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Natasha Akhmerova’s Barbarian Art Gallery

Exhibition Detail
RUSSIAN ARCHIVES
Curated by: Natasha Ganahl
PROMENADENGASSE 19
8001 Zurich
Switzerland


October 27th, 2012 - December 8th, 2012
Opening: 
October 27th, 2012 7:00 PM - 9:00 PM
 
, Vladimir KupriyanovVladimir Kupriyanov
© Courtesy of the artist & Natasha Akhmerova’s Barbarian Art Gallery
> ARTISTS
> QUICK FACTS
WEBSITE:  
http://www.barbarian-art.com
COUNTRY:  
Switzerland
EMAIL:  
info@barbarian-art.com
PHONE:  
+41 44 280 45 45
OPEN HOURS:  
Tue - Fri 12 - 3, 4 - 7; Sat 12 - 4 or by appointment
TAGS:  
photography, sculpture
> DESCRIPTION

Natasha Akhmerova und die Barbarian Art Gallery freuen sich, eine Gruppenausstellung mit Irina Polin, Vladimir Kupriyanov, Svetlana Mazoulveskaya, Vladimir Archipov, Alexander Ponomarev, Ekaterina Panikanova, Igor Tishin präsentieren zu können. Natasha Ganahl kuratiert die Ausstellung unter dem Titel RUSSISCHE ARCHIVE.

Die Gruppenausstellung RUSSISCHE ARCHIVE mit den in Russland und Weissrussland geborenen KünstlerInnen stellt die Frage: Wie ist das Verhältnis von Geschichte und ihrer künstlerischen Archivierung und Nacherzählung?

„Das Archiv ist nicht nur ein Aufbewahrungsort, sondern eine eigentliche Denkmaschine“  - schrieb Stefan Kaiser in seiner Einführung zum gleichen Thema im Kulturmagazin  „DU“ No 795.  In diesem Sinn gehört  Archiv zu den wichtigsten Topoi der postmodernen Kulturphilosophie. Seit Michel Foucault versteht man es als Metapher für alle im kollektiven Gedächtnis gespeicherten und verfügbaren Bilder und Diskurse, welche als Ausgangsmaterie für eine weitere kulturelle Produktion dienen können.  Die bewusste Arbeit mit Archiven in diesem breiteren Sinn scheint für die russische Kunst in den letzten 40 Jahren seit dem Moskauer Konzeptualismus besonders symptomatisch zu sein.  Aus unserer Geschichte ist Kunst geworden. Viele KünstlerInnen treten als Rechercheure auf, als Sammler oder als Lumpensammler auf der Suche nach Referenzen des gemeinsamen Gedächtnisses.

Die Spannbreite der Barbarian Art Galerie erlaubt es, verschiedene Positionen des künstlerischen Archivierens zu zeigen: die einen arbeiten mit Metaphern des Gedächtnisses und die anderen stellen mit verschiedenen Mitteln ihre eigenen „Archive“ her.  Was alle diese Positionen vereinigt, sind in verschiedener Proportion gemischte Ironie und Melancholie, welche den Verlust und das Neugewinnen des schon Ablebenden begleiten. Welche Medien der Erinnerung und der Archivierung wählen sie aus?


Berühmt durch die Demonstration seiner farbigen Submarines im Canale Grande auf der Biennale von Venedig 2009 stellt Alexander Ponomarev  sein eigenes Archiv der sowjetischen U-Boote zusammen. Neben den von ihm gemachten Zeichnungen, Fotos, Objekten, und Installationen tauchen in verschiedenen Gewässern die echten U-Boote auf – die ehemaligen Kriegsmaschinen, welche er liebevoll wiederbelebt, bunt bemalt und zum Vehikel seiner künstlerischen Projekte macht. Vladimir Archipov hat sich das anthropologische Verfahren des Archivierens als künstlerische Methode angeeignet. Er sammelt „bei den einfachen Leuten“ für den Alltagsbrauch selber gebastelte Gegenstände und die als Intervive aufgeschriebene Geschichten ihrer Herstellung. Durch das Übertragen in den Ausstellungsraum  entfalten die Objekte eine unerwartete Schönheit ihrer armseligen Materialität. Diese seltsamen und subversiven Dinge tragen in sich selber das Archiv der (post)sowjetischen materiellen Kultur in einer negativen Form – als Geschichte des Mangels und ihrer kreativen Überwindung.  Vladimir Kuprijanov  verwandelte die nostalgischen Fundstücke seiner Fotosammlung  in Kunstwerke, welche das vergangene anonyme Alltagsleben zu einem surrealen Erlebnis machen (was Susan Sonntag als „Denaturierung der Vergangenheit“ durch das Auswahlverfahren bezeichnet hatte).

Für die KünstlerInnen, die ihre Heimat verlassen haben (und das gilt mehr oder weniger für alle, weil unsere Heimat die Sowjetunion war), ist das Sammeln und Neuordnen der eigenen Kultur fast zur existenziellen Aufgabe geworden. Die Malerei der in Zürich wohnenden Svetlana Mazoulevskaja transponiert nur gewisse Spuren der Geschichte. Diese Spuren werden durch verschiedene Medien wie Fotografie, Film, kleine Skulpturen oder Spielzeug mehrmals abgestuft und tragen die Partikel der unübersetzbaren und irreduzierbaren kollektiven Erfahrungen. Mittels des Wiederfindens der kollektiven Fetische (wie die Tscheburaschka-Puppe, oder Puschkins Büste) kommt sie zu einer fast magischen Verbindung mit der Geschichte ihres Volkes in der Suche nach den eigenen Ursprungfiktionen, wie in der Serie „Sehe Ursprung“. Ekaterina Panikanova lebt heute in Rom und arbeitet mit dem Buch als Medium des Gedächtnisses und mit dem Palimpsest als seiner Metapher. In ihren poetischen Zeichnungen und Videoinstallationen thematisiert sie das Erscheinen und das Verschwinden der Erinnerungen und ihren fragmentarischen Charakter, sowie die Diffusion von persönlichen und kollektiven Erinnerungsbilder.

Der aus einem weissrussischen Dorf stammende und in Brüssel lebende Igor Tischin bringt in seiner Malerei künstlerische und literarische Inspirationen zusammen: Sozialistischer Realismus, die regionale Kolchosenästhetik, Malerei seiner Landsleute Chagall und Soutine, Comics, absurde Poesie russischer Avantgarde, Kino, alte Fotos und Familienarchive, Briefe, Wandkritzeleien, alte Zeitungsausschnitte, eigene Kindheitserinnerungen usw. Er nähert sich der Realität mit dem Eifer des Sammlers, der den Trödel der eigenen Kultur zusammenschleppt und wiederverwendet. Seine wilden und bizarren Bilder sind das Resultat eines komplexen labormässigen Studiums der Bildlichkeit und Textualität (post)sowjetischer Epoche.

Welche Bedeutung haben die nostalgischen Gegenstände, die fetischisierten und mythologisierten Objekte, in denen Gefühle des Verlustes und der Wiedererwerbung zusammenspielen, für das kollektive Gedächtnis? Die in Bern wohnende Moskauer Künstlerin Irina Polin sucht ihre Rolle zwischen Lumpensammlerin und Antiquarin, indem sie den Schatz und Schrott der schönen Stuben ihrer Kindheit ansammelt und zu üppig konstruierten „Reliquarien “ des bürgerlichen Wohnens aufbaut. Nicht nur die süsse Poesie der kitschigen Hausreliquien, sondern die Sammellust, Schaulust und die Repräsentationsregeln selber werden zum Thema ihrer mit Sinnlichkeit und Ironie zusammengestellten Vitrinen, sowie ihrer als subtile trompe l’oeil wirkenden Fotobilder. Dem Reiz solchen, „die Zeit bezeichn enden“ (Baudrillard) Dinge unterworfen stellen wir mit Hilfe unserer Besucher ein temporäres „sentimentales Museum“ zusammen. Es wird aus den aus russischen Heimat mitgebrachten Reliquien und ihren Geschichten bestehen. Damit möchten wir ein gemeinsames interaktives Feld der Erinnerungen schaffen und der Ausstellung eine persönliche Dimension verleihen. Die Ausstellung versucht die Grenzen zwischen Privatem und Öffentlichem, dem Persönlichen und dem Allgemeinen zu öffnen, in dem die BesucherInnen zum Mitwirken und Mitdenken eingeladen werden.    Natalia Ganahl


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