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New York

Emma Grün

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Lives in
Berlin

Works in
Berlin

Website

Schools
Hochschule für angewandte Kunst und Wissenschaft Hildesheim, 2008, Dipl.-Ing. (FH) Lighting Design

Representing galleries

Tags
photo, exhibition/performance, photography, performance, installation, mixed-media, sculpture, Emma Grün; lyric; poetry;

Über die Arbeiten von Emma Grün in der Ausstellung "Beine stolpern zu den Füßen - sollen - ein Ohr fliegt vorbei"

Über die Arbeiten von Emma Grün in der Ausstellung "Beine stolpern zu den Füßen - sollen - ein Ohr fliegt vorbei"

 

„Etwas ist schön, wenn nichts zu ihm hinzugefügt und nichts von ihm weggenommen werden kann.“ (Aristoteles)

 

Leichtfüßig kommen sie daher, die Tänzer, Akrobaten und Harlekins der Emma Grün. Sie berühren kaum den Boden, sie schweben. Viel Spontanes liegt in ihrem Erscheinen, ein kecker Geniestreich als gedanklicher Trapezsprung frech zu Papier gebracht. Es ist ein Spiel, ein Rollenspiel, ein Maskenstück mit starken, in sich geschlossenen Charakteren, detailgenau studiert, sorgsam entworfen, Commedia dell´arte in Skizzenform und wie aus dem Ärmel geschüttelt.

 

Jeder Protagonist hat seine Rolle und Aufgabe in der Zeichenwelt der Emma Grün, denn Kunst ist Handwerk und das berufliche Rüstzeug eines Schauspielers ist die Perfektionierung der Figur, sprich, der Maske als Symbol und identitätsgebendes Element. Symbol ist dasjenige, woran man etwas wiedererkennt. Aber was ist Wiedererkennung? Wiedererkennen ist nicht: etwas noch mal sehen. Wiedererkennen heißt viel mehr: etwas als das, als was man es schon kennt, erkennen. Wiedererkennen sieht das Bleibende aus dem Flüchtigen heraus und scheinbar flüchtig ist vieles in der Theater- und Bühnenwelt einer fahrenden Schauspielertruppe: Heute hier, morgen dort, auf und ab und auf und ab.

 

Die Objektskulptur, die diesen Namen trägt ist die haptisch organische Erweiterung der Porträt- und Szenenzeichnungen und fällt mit ihrem Kompagnon Das vorletzte Hemd buchstäblich aus dem Rahmen: Gebrauchsspuren der künstlerischen Tätigkeit spinnen die Geschichte dieser beiden Objekte noch nach dem letzen Vorhang weiter, sie atmen geradezu erschöpft aus, glücklich und zufrieden über die gelungene Vorstellung. Verweile doch, Augenblick... Kunst als Spiel. Das Spiel ist eine elementare Funktion des menschlichen Lebens und menschliche Kultur ohne Spielelement überhaupt nicht denkbar. Emma Grüns Objekte vergegenwärtigen uns die Strukturen menschlichen Spielens, nicht nur als Freiheit von Zweckbindungen, sondern vielmehr noch als ein freier Impuls, als ein Hin und Her, ein ständiges Kommen und Gehen, kurz: eine Bewegung, die nicht an ein Bewegungsziel gebunden ist. Das ist es offenbar, was das Hin und Her so auszeichnet, dass weder das eine noch das andere Ende das Ziel der Bewegung ist, in der sie zur Ruhe kommt. Für eine solche Bewegung ist Spielraum nötig und eine gewisse Form der Selbstbewegung als Grundcharakter des Lebendigen. „Würde ich aufhören zu spielen, ich würde mir ernsthaft Sorgen um mich machen“, sagt Emma Grün dazu. Ihr Spiel ist in dem Sinne auch ein kommunikatives Tun, weil es keinen Abstand kennt zwischen dem, der da spielt, und dem, der sich dem Spiel gegenübersieht.

 

Der Zuschauer ist offenkundig mehr als nur ein bloßer Beobachter, der sieht, was vor sich geht, sondern ist als einer, der am Spiel Teil nimmt, ein Teil davon. So suchen sich Emma Grüns hommes Mitspieler, die sich mit ihnen drehen, mitbewegen, mit auf ihre Reise gehen und die angebrochene Geschichte weitertragen. Die Objekte der l´homme- Serie begegnen dem Spielfreudigen wie die Trikots in einem Mannschaftsraum, zurechtgelegt und bereit, um gemeinsam raus auf den Spielplatz zu stürmen. Alle Kostüm-Kollagen hat Emma Grün in ihrem Spiel- und Entdeckerdrang selbst anprobiert und wir wollen hoffen, dass sie uns die daraus entstandenen Fotos bei ihrer nächsten Vorstellung nicht vorenthält.

 

Raus, auf Reisen gehen, sich eine Identität finden und geben. Jeder hat im Leben sein Päckchen zu tragen und sucht es, mal mehr, mal weniger erfolgreich in Balance zu bringen. Mein Leben in Balance ist ein Sammelsurium undefinierter Päckchen, die Neugierde wecken, zum Spielen, Ausprobieren und Entdecken auffordern. In vielen Völkern gibt es die Tradition, Mobiles aus unterschiedlichen Holz- und Bambus- materialien vor Türen oder Fenster zu hängen. Wenn der Wind dann durch diese Mobiles streicht entsteht ein harmonischer Klang wie Regentropfen in einem Laubwald. Das Mobile Mein Leben in Balance erfährt seinen Windhauch durch Emma Grüns Flüstern, „Bitte, bitte trag mein Päckchen; Wenn Du mein Päckchen trägst; Trag ich Deins.“ Darin liegt wiederum die Aufforderung an den Betrachter zum Mitspielen, zum Verändern und Ergänzen einer bestehenden Identität ohne diese in ihrem Wesenskern zu verfälschen.

 

Aristoteles beschreibt es so: „Etwas ist schön, wenn nichts zu ihm hinzugefügt und nichts von ihm weggenommen werden kann.“ Selbstverständlich ist dies nicht buchstäblich zu verstehen, man kann diese Definition sogar umdrehen und sagen: Daran gerade erweist sich die Spannungsdichte dessen, was wir schön nennen, dass es einen Variabilitätsbereich möglicher Veränderungen, Ersetzungen, Hinzufügungen, Hinweglassungen zulässt, aber von einer Grundstruktur aus, die nicht angetastet werden darf, wenn das Gebilde seine lebendige Einheit nicht verlieren soll. Insofern sind Emma Grüns hommes lebendige Organismen, strukturierte Einheiten und das heißt, sie haben auch eine Eigenzeit. Objekte aufbauen und lesen, ergehen und erwandern, das sind Zeit-Gänge. Es geht in der Erfahrung mit diesen Objekten darum, dass wir an ihnen eine spezifische Art des Verweilens lernen. Es ist ein Verweilen, das sich nach Hegel dadurch auszeichnet, dass es nicht langweilig wird. Je mehr wir verweilend uns darauf einlassen, desto sprechender, desto vielfältiger, desto reicher erscheint es. Das Wesen der Zeiterfahrung der Kunst ist, dass wir zu verweilen lernen. Emma Grüns Zeichnungen, Kollagen und Objekte geben dazu Anlass genau.

 

Claudia Lamas Cornejo

Recent Exhibits

Emma Grün participated in these exhibits:

Dec, 2013 Plastik aus dem Stand in alle Richtungen
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Apr, 2011 5 Jahre Bauchhund Werksachau
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Sep, 2010 Emma Grün - Solo Show
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