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Galerie Born

Exhibition Detail
Zeichnung
Südstraße 22 Boddenlandschaft
18375 Born am Darß
Germany


September 8th, 2012 - October 28th, 2012
 
,
© Courtesy of Galerie Born
> QUICK FACTS
WEBSITE:  
http://www.galerie-born.de/
COUNTRY:  
Germany
EMAIL:  
info@galerie-born.de
PHONE:  
0172 / 88 55 692
OPEN HOURS:  
Mi bis So 11-17 Uhr
> DESCRIPTION

Mark Lammerts 2009 in Griechenland, in Athen und Epidaurus entstandener Block von vorder- und rückseitig bezeichneten 150 Blättern ist ein Unterfangen, was an die Orte führt, von denen uns die Tochter von Himmel und Erde, die Mutter der Künste, die Mnemosyne bekannt gemacht wurde. Martin Heidegger hat bezogen auf Nietzsche davon gesprochen, dass die Vertreibung der Mnemosyne die Wüste wachsen lässt. Das wasserlose Land also, das keinen Ursprung mehr kennt. Die Mythen der Griechen haben viel mit dem Meer zu tun, mit Göttern, die auf seinem Grunde leben und den Luftgeistern Konkurrenz bieten. Lammerts mit Ölfarbe gezeichneten Blätter berühren noch ein anderes Kennzeichen dieser großartigen Kultur: das Maß. Die Griechen lebten wie keine hohe Kultur nach ihnen aus dem Maß und der Zahl. Alles war dem Maß verpflichtet, die Ordnung ihrer Gesellschaften, wie die Bauten und die Skulptur, deren Maßstab allen späteren zum Vorbild wurde, allerdings ohne jemals auch nur in die Nähe ihrer geistigen Ausgeglichenheit zu gelangen. Lammerts auf der Fläche fragmentarisch wirkende Farbkörper sind in ein Raster eingezeichnet, das auf das Maß zielt, was allerdings im Hinblick auf die Moderne unausgefüllt bleiben muss.

Martin Assig, der sowohl in der Malerei wie in der Skulptur besondere Wege geht, vor allem was die Techniken anbelangt, kann auf ein großes zeichnerisches Werk zurückblicken. Auch in der Zeichnung verwendet er der Enkaustik verwandte Wachstechniken und arbeitet neben einzelnen Blättern an Blöcken, an Werkreihen, darunter St. Paul, die er 2009 begonnen hat. Aus dieser umfangreichen Reihe sind in Born Blätter zu sehen, die anknüpfend an Mark Lammerts „griechische Serie“ entwicklungsgeschichtlich gedacht ideal wären, würde es sich bei St. Paul um Paulus handeln, den Begründer des christlichen Universalismus. Es liegt durchaus nahe, denn religiöse Themen sind im Werk von Martin Assig keine Seltenheit, im Gegenteil, er hat sich wie wenige Künstler der Gegenwart der christlichen Themenwelt zugewandt. Die Zeichnungsreihe St. Paul aber ist eine Zueignung an den großen Paul Klee, von dem er sich, wie er schreibt, die Unterschriften geliehen hat. Formal sind die Zeichnungen jedoch nicht auf die kleinformatige Zauberwelt von Klee bezogen, sondern eigenwillige Bildwelten, die Assig über Jahrzehnte entwickelt hat. Sie teilen mit Klee die Hinwendung zum Metaphysischen und fühlen sich dem genialen Begriff von Klee, dem bildnerischen Denken verpflichtet. Sie sind auf gewachstem Papier in Mischtechniken entstanden, die Wachs- und Pastellkreiden, wie Wasserfarben und Bleistifte verwenden. 

Unter den drei Künstlern, die hier nur stichwortartig vorgestellt werden können, ist Thomas Müller der einzige, der sich ganz der Zeichnung verpflichtet fühlt. In der Zeichnung lotet er alle Möglichkeiten aus, ohne jedoch abbildhaft zu verfahren. Der sogenannte Realismus ist ihm fremd, dennoch handelt es sich nicht um abstrakte Zeichnungen, sondern um das zeichnerische Eindringen in psychophysikalische Zusammenhänge. Bei der Betrachtung seiner Blätter wird deutlich, dass es eine reine abstrakte Linie, ein Zeichen also, was sich nicht auf das Denken bezöge, sondern eine unabhängige Existenz behauptet, nicht geben kann. Thomas Müllers Zeichnungen sind ganz im Gegenteil der geistigen Reflexion in einem besonderen Maße verpflichtet. Das bildnerische Denken ist ihm eine der vordringlichsten Maximen. Müller verdeutlicht in klaren Formulierungen die besondere Rolle des Zeichnens als eine Verbildlichung geistiger Prozesse, die sich unmittelbar über die Hand auszeichnen. Dabei geht es um elementare Strukturen, um seismographische Abbildungen innerer Prozesse, die sich dem Wort verschließen. Dabei entstehen u.a. großformatige, dicht gewebte Blätter, die immer wieder andere Konstitutionen von Linienbezügen aufgreifen, wellenförmig oder netzartig, Schwingungen, die fast hörbar scheinen.

 

Eugen Blume

Berlin, 2012 (Katalogtext, Auszug)

 

 

 

Martin Assig

1959 geboren in Schwelm

Lebt und arbeitet in Berlin und Brädikow

 

Mark Lammert

1960 geboren in Berlin

Lebt und arbeitet in Berlin 

 

Thomas Müller

1959 geboren in Frankfurt / Main

Lebt und arbeitet in Stuttgart


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