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von Bartha, Basel

Exhibition Detail
vielerorten
Kannenfeldplatz 6
4056 Basel
Switzerland


May 31st, 2013 - July 20th, 2013
 
, Daniel Robert HunzikerDaniel Robert Hunziker
© Courtesy of the artist & Galerie Von Bartha Garage
> QUICK FACTS
WEBSITE:  
http://www.vonbartha.com
COUNTRY:  
Switzerland
EMAIL:  
info@vonbartha.com
PHONE:  
+41 61 322 10 00
OPEN HOURS:  
Tue - Fri 2-6pm, Sat 11am-4pm
TAGS:  
sculpture
> DESCRIPTION

Drei Wochen vor Ausstellungsbeginn besuche ich Daniel Robert Hunziker in seinem Atelier in Zürich. Wieder auf der Rückreise nach Basel begegnen mir beim Blick aus dem Zugsfenster die wichtigsten Komponenten, sozusagen das Vokabular, aus dem DRHʼs künstlerische Sprache gebaut ist: der Güterbahnhof, das Tramschienennetz, leerstehende Hallen und soeben erbaute Bürokomplexe, historische und zeitgenössi- sche Architekturen, städtische Möblierung, die typisch mittelländische Zersiedelung, aber auch die wunderbar sanften Hügel des Juras, oder das dunkle Grün der Aare. DRH erzählte mir sodann auch, wie ihn zu Beginn seines Kunststudiums die Texte eines Robert Morris oder Donald Judd beeinflussten und wie sein Blick als Zugrei- sender oft bei den Aussenlagern von Industriebetrieben entlang der Linie Zürich- Basel hängenblieb, wo aufgestapelte Betonröhren, Wendeltreppen, modulare Metall- elemente oder Stahlprofile plötzlich eine spezifische skulpturale Qualität erhalten. Die Ouvertüre der aktuellen Ausstellung in der von Bartha Garage, ein scheinbar zufällig im Schaufenster stehengelassener Pallette-Stapel mit unterschiedlichen Backsteinen verbindet sich hier prägnant für jeden Galeriebesucher mit der erwähnten Assoziation der Zugreise. Daniel Robert Hunzikers Atelier befindet sich im Zürcher Letzi-Quartier. Der von sei- ner industriellen Vergangenheit geprägte Stadtteil hat sich in den letzten Jahren mehr und mehr von einem locker bebauten Industrieviertel zu einem urbanen Mischgebiet mit viel Wohnanteil verdichtet. Angekommen in dem Studio vergesse ich das Quartier drum herum sogleich. Die Atmosphäre in den selbst gezimmerten und eingerichteten Räumen verbindet sich für mich sofort mit DRHʼs Kunst: Eine kleine praktische Kü- chennische, das Bad eine Holzbox, der Rückzugsort mit Bett etwas erhöht hinter schön gefasstem Glas versteckt, das Arrangement von Arbeitstischen, Ablagen, Re- galen und Stühlen – eine stimmige Komposition in sich. Auf den Tischen soeben lie- gengelassene Arbeit, Skizzen, Pläne und Materialproben. Was so ausgebreitet da- liegt, verweist auf die bevorstehende Ausstellung. Doch in dieser unfertigen Form wird man es nicht zu sehen bekommen. Verweise darauf jedoch sehr wohl: DRHʼs selbst entwickelten Konstruktionen, für die er bloss aus technischen Gründen hand- werkliche Hilfe herbeizieht, seine äusserst raffinierten Farbgebungen, die präzise Materialwahl und schlussendlich die wohl durchdachten Präsentationsarten seiner Werke lassen einen intensiven, dem fertigen Werk vorausgehenden Prozess erah- nen. Doch die scheinbare Perfektion wird immer auch durchbrochen. Da findet sich eine kleine Verschiebung, dort ist eine Leerstelle auszumachen. Im Grunde dem Konstruktiven verschrieben, löst DRH in seinen Arbeiten die formale Strenge durch den Einsatz kleiner Verschiebungen stets ein Stück weit auf: „Eine Komposition wird dann wirklich spannend, wenn sie in sich steht und doch Labilität und Offenheit zu- lässt.“1 Und diese minimalen ‚Fehlerʼ im strengen Raster, das „Prekäre“, wie DRH es nennt, machen es aus. DRH ist ein Künstler, der sich alles sehr genau anschaut und versucht dem Betrachter einen Teil von diesen Seherlebnissen weiter zu geben. Es sind die Störungen und Brüche in der vermeintlich makellosen Komposition, die ei- nem hinschauen und genauer betrachten lassen. In der kommenden Ausstellung, bei der die Dramaturgie im Raum und damit die Art des Betrachtens zentral und vom Künstler bewusst gestaltet ist, lässt er einem noch mehr hinschauen. Er öffnet sein vielseitiges Schaffen, breitet seine Palette aus, prä- sentiert uns eine Schau, in der man Altbekanntes verorten und viel Neues entdecken kann. Es sind viele Orte und unzählige Prozesse, ein reiches Feld an Entscheidun- gen und Ideen, die DRH nun mehr als ein Jahr lang angetrieben haben. „Vielerorten“ zeigt uns, wie er die Welt betrachtet, welche Dinge ihn interessieren, welche Details ihn faszinieren. Aufgewachsen im Aargau, begonnenes Architekturstudium an der ETH Zürich, dann ein Jahr Assistenz beim Bildhauer Willard Boepple in New York, Rückkehr in die Schweiz, Kunststudium in Zürich, verschiedene Reisen und Aus- landaufenthalte – Daniel Robert Hunzikers Biographie ist in den Werken spürbar oh- ne sich aufzudrängen. Für seine Kunst geht er von konkreten, vorgefundenen All- tagssituationen aus. Er betrachtet und analysiert sie mit seinem bildhauerischen Au- ge, prüft ihre räumlichen und plastischen Qualitäten und transferiert sie schlussend- lich in den Kunstkontext. Dies ergibt die für DRH so typische Mischung relativ kühl wirkender, formstrenger und abstrakter Objekte, die bei genauerer Betrachtung eine beeindruckende Narration und Sinnlichkeit enthüllen. DRH baut architektonische Fik- tionen aus dem Repertoire der Industrie, die einem jedoch durch kleine Details, im Titel angeklungene Verweise oder durch die Art ihrer Präsentation Geschichten er- zählen. Es ist der intelligent vollzogene Transfer vom Alltag zur Kunst, der bei der Betrachtung stets etwas Bekanntes in uns anklingt lässt. DRHʼs Themen und Refe- renzen sind nah am alltäglichen Leben zu verorten, koppeln sich jedoch immer auch mit theoretischen Diskursen, kunsthistorischen Fragen und Grundsätzen der Kompo- sition. Gerade die kommende Ausstellung zeigt, wie vielfältig sich dieser Transfer vollziehen lässt, wie konsequent sich DRH mit der ihn umgebenden Umwelt ausein- andersetzt und wie er sich mit grosser Neugier neuen Aufgaben, neuen Materialien und neuen Herausforderungen stellt, um aus der Kunst für sich ein Abenteuer zu machen: „Es geht einzig darum, wach und neugierig zu bleiben und sein Leben kon- sequent als ein geistiges Abenteuer zu betrachten. Oder wie Nick Cave auf seinem letzen Album so treffend singt: Youʼve gotta just keep on pushing / Keep on pushing / Push the sky away. Und zwar unabhängig davon, wie alt du bist, oder was du schon erreicht hast.“ Lena Friedli


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