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Nowhere

Galerie Max Hetzler (Oudenarder Straße)

Exhibition Detail
Shift
Oudenarder Straße 16-20
D-13347 Berlin
Germany


September 8th, 2012 - October 13th, 2012
 
 Waiting is forbidden  , Mona HatoumMona Hatoum, Waiting is forbidden ,
2006 - 2008 , enamelled metal plaque, 30 x 40 cm (11 5/8 x 15 3/4 inches) Edition of 6 + 2 AP
© Courtesy of the artist & Galerie Max Hetzler
> QUICK FACTS
WEBSITE:  
http://www.maxhetzler.com
NEIGHBORHOOD:  
other
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info@maxhetzler.com
PHONE:  
+49 30 459 77 420
OPEN HOURS:  
Tuesday - Saturday 11 am - 6 pm
TAGS:  
sculpture
> DESCRIPTION

Wir freuen uns, Sie auf unsere Ausstellung mit Arbeiten von Mona Hatoum aufmerksam zu machen. Mit 'Shift' zeigt die Künstlerin neben einer neuen, großformatigen Skulptur aus Murmeln und zwei Arbeiten, die in diesem Jahr während eines Arbeitsaufenthalts in Istanbul entstanden sind (Kapan iki und Shift), weitere Werke neueren Datums. Alle Arbeiten tragen unverwechselbar die Handschrift der Künstlerin, deutlich erkennbar an der formalen Gegenüberstellung einander kontrastierender Formen und Materialien, sowie an Hatoums stets wiederkehrender inhaltlicher Auseinandersetzung mit Hierarchien und Machtverhältnissen, Heimat und daraus resultierenden Konflikten.

«Ihre Installationen, Objekte und Performances prägen sich im Bewusstsein des Betrachters durch ihre ausgefallene, übertrieben bescheidene Erfindungsgabe ein. Eine Herausforderung, die durch die Verwendung vollkommen alltäglicher, herkömmlicher und unspektakulärer Materialien (Haar, Stahl, Seife, Murmeln, Gummi, Draht, Schnur etc.), mit denen sie so virtuos umzugehen versteht, untergraben und nahezu ad absurdum geführt wird.» (Edward W. Said)

Seit mittlerweile gut drei Jahrzehnten hinterfragt Mona Hatoum auf metaphorische Weise politische Zusammenhänge, häufig in Verbindung mit Raster- und Gitterstrukturen wie sie auch im Minimalismus zu finden sind. Kapan iki (2012) besteht aus einem Ensemble lebensgroßer Käfige aus sogenanntem Stabstahl, der gewöhnlich bei der Herstellung von Stahlbeton verwendet wird. In jedem dieser Käfige befindet sich ein undefinierbares, rotes Glasgebilde, dessen organische Erscheinung sich in starkem Gegensatz zu dem starren Gitter seiner Umfriedung befindet. Diese Glasobjekte scheinen ihren Käfigen förmlich entkommen zu wollen und evozieren durch ihre augenscheinliche Lebendigkeit klaustrophobische Gefühle. Man wähnt sich buchstäblich in der Falle sitzend ('Kapan' bedeutet auf Türkisch 'Falle').

Eine andere Installation, Bunker (2011), bezeichnet eine Reihe von Gebäuden aus rechteckigem Stahl, wie in der Architektur der Neuen Sachlichkeit baukastenartig zusammengesetzt. Verfärbung und Abschliff haben den tunnelartigen, aufeinander geschichteten Stahl durchlöchert. Die Skulpturen wirken vernarbt, als ob sie regelrecht einen Krieg durchlebt hätten. Obgleich ihre ursprüngliche Form allgemeingültiger Natur ist, bezieht sich die Architektur einiger 'Gebäude' aus dieser Serie auf Bauten aus Hatoums Heimatstadt Beirut. Die Miniatur-Modelle lassen an ein zukünftiges Bauvorhaben denken, in dem der Untergang schon im Vorhinein Spuren hinterlassen hat.

Für Turbulence (2012) wurden Tausende von glänzenden, durchscheinenden Glasmurmeln unterschiedlicher Größe auf dem Boden zu einem Quadrat arrangiert. Durch die Größenunterschiede der handgefertigten Kugeln entstehen naturgemäß Muster, die an Wolken, Länder oder Kontinente erinnern. Die höchst unregelmäßige Fläche wirkt stürmisch und bewegt, und bleibt doch in den Grenzen eines formal abstrakten Quadrats bestehen.

Bei Shift (2012) handelt es sich um einen Wollteppich mit dem Bild einer Weltkarte, die von gelben, konzentrischen Kreisen überzogen ist. Die an Radarwellen erinnernden Ringe suggerieren, dass die gesamte Welt eine potenzielle Gefahrenzone darstellt. Der Eindruck einer nicht intakten Topographie wird durch das in Teile zerschnittene und offenkundig falsch zusammengesetzte Bild verstärkt.

Worry Beads (2009) ist ein überdimensionaler und in Bronze gegossener Rosenkranz, wie er normalerweise zum Gebet oder bei der Meditation verwendet wird. Durch die extreme Vergrößerung wirken die Perlen des Kranzes hier jedoch wie Kanonenkugeln. Die ursprünglich friedvolle Metapher wird durch ein kriegerisches Bild ersetzt.

Impenetrable (s version) (2010) ist eine Installation aus Stacheldraht, der in einzelnen Drähten so an der Decke befestigt ist, dass ein ca. 10 cm über dem Boden schwebender Kubus entsteht. Während sich der Titel auf die Arbeit Penetrables von Jesús Rafael Soto bezieht, ist Hatoums undurchdringlicher Wald aus gefährlich spitzem Metalldraht stark mit Assoziationen behaftet, in visueller Hinsicht hingegen wirkt das Werk filigran und flüchtig.

Over my Dead Body (1988-2002) besteht aus einer großen Reklamefläche aus PVC, auf dem das Profil der Künstlerin als schwarz-weisse Großaufnahme abgebildet ist. Auf ihrer Nase steht ein Spielzeugsoldat, bereit, ihr zwischen die Augen zu schießen. Die Arbeit vermittelt ein sarkastisches und zugleich widersprüchliches Bild, bei dem die gängige Vorstellung vom aggressiv männlichen Blick durchleuchtet, und schließlich, mit den Mitteln von Plakatwerbung erzählt, umgekehrt wird.

Für Hair, there and everywhere (2004), eine Serie von Radierungen, hat Hatoum ganz einfach Menschenhaar zu ihrem Arbeitsmaterial gemacht, um - direkt auf die Druckplatte gelegt - wunderschöne und von Hand gearbeitete Strukturen zu schaffen, die trotz scheinbar unvorhersehbarer Faktoren im Arbeitsprozess, doch durch und durch gesteuert sind.

Zur Ausstellung erscheint ein illustrierter Katalog mit einem Text von Patricia Falguières. Dies ist Mona Hatoums dritte Einzelausstellung in der Galerie Max Hetzler.

Mona Hatoum, 1952 in einer palästinensischen Familie in Beirut geboren, lebt und arbeitet seit 1975 in London. Seit der Auszeichnung mit dem DAAD-Stipendium (Berliner Künstlerprogramm) 2003/04 lebt sie auch in Berlin. 2004 wurde Hatoum mit dem Sonning-Preis der Universität Kopenhagen, dem Roswitha Haftmann-Preis (Zürich), 2010 mit dem Käthe-Kollwitz-Preis (Akademie der Künste Berlin) und 2011 mit dem Joan Miró Preis (Barcelona) ausgezeichnet.

Ihre Arbeiten wurden weltweit gezeigt. Hatoum hatte Einzelausstellungen in Museen und Institutionen wie Fundació Joan Miró, Barcelona und Arter, Space for Art, Istanbul (beide 2012); Sammlung Goetz, München (2011); Whitechapel Art Gallery, London; Beirut Art Center, Beirut; Akademie der Künste, Berlin (alle 2010); Fondazione Querini Stampalia, Venedig (2009); Daadgalerie, Berlin; Darat al Funun, Amman (beide 2008); Sydney Museum of Contemporary Art (2005); Hamburger Kunsthalle; Kunstmuseum Bonn; Magasin 3, Stockholm (alle 2004); Tate Modern, London (2000); Museum of Contemporary Art (MCA), Chicago; The New Museum of Contemporary Art, New York (beide 1997); The Fabric Workshop and Museum, Philadelphia; De Appel Foundation, Amsterdam (beide 1996) und Centre Georges Pompidou, Paris (1994).

Mona Hatoum hat an der Istanbul Bienniale (1995 and 2011), der Biennale in Venedig (1995, 2005), Documenta XI (2002), der 3. Auckland Trienniale (2007) und der 15. Sidney Biennale (2006) teilgenommen.

Eine Teilnahme an der Liverpool Bienniale im September 2012 steht bevor.


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