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Anne Mosseri-Marlio Galerie

Exhibition Detail
BROKEN ENGLISH
Bleicherweg 33
8002 Zurich
Switzerland


May 28th, 2009 - August 14th, 2009
 
Hear, Here, Shana LutkerShana Lutker, Hear, Here,
2008 , Etched mirrors, walnut , 112x66cm
© Seiler + Mosseri-Marlio Galerie
 redblue, Navid NuurNavid Nuur, redblue, 2009 , Mixed media
© Seiler + Mosseri-Marlio Galerie
 TIME, Mungo ThomsonMungo Thomson, TIME,
2009, Ink on Polopropylene , 31x24cm
© Seiler + Mosseri-Marlio Galerie
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> ARTISTS
> QUICK FACTS
WEBSITE:  
http://www.annemoma.com
COUNTRY:  
Switzerland
EMAIL:  
mail@annemoma.com
PHONE:  
+41 43 243 0380
OPEN HOURS:  
Tues. - Fri. 12:00 - 18:00; Sat. 11:00 - 16:00 and by appointment
TAGS:  
sculpture, installation, mixed-media
> DESCRIPTION

„The concept of a work of art may involve the matter of the piece or the process with which it is made.“ Sol LeWitt, Sentences on Conceptual Art, 1969

Seiler + Mosseri-Marlio Galerie freut sich, in der Gruppenausstellung BROKEN ENGLISH fünf junge, in Los Angeles und Den Haag lebende Konzeptkünstler zu zeigen. Ausgehend von Christian Marclays (CH und USA, 1955) Arbeit Broken Record in 5 pieces beschäftigt sich die Ausstellung mit der künstlerischen Auseinandersetzung von Ton, Tonträgern und Tonerzeugern. Marclay macht den Tonträger zum Kunstwerk indem er ihn, in 5 Stücke zerbrochen, auf Photopapier legt und belichtet. Aber erst der Titel macht den Prozess der Zerstörung des Tonträgers sichtbar. Gleichzeitig nimmt der Prozess ihm aber auch die Möglichkeit, Töne zu erzeugen.

Text und Ton, das Zerbrechen von Text und Ton sowie die Visualisierung von Ton oder die Visualisierung durch Ton sind zentrale Themen in der Arbeit dieser fünf Künstler, deren Werke alle zum ersten Mal in einer Ausstellung in der Schweiz zu sehen sind.

Der britische, in Den Haag lebenden Künstler Justin Bennett (UK, 1964) erfasst seine Umgebung über den Ton. An verschiedenen Plätzen im damals noch nicht eröffneten Amsterdamer Finanzdistrikt Zuidas hat er das Abfeuern eines Pistoleschusses aufgenommen. Diese akustischen Signaturen der jeweiligen Orte verwendet er in Shotgun Architecture auf zwei verschieden Weisen. Zunächst fügt er sie in einer Klangkomposition zu einem immer komplexer werdenden, fast schon musikalischen Arrangement. Danach filtert er mit Hilfe eines Computerprogramms die räumliche und spektrale Komponente des jeweiligen Schalls heraus und schafft eine Landkarte des akustischen Raumes. Dabei deuten enge, dichte Linien auf einen eher geschlossenen Raum. Auch in Sundial benutzt er Geräusche um uns einen bestimmten Ort, gleich einem Landschaftsmaler, sichtbar zu machen. In verschieden Städten wie Den Haag, Rom oder Beirut hat er 24 Stunden von einem Dach aus die Geräuschkulisse aufgenommen und sie zu einer 12 Minute dauernden Klangidentität kompiliert. Die Zeichnungen, ein wichtiger Bestandteil Bennetts Arbeit, haben für ihn die Funktion der Kartographie von Orten, Lauten und Gedanken. Justin Bennett hat soeben den Ouborg Preis 2009 gewonnen, der mit einer Solo-Ausstellung im Gemeentemuseum, Den Haag verbunden ist.

Das grosse Interesse an Sigmund Freuds Traumanalyse zieht sich durch das gesamte Werk der in Los Angeles lebenden Künstlerin Shana Lutker (USA, 1978). Mit oft Raumfüllenden Installationen, in denen sie Skulpturen, Photographie, Zeichnungen und Performances einsetzt, spricht sie unsere Urängste wie Verzweiflung, schlechtes Gewissen, Scham und Einsamkeit an. Sie hinterfragt die Realität und zeigt die Fragilität unsere kulturellen Bewusstseins auf. In Hear It Here, eine Performance die sie am 7. Juni in der Galerie aufführen wird, ist das Publikum dazu aufgerufen, Ängste, Gedanken oder Banalitäten über zwei als Sprachrohr agierende Schauspieler zu äussern. Über Mikrophone, die direkt mit den Kopfhörern der Schauspieler verbunden sind, sagt das Publikum den Text vor, den die Schauspieler ungefiltert wiedergeben. Durch die Anonymität der Schauspieler bietet sich die Möglichkeit, eigene Urängste sichtbar, respektive hörbar zu machen. Shana Lutker, die diese Performance bereits an der Art Basel Miami Beach und im Zusammenhang mit der California Biennial 2008 durchgeführt hat, wird in einem nächsten Schritt die aufgezeichneten Aussagen transkribieren und diese als Basis für zukünftige Installationen verwenden, ähnlich ihrer früheren Arbeit Dream Book, 2003. Die Skulpturen Hear Here und Curtain, sowie verschieden Photographien, die auch nach der Performance in den Räumen der Galerie zu sehen sind, befassen sich mit den Gedanken, die hinter Hear It Here stehen.

Der in Los Angeles lebende Künstler Euan Macdonald (UK, 1965) erforscht in seiner Arbeit alltägliche, scheinbar nebensächliche Begebenheiten und führt sie uns in poetischer und gleichzeitig ironischer Form vor Augen. Oft stösst er fast zufällig auf Gegenstände, denen er eine neue Geschichte oder Funktion gibt, oder ihre bisherige Funktion in Frage stellt. Den Ausgangspunkt in The Field bilden 35 Schallplatten der britischen Rundfunkanstalt BBC, die er in einem Archiv gefunden hatte. Die LPs geben bestimmte Geräusche (People’s Reactions, Supernatural & Space oder Violence, Death & Horror) wieder und wurden früher bei Film- und Radioproduktionen eingesetzt. Auf einem 2-Kanal Video spielt Euan Macdonald gleichzeitig zwei verschieden Geräuschtypen ab, die sich im Raum zu einer neuen, zufälligen Klangkulisse zusammenfügen. Das Video zeigt die jeweiligen Plattenlabels solange bis das nächste Geräusch ertönt und weckt im Betrachter zusätzlich ein Klangbild. Hier visualisiert nicht der Ton das Bild, das er im Betrachter hervorruft, der Text visualisiert das Geräusch und die damit verbundene Emotion. In den Diptychen, die das Video begleiten, verbindet Euan Macdonald die Photographien der Labels mit fragil anmutenden Zeichnungen, was die Stimmung der Klangbilder zusätzlich verstärkt.

Die Arbeiten des in Den Haag lebenden Künstlers Navid Nuur (Teheran, 1976) sind vielschichtig, tiefgründig und zugleich poetisch. Seine Gedanken drückt er durch Texte oder Formen aus, die oft durch die Materialität der den Gedanken zugrunde liegenden Konzepte bestimmt werden. Der Prozess selbst ist Teil der Arbeit, ebenso wie der Text, Textträger und Material. In red/blue dient der Text der Sichtbarmachung eines Prozesses, der zur Entstehung der Farbe Violet führt. Auf einem Stuhl des jeweiligen Ausstellungsortes sitzend knetet der Künstler einen roten und einen blauen Knetball solange, bis daraus ein violetter Ball entstanden ist. Über Kopfhörer, die aus diesem violetten Knetball führen, hört man seine Stimme, die unter Anstrengung den Text „red-blue-red-blue“ wiederholt. Die physisch emotionale Komponente einer Farbe, die normalerweise schwierig zu erfassen ist, wird so hörbar gemacht. Navid Nuur ist ab Mitte Juni 2009 in einer Solo-Ausstellung im S.M.A.K. in Gent und im Dezember im Fridericianum in Kassel zu sehen.

Mungo Thomsons (USA, 1969) Arbeit ist geprägt von der künstlerischen Tradition der Westküste und bezieht sich oft direkt auf Arbeiten von Konzeptkünstlern der 60-er und 70-er Jahre (z.B. The Varieties of Experience, ein 16mm Film der das Negativ von Nam Jun Paiks Zen For Film wiedergibt). Inversion und Transformation ziehen sich als zentrales Thema durch Thomsons Werk, das von Film, über Soundinstallationen, Publikationen, Zeichnungen und photographische Wandmalerei reicht. b/w ist eine Soundinstallation auf weisser Vinyl LP, die auf der einen Seite Walgesang um das 16fache beschleunigt, bis es sich wie Vogelgezwitscher anhört, auf der Rückseite Vogelgezwitscher um das 16fache verlangsamt, bis es sich wie Walgesang anhört. Der Walgesang, eigentlich die Vögel, ertönt in den Räumen der Galerie während das Vogelgezwitscher der Wale ausserhalb der Galerie auf dem Bleicherweg erschallt. Durch die Manipulation des Tons kreiert Thomson eine neue Realität, der Tonträger wird nicht zerbrochen, aber manipuliert. Mungo Thomson war 2008 im Hammer Museum, Los Angeles in einer Soloshow zu sehen und wird dieses Jahr an Gruppenausstellungen im S.M.A.K, Gent und der Kunsthalle Düsseldorf teilnehmen.


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