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Nowhere

SEPTEMBER

Exhibition Detail
THE VIEW
Blumenthalstrasse 8
10783 Berlin
Germany


June 7th, 2012 - July 7th, 2012
Opening: 
June 6th, 2012 7:00 PM - 9:00 PM
 
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© Courtesy of SEPTEMBER
> QUICK FACTS
WEBSITE:  
http://www.september-berlin.com
NEIGHBORHOOD:  
other
EMAIL:  
office@september-berlin.com
PHONE:  
+49 (0)30.25.93.06.84
OPEN HOURS:  
We - Sa 12 - 6 pm and by appointment
TAGS:  
collage, digital, installation
> DESCRIPTION

SEPTEMBER freut sich, die Ausstellung THE VIEW von Ursula Döbereiner und Dirk Krecker präsentieren zu können. Seit annähernd zehn Jahren haben beide immer wieder zusammen gearbeitet, ausgestellt und kuratiert. In ihren Kollaborationen suchen Döbereiner und Krecker nicht nur nach alternativen Möglichkeiten künstlerischer Kooperation, sondern nach auch nach einem erweiterten Zeichnungsbegriff, der die unterschiedlichsten Produktions- und Präsentationsformen und ein offenes Verständnis von Autorenschaft mit einschließt. Hierbei werden Werkgruppen der Künstler in unterschiedlichen Konstellationen und räumlichen Anordnungen „remixt“. Verbindend ist für beide Positionen die Auseinandersetzung mit urbanem Raum und Architektur. Formal beschäftigen sie Themen wie Raster, Reihe, Serialität, Variation. Die Künstler arbeiten mit betont einfachen, jedem zugänglichen „Low Tech“ Medien. Döbereiner produziert viele ihrer Zeichnungen mit Photoshop und Copyshop, Krecker an der Schreibmaschine.

In ihrem Gemeinschaftsprojekt THE VIEW setzen sie sich mit Wahrnehmungen und Kontrollinstanzen auseinander, die die unterschiedlichen Abgrenzungen zwischen privatem und öffentlichem Raum definieren.

Eine Basis der Ausstellung bildet Ursula Döbereiners Fanzine view002b, das von ihren Aktivitäten mit der Elektro-Noise Band Burqamachines inspiriert ist. Aufgebaut aus Din A4-Modulen funktioniert das Zine nach dem Prinzip der sogenannten „Starschnitte“, die vom Jugendmagazin „Bravo“ veröffentlicht wurden. Jede Woche gab es bis zu zwei Seiten zum Sammeln und Ausschneiden. Die Teile ergaben nach dem Zusammenkleben ein lebensgroßes Poster des Stars.

Bei den view-Postern handelt es sich um digitale Collagen, die sie aus Internet-Images montiert hat, die sie unter verschiedenen Suchbegriffen zum Thema „Burka“ recherchiert hat. Die letztendliche Auswahl der Motive geschieht im Hinblick auf zwei diametral entgegengesetzte Perspektiven, die das view-Fanzine wie auch die Performances der Burqamachines thematisieren: den Blick auf die Burka und den Blick aus der Burka – mit all seinen Implikationen. Döbereiners Collagen-Poster ähneln Denkbewegungen, die den Anfang eines Dialogs oder Diskurses bilden könnten, in dem es um all die Themen geht, die die Auseinandersetzung um das Verschleierungsverbot berührt: Fragen nach Identität, öffentlichem und privatem Raum, nach Emanzipation, nach Realität und Projektion.

Aus den Postern von view002b entsteht eine Wandinstallation, zu der auch eine Serie von 20,
eigens für die Ausstellung realisierten, handgeschnittenen und montierten Collagen gehört. Zusätzlich baut Döbereiner einen plakatierten Agit-Prop Stand: Ein Hybrid aus Kiosk,  Wandzeitung, Kurmuschel, Disco-Paravent und Kino.

Dirk Kreckers Schreibmaschinenzeichnungen, die er grundsätzlich auf DIN-Normseiten tippt, gleichen einer Matrix. Bildet bei Döbereiner der Schleier oder die Burka die Projektionsfläche für Bilder und Zeichen, verdichten sich bei Krecker die Buchstaben der Schreibmaschine zu schleierhaften Geweben. An einigen Stellen werden die Zeichen zu einem (geometrischen) Rauschen. Manchmal erst auf den zweiten Blick erkennt man Gegenstände wie Hochhäuser, Flugzeuge oder Menschen. Das Rauschen des urbanen Raums, der ständige Fluss von Werten, Waren und Informationen, digitale Codes, die Raster von Medienbildern – all das wird in Kreckers „Typwriter Drawings“ zu einer Art Notation, die flirrende, op-artige All-over Strukturen entstehen lässt. In „The View" zeigt Krecker vor allem auf zu feinsten Gerüsten reduzierte Papierobjekte: wieder und wieder mit verschiedenen Farbbändern vollgetippte, hundertfach gestanzte Seiten, bei denen das Papier so intensiv bearbeitet wurde, dass sich fast zersetzt. Der Overload an Informationen ist so hoch, dass der Träger beinahe zerstört wird. Der Rest, der bleibt, ist gleichzeitig die strukturell notwendige Mindestmenge zum Zusammenhalt einer fragilen Konstruktion, in der Zeichen, Text, Zeichenaddierung und Ausstanzung zusammen fließen und sich zu einem gewachsenen, subjektiven Code verdichten. Kreckers Arbeiten gleichen archäologischen Relikten. Zugleich haben sie die Natur einer ultrafeinen, medialen Kunsthaut – ein auf paradoxe Weise archaisches wie futuristisches Implantat, das darauf wartet, mit der Realität zu verwachsen.


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