Garten“ während der Betrachtung der Fotografien als etwas Unerreichbares im Gedächtnis.

Eva Winkler (Kunsthistorikerin)

 


[1] Michel Foucault: Überwachen und Strafen, Frankfurt am Main 1994, bes. S. 251 ff (1., franz. Aufl. 1975).

[2] Zu den Fotografien, siehe: Désiré Magloire Bourneville/ Paul Régnard: Iconographie Photographique de la Salpêtrière, Paris 1875–1890.

[3]  Siehe als historischer Überblick und insb. den Beitrag von Schmersahl: Der Kampf der Geschlechter. Der neue Mythos in der Kunst 1850 – 1930, Ausst. Kat. Städtischen Galerie im Lenbachhaus, München 1995, hg. v. Helmut Friedel, Köln 1995.

 

 die trude are the viennese artists stefanie anastase and claudia köhn