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GAK GESELLSCHAFT FÜR AKTUELLE KUNST

Exhibition Detail
YOU ARE NOT AN EVENING
Teerhof 21
D-28199 Bremen
Germany


May 26th, 2013 - August 25th, 2013
Opening: 
May 25th, 2013 7:00 PM - 9:00 PM
 
There are no Intervals Here, Sanya KantarovskySanya Kantarovsky, There are no Intervals Here,
2013 , Tinte, Bleiche, Wasserfarbe und Öl auf Leinwand , 139,7 x 101,6 cm
© Courtesy of the artist & Tanya Leighton
> QUICK FACTS
WEBSITE:  
http://www.gak-bremen.de
COUNTRY:  
Germany
EMAIL:  
office@gak-bremen.de
PHONE:  
+49(0)421-50 08 97
OPEN HOURS:  
Di bis So 11 - 18 Uhr, Do bis 21 Uhr, Mo geschlossen
> DESCRIPTION

„You expected something.
You expected something else perhaps.
(...)
In any case, you expected something.
It may be the case you expected what you are hearing now.
But even in that case you expected something different.“
Peter Handke, Offending the Audience 

Characteristic for the paintings of Sanya Kantarovsky is a juxtaposition of abstract and concrete elements and their vivid interaction. A canvas that seems to combine purely abstract forms upon first sight, for example, can turn out to depict a drawn curtain or an arm, rendered visible by the addition of a single, inconspicuous painted hand. The abstract arrangement of two simple, intersecting lines might equally be perceived as windows and doors. Within the artist’s work, figuration and abstraction are at once present and absent as elements of mutual dependence and interrogation. The representational parts are reminiscent of disparate sources: items painted in the elegance of Fred Astaire or in the tradition of the famous illustrations of New Yorker magazine stand alongside others recalling political visual propaganda from the 1930s Soviet era or illustrations from children’s books. The subtle melancholic humor of a Franz Kafka informs the atmosphere of these images, complemented by a light touch and gentle use of color. Often enough his works confront the vagaries of the creative process or perception itself: individuals sit before an empty screen, gaze upon a blank image or abashedly grasp their heads at the sight of a white rectangular form.

Kantarovsky’s canvases are multilayered organisms that eliminate the difference between the concrete and abstract, high and low, the decorative and the politically engaged, through their precise juxtaposition. At first sight, they seem seductively accessible, but closer inspection reveals that his works subtly invalidate such terms of classification. Kantarovsky maintains this openness in his occasional role as curator and his tireless interrogation of the architectural situations within which his work is presented.

The new series of paintings for You are Not an Evening shows a state of the before, the afterwards, the behind and the in-between rather than depicting the actual incident: individuals are shown departing the scene, with their backs turned to the viewer or even all but gone from view. Figures stare in fascination at something that lies beyond the bounds of our perception. Elsewhere, abstract forms encroach upon the image’s narrative like dark clouds... Pursuing the strategies that underpin Peter Handke‘s play Publikumsbeschimpfung(“Offending the Audience”), the exhibition concept emphasizes the absent and the subversion of classical terms of reference in art. You are Not an Evening elucidates the title of this presentation, while titles such as There are no Intervals Here and You Expected Objectsilluminate the paintings’ subscription to the premise of subverting the very expectations that their deceptively straightforward appearance might evoke in the viewer.

For this paintings, Sanya Kantarovsky develops a situation in the GAK, where a linear sculpture opens a space within the space. Another structure, a hybrid of autonomous sculpture and exhibition display, interacts with the specifics of the institutional architecture, brings to mind the process of perception of the viewer by forced movement and enacts the exhibition as a play.

Sanya Kantarovsky was born 1982 in Moscow and lives in New York. He studied fine arts at the Rhode Island School of Design, Providence, and the University of Los Angeles. He has exhibited at Lax><Art (Los Angeles) and several galleries internationally, and curated the group show Things, Words and Consequences at Moscow Museum of Modern Art in 2012. He is currently working on an animated film for Lax><Art and on a two person presentation with Frances Stark for Art Basel Features. You are Not an Evening is his first institutional exhibition in Europe. 

You are Not an Evening is accompanied by the Thursday Appointment’s with guided tours, lectures and film screenings.


„Sie haben sich etwas erwartet.
Sie haben sich vielleicht etwas anderes erwartet.
(...)
Jedenfalls haben Sie sich etwas erwartet.
Allenfalls haben Sie sich das erwartet, was Sie hier hören.
Aber auch in diesem Fall haben Sie sich etwas anderes erwartet.“
Peter Handke, Publikumsbeschimpfung, Frankfurt/Main 1981, S. 15.

Bezeichnend für die Arbeiten von Sanya Kantarovsky ist ein Nebeneinander von abstrakten und gegenständlichen Elementen, die in seinen Gemälden in einen regen Austausch treten. So wird z.B. eine rein abstrakte Formenanhäufung durch die Einbeziehung einer einzigen, recht unscheinbaren Hand zum Bild eines Vorhangs oder eines Armes, lassen zwei simple, gekreuzte Linien ungegenständliche Anordnungen in Darstellungen von Fenstern und Türen kippen. Figuration und Abstraktion sind in seinen Werken gleichsam ab- wie anwesend, bedingen und befragen sich. Die figürlichen Elemente speisen sich dabei aus disparaten Quellen: Die Eleganz von Fred Astaire und Illustrationen in der Tradition des New Yorker stehen neben politischer Bildpropaganda des Sowjetrusslands der 1930er Jahre und dem Zeichnungsstil aus Kinderbüchern. Der melancholisch-untergründige Humor eines Franz Kafka bestimmt die Atmosphäre seiner Bilder ebenso wie eine durch den Strich vermittelte Leichtigkeit und eine sanfte Farbigkeit. Dabei stellen seine Werke häufig auch die Frage nach den Widrigkeiten des kreativen Prozesses oder des Wahrnehmungsvorganges: Personen sitzen vor einer Leinwand ohne Film, beäugen eine leeres Bild oder halten sich beschämt den Kopf angesichts einer weißen Rechteckform.
 
Kantarovskys Gemälde sind vielfältige Organismen, die die Unterscheidungen zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, hoch und niedrig, formaler Leichtigkeit und inhaltlicher Schwere auflösen, indem sie sie präzise gesetzt gegeneinander ausspielen. Im ersten Moment erscheinen sie geradezu verführerisch zugänglich, um bei genauerem Hinsehen Vorgaben, wie die Dinge anzusehen und einzuordnen sind, zu unterlaufen. Diese Offenheit der Perspektiven bewahrt sich Kantarovsky auch, wenn er neben seiner Tätigkeit als Künstler immer wieder in die Rolle des Kurators schlüpft oder die architektonischen Situationen, in denen seine Arbeiten gezeigt werden, unermüdlich neu befragt.
 
Für You are Not an Evening  hat er eine Serie neuer Gemälde geschaffen, die Erwartungen unterlaufen und neu justieren, indem sie eher ein Vorher, Nachher, Dahinter und Dazwischen darstellen als das eigentliche Geschehen festzuhalten: Personen sind im Begriff, das Bild zu verlassen, wenden uns dabei den Rücken zu oder sind bereits zum großen Teil von der Leinwand verschwunden. Sie starren gebannt auf etwas, was außerhalb unserer Wahrnehmung liegt. An anderer Stelle legen sich abstrahierte Formen wie dunkle Wolken über die Erzählungen der Bildfläche. Den Strategien von Peter Handkes Theaterstück Publikumsbeschimpfung folgend betont das Konzept der Ausstellung eher das Nichtanwesende und die Unterwanderung klassischer Vorgaben: You are Not an Evening stellt bereits der Titel der Präsentation klar. Mit Namen wie There are no Intervals Here oder You Expected Objects schließen sich auch die Gemälde der Vorstellung an, gerade nicht zu erfüllen, was ihr zunächst so zugänglich auftretendes Erscheinungsbild an Erwartungshaltungen hervorrufen mag.
 
Für seine Leinwandarbeiten entwickelt Sanya Kantarovsky in der GAK eine Ausstellungssituation, in der eine lineare Skulptur zum Raum im Raum wird. Besonders auffällig sind in diesem Zusammenhang fünf von der Decke hängende Wände, die sich als Hybride aus eigenständiger, skulpturaler Setzung und Ausstellungsdisplay erweisen. Sie reagieren in ihrer Platzierung auf die Besonderheiten der institutionellen Architektur, machen den Wahrnehmungsvorgang der Besucher/innen durch die erzwungene Bewegung um sie herum bewusst nachvollziehbar und choreografieren den Raum in einem Zustand zwischen bewusster Führung und Zufall. Ihre Oberfläche ist auf eine Art mit unterschiedlich gemusterten Stoffen bezogen, die an monumentale Oberbekleidung denken lässt. Die Gemälde, die auf den Wänden angebracht sind, nehmen sich demgemäß wie Broschen auf einem Kleidungsstück aus. Die sich zwischen ihnen bewegenden Besucher/innen ergänzen die so entstehenden Oberkörperanmutungen mit Beinen und Füßen zu slapstickhaften Körpern. Kantarovsky selbst beschreibt dieses Pendeln zwischen Körperhaftigkeit und Raumbezug mit: „The body becomes architecture.“

 Sanya Katarovsky wurde 1982 in Moskau geboren, hat an der Rhode Island School of Design, Providence, und an der University of Los Angeles freie Kunst studiert und lebt in New York. Er hatte Ausstellungen bei Lax><Art in L.A., in zahlreichen internationalen Galerien und hat im vergangenen Jahr die Gruppenausstellung Things, Words and Consequences im Moscow Museum of Modern Art kuratiert. Derzeit arbeitet er an einem Animationsfilm für Lax><Art und entwickelt ein Projekt mit Frances Stark für die kommende Art Basel. You are Not an Evening ist seine erste institutionelle Einzelausstellung in Europa.


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