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Heim_Spiel Spandau

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Heim_Spiel Spandau
Curated by: Berlin, Frauenmuseum e.V.

Breite Straße 32
13597 Berlin
Spandau
Germany
May 30th, 2013 - August 24th, 2013
Opening: May 30th, 2013 7:00 PM - 12:00 AM

QUICK FACTS
WEBSITE:  
http://www.berlin.de/orte/museum/gotisch...
NEIGHBORHOOD:  
spandau
OPEN HOURS:  
Mon-Fri 10-6; Sat 10-5:30
SCHOOL ASSOCIATION:  
Universität der Künste Berlin, University of the Arts
TAGS:  
mixed-media, installation, figurative, sculpture
COST:  
free entry

DESCRIPTION

»Heim_Spiel« ist eine 2012 vom Frauenmuseum Berlin entwickelte Ausstellungsreihe, die über einen Zeitraum von mehreren Jahren in allen Berliner Bezirken realisiert wird, um in Berlin lebenden und professionell arbeitenden Künstlerinnen Gelegenheit zur Präsentation zu geben und damit den oft strapazierten Begriff von Berlin als der Kunstmetropole Europas auch abseits der bekannten »Kunstmeilen« mit Inhalt zu füllen. Viele der in Berlin lebenden Künstlerinnen haben zu wenige Möglichkeiten, ihre Arbeiten auch in ihrer Stadt auszustellen – und ja, immer noch sind Frauen im offiziellen Ausstellungsbetrieb weniger vertreten als ihre männlichen Kollegen. Zugelassen zu den »Heim_Spielen« werden jeweils nur Bewerberinnen, die in dem Bezirk leben oder arbeiten, in dem die Ausstellung stattfindet – in diesem Fall also Spandau und Umland. Die erste Station der Reihe, in Zusammenarbeit mit dem Kunstamt Tempelhof-Schöneberg, erfolgreich und mit beachtlichem Presseecho durchgeführt, wurde im März 2012 im Rathaus Tempelhof-Schöneberg realisiert – nun gibt das Gotische Haus Spandau (für) den Arbeiten von sechs von einer Fachjury* ausgewählten Spandauer Künstlerinnen ein temporäres Heim.
Die sechs Ausstellenden haben nicht nur sehr unterschiedliche Werdegänge, sondern bilden auch
ein großes Spektrum künstlerischer Ansätze ab, so dass von klassischer Malerei über Collage(n) und Installation bis hin zu konzeptionellen Arbeiten alles vertreten ist und gleichzeitig deutlich wird, wie vielschichtig ein zunächst simpel erscheinender Begriff wie »Heim« interpretiert werden kann.
Für Carola Czempik und Nadya Dittmar ist die eigene Herkunftsgeschichte Thema – wobei beide
ganz entgegengesetzte Formen finden: Czempiks »Archiv« verschiedener Salze beziehen sich auf die Fluchtgeschichte ihrer Familie, die Künstlerin findet mit Salz einen Stoff, der einerseits geografische Besonderheiten kennzeichnet, als lebenswichtiges Mineral und Bestandteil des menschlichen Organismus aber auch hohen Symbolcharakter besitzt. Im Dialog mit Literatur öffnet sie ein weites Feld von Assoziationsmöglichkeiten. Nadya Dittmar geht den umgekehrten Weg und eliminiert mit Tippex symbolisch alles Gedachte/Geschriebene aus eigenen Notizheften/ Tagebüchern/ Fotoalben. Die »Heimat« auf die sie referiert, die DDR, ist verschwunden, die Unmöglichkeit, zu ihr zurückzukehren, spiegelt sich in der »Unmöglichkeit der Erinnerung«. Frauke Danzer bezieht sich weniger auf eine geografische oder gebaute Heimat als vielmehr auf den Körper und dessen Hüllen. Ihr eigens für die Räumlichkeiten des gotischen Hauses konzipierter »Reigen« aus transparenten, auf den ersten Blick Kleidungsstücken ähnelnden Objekten, führt die Verletzlichkeit der uns umgebenden Hüllen – Haut oder Kleidung – vor Augen. Nina Heinrichs »Heimat« ist ebenfalls nicht geografisch zu beschreiben, dafür aber eng mit dem Begriff Kindheit verbunden: die ererbten Materialien aus der mütterlichen Schneiderwerkstatt werden zum Ausgangspunkt einer künstlerischen Reise zu den Ursprüngen. Auch Gabriele Styppa führt uns auf gewisse Weise in die Kindheit zurück: sie »spielt« mit dem Begriff  »Heim_Spiel« als theatrale Form »Drama« und formt in Puppenstubengröße eine alltägliche Essens-Szene, deren dramatische Entwicklung sie in 5 Fotografien wie in 5 Akten erzählt. Sibylla Weisweiler schließlich interpretiert den Begriff Heimspiel ganz wörtlich und nimmt im klassich-hausfraulichen
Umfeld Fußballer-Posen ein – ein humorvoller Kommentar zu festgefügten Rollenzuschreibungen und gleichzeitig die ganz persönliche Erinnerung daran, wie in ihrer Kindheit die Fußballergebnisse die  Wochenendstimmung der Familie bestimmten. Im Sport wird mit »Heimspiel« eine Situation bezeichnet, die einen »Heimvorteil« mit sich bringt –natürlich
freuen wir uns auf Unterstützung von Fans und Freunden, möchten aber durchaus auch (kritische)
Diskussionen anregen.
Julie August, Frauenmuseum Berlin

* Mitglieder der Jury waren: Rachel Kohn, Julie August, Dr. Ludwig Seyfarth,
Andrea Theissen, Christian Melzer, Reinhard Hoffmann

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