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Nowhere

SEPTEMBER

Exhibition Detail
THIS IS NOWHERE I
Blumenthalstrasse 8
10783 Berlin
Germany


April 30th, 2011 - June 11th, 2011
Opening: 
April 29th, 2011 7:00 PM - 9:00 PM
 
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© Courtesy of SEPTEMBER
> QUICK FACTS
WEBSITE:  
http://www.september-berlin.com
NEIGHBORHOOD:  
other
EMAIL:  
office@september-berlin.com
PHONE:  
+49 (0)30.25.93.06.84
OPEN HOURS:  
We - Sa 12 - 6 pm and by appointment
TAGS:  
sculpture
> DESCRIPTION

Wir freuen uns sehr, THIS IS NOWHERE, Larissa Fasslers zweite Einzelausstellung bei SEPTEMBER ankündigen zu können. Mit ihrer jüngsten Installation setzt die in Berlin lebende kanadische Künstlerin ihre Erkundungen von dysfunktionalen öffentlichen Räumen und gescheiterten städteplanerischen Visionen fort.
Fassler untersucht dabei das symbiotische Verhältnis zwischen Bewohnern und urbanen Orten, die physische und psychologische Wirkung von städtischer Architektur. Sie hinterfragt zugleich, inwiefern sich bestimmte Vorstellungen von Verständnis und Nutzung des öffentlichen Raumes in der Architektur selbst physisch manifestieren und wie sie unsere Wahrnehmungen, Bewegungen und soziale Interaktionen ganz unmittelbar beeinflusst.
Wie auch in vergangenen Arbeiten, wie etwa Kotti (Berlin, 2008) und Regent‘s Park / Regent Street (London, 2009), setzt sich Fassler in ihrer aktuellen Ausstellung mit Stadtplanungsmodellen auseinander, die zwar die Mobilität von möglichst vielen Einzelpersonen begünstigt, aber die Bewegung von größeren Gruppen unterbindet. Les Halles, Place de l' Europe and Place de la Concorde: Die Orte in Paris, denen sich Fassler widmet, markieren einen städteplanerischen Umbruch, der die Erfahrung des urbanen Raumes dramatisch verändert. Das Individuum wird durch architektonische Vorgaben dazu aufgefordert in der Masse seinen Beschäftigungen und Bedürfnissen nachzugehen. Der Preis hierfür ist jedoch eine aufgezwungene gegenseitige Toleranz, die zu zwischenmenschlicher Gleichgültigkeit und latenten sozialen Spannungen führt.
In ihren neuen skulpturalen Arbeiten erkundet Fassler die umfassenden Sanierungsmaßnahmen, denen Les Halles als Quartier rund um den historischen Pariser Großmarkt in den 1970ern unterworfen wurde und die das Areal in einen Knotenpunkt aus Bahn-und Metrolinien, Straßenunterführungen, unterirdischen Shopping-Malls, Fußgängertunneln verwandelte, den täglich 800.000 Menschen durchqueren. Für ihre Skulpturen nutzt Fassler gebrauchte, abgestoßene und verschmutzte Pappen, mit denen sie die Eingänge und überirdischen
Galerien des Komplexes nachbildete. Schwarzes Klebeband kleidet die in die Tiefe führenden
Fahrstuhlschächte aus, aus dem Innenleben von Les Halles dringt unablässiger, mechanischer Lärm empor.
Während Fassler in die heruntergekommene, vernachlässigte und dysfunktionale Struktur von Les Halles mit roher Materialästhetik aufgreift, kleidet sie die Sockel ihrer Skulpturen in die hochglänzenden Farben der französischen Nationalflagge. Noch stärker als in früheren Werken arbeitet Fassler mit unterschiedlichen Materialien und Oberflächen, um eine Haptik zu erzeugen, in der sich ihr emotionales und analytisches Verhältnis zu einem Ort reflektiert, der bald nur noch im öffentlichen Gedächtnis existieren wird. So ist der Abriss der heutigen Architektur von Les Halles bereits geplant.
Den skulpturalen Werken in der Ausstellung steht eine Reihe von Zeichnungen zur Seite, die sich auf den Place de la Concorde und Place de l' Europe beziehen. Die beiden Zeichnungen Place de l' Europe I and II nehmen das berühmte Gemälde Pont de l‘Europe (1876) des Impressionisten Gustave Caillebotte als Ausgangspunkt, ein Bild, das die unterschiedlichsten Gesellschaftsklassen vor der Metallkonstruktion der Brücke als Symbol von Modernität zeigt. Von dem Ort, der einst auch von Jean Beraud und Claude Monet gemalt und von Henri Cartier Bresson fotografiert wurde ist heute nur noch eine Art Ödland geblieben – dominiert von Kreisverkehr, parkenden Autos, vorbeirauschenden Bussen und Abgasen.
Pfeiler, Schilder, Laternenmasten und Parkuhren sind mit links- und rechtsradikalen Stickern übersät, die sich gegen Abtreibung richten oder für Nationalismus eintreten. „ Eine Frage des Blutes“, „Gegen die Durchmischung der Rassen“, „ Die Nationalisten sind wieder da“, NPA, Anti-Israel, Pro-Revolution, Für Solidarität, „Projekt Apache-jung, pariserisch, französisch“, „Keine Parteien/keine Grenzen“ – neben solchen Slogans finden sich Zettel mit handgeschriebenen Kleinanzeigen: eine Putzfrau sucht Arbeit, Chinesische Massage wird angeboten, Mathe-Nachhilfe, Malkurse, jemand sucht nach einer vermissten Person, die „Benoit“ heißt.
Über Wochen folgte Fassler für ihre Place de la Concorde Zeichnungen den unterschiedlichen Routen, die Menschen über den Platz nahmen. Sie folgte einer Gruppe von Roma-Kindern, die von einem Touristen wegrannten, einem Teenager-Mädchen, das von der Polizei flüchtete und schließlich festgenommen wurde, über die Fahrbahn laufenden Passanten, einem alten Kerzenverkäufer. Sie markierte die Stellen, an denen Punk-Kids Autoscheiben waschen, an denen Obdachlose schlafen oder Männer urinieren. Sie notierte die Wetterverhältnisse, die unterschiedlichen ethnische Herkunft der Vorbeilaufenden, die Sticker, Poster und Werbetafeln auf dem Platz, die Zeitungsschlagzeilen in diesen Wochen und hielt die gigantischen Schatten
fest, die die Flugzeuge werfen, wenn sie zur Parade am 14. Juli, dem Tag der Bastille, über den Platz fliegen.

We are happy to announce THIS IS NOWHERE, Larissa Fassler’s second solo exhibition at SEPTEMBER.
Continuing her interest in dysfunctional places and failed master plans, the Canadian artist looks at the symbiotic relationship between people and public space, the ways in which places affect people psychologically and physically, and in turn how the perception, understanding, and use of place is physically manifest in the built environment itself. As in her past works Kotti (Berlin, 2008) and Regent Park / Regent’s Street (London, 2009), Fassler’s latest body of work makes visible the use of urban planning to enable the movement of large numbers of individuals in a city while hindering the movement of groups. The locations she has chosen in Paris—Les Halles, Place de l’Europe, and Place de la Concorde—mark a dramatic change in the understanding, planning, and experience of urban life which privileges individuals pursuing their own concerns in a crowd, often resulting in forced tolerance and mutual indifference.
In her new sculptural work, Fassler explores the 1970s redevelopment of Les Halles, which is today a complex derelict knot of rail and Métro intersections, traffic feeds, subterranean retail chain stores, tunnels, and passageways that teem with 800,000 users a day. She uses damaged, filthy found cardboard to create the entrances and upper balconies; black gaffer tape covers the deep penetrating escalator holes, while the relentless mechanical rumble of the building’s inner workings can be heard emanating from the bowels of Les Halles. Fassler has wrapped all this dereliction, negligence, and dysfunctionality in the high gloss of the national flag. Les Halles represents a significant development for the artist; in a departure from her past works, she has used a range of materials that reflect her emotional and embodied understanding of place.
Interestingly, as they are once again scheduled for demolition, Les Halles as they stand today will soon only exist in collective memory.
The sculptural works in the exhibition are augmented by a series of drawings based on the Place de la Concorde and Place de l’Europe. The two works Place de l’Europe I and II take the famous painting Pont de l’Europe (1876) by the Impressionist Gustave Caillebotte as their point of departure, a work that depicts different classes of people side by side before an ironwork symbol of modernity. Today, the location—which was also painted by Jean Beraud, Monet, and famously photographed by Henri Cartier Bresson—is a wasteland with a prestigious name dominated by a traffic circle, parked cars, passing buses, and exhaustfilled air. On every sign, pole, and parking meter, radical right and radical left propaganda stickers—antiabortion, pro-national identity ("A question of blood" ), anti-racial mixing, " the Nationalists are back," NPA, anti-Israel, pro-revolution, pro-solidarity, " Project Apache—young Parisian and French," "No parties/No border,” are mixed with personal ads—a cleaning lady looking for work, offers of Chinese massage, math lessons, painters, and someone looking for a lost person named " Benoit."
In her drawings titled Place de la Concorde, Fassler, over a period of weeks, traced the various different routes people use to move across the plaza. She recorded the path a group of Roma kids took as they ran from a tourist, a teenage girl as she attempted to evade police and was eventually caught, the movements of squeegee kids, jaywalkers, and a man selling candles, places where the homeless sleep and where people pee, the weather, the ethnicity of the crowd—along with stickers, posters, ads, newspaper headlines of the week, and finally the immense shadows of military planes as they flew over the plaza on Bastille Day, the 14th of July.


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