Chicago | Los Angeles | Miami | New York | San Francisco | Santa Fe
Amsterdam | Berlin | Brussels | London | Paris | São Paulo | Toronto | China | India | Worldwide
 
Worldwide

Mönchehaus Museum Goslar

Exhibition Detail
Malerei
Mönchestraße 1
D-38640 Goslar
Germany


September 30th, 2011 - January 15th, 2012
 
Untitled, Helene AppelHelene Appel, Untitled,
2007, Öl auf Leinwand, 88 x 61 cm
© Courtesy Galerie Luis Campaña
> QUICK FACTS
WEBSITE:  
http://www.moenchehaus.de/moench/moencse...
COUNTRY:  
Germany
EMAIL:  
info@moenchehaus.de
PHONE:  
(+49) 05321-29570
OPEN HOURS:  
Dienstag - Sonntag: 10 - 17 Uhr
> DESCRIPTION

Helene APPEL
Die Trägerin des Goslarer Kaiserringstipendiums 2011
heißt Helene Appel. Die Künstlerin, 1976 in Karlsruhe
geboren, hat in Hamburg an der Hochschule für
bildende Künste und am Londoner Royal College of Art
studiert. Sie lebt und arbeitet heute als Malerin in Berlin.

Helene Appel erhält die Goslarer Auszeichnung für ihre
ebenso meisterhafte wie reflektierte Malerei. Die
Künstlerin malt unspektakuläre Dinge des Alltags in
spektakulärer Weise. So sehen wir mit neuen Augen, was
wir in der Regel gar nicht sehen oder übersehen. Appel
bringt Zwiebelstücke, Lauch-ringe, Salatblätter und
Reiskörner auf die Leinwand oder Klebestreifen, Zweige,
Fischernetze und Pfützen. Dabei malt sie diese einerseits
augentäuschend präzise,als wolle sie den großen Trompe
l‘ oeil Malern der Kunstgeschichte Konkurrenz machen,
andererseits so künstlich, dass man in keiner Sekunde
vergisst, ein gemaltes Bild vor sich zu haben. Appels
Absicht ist nicht, unser Auge mit dem schönen Schein der
Dinge zu betrügen, sondern sie in eine malerische Aura
zu tauchen. Erst dort gewinnen die Dinge ihre spezifische
Sicht-barkeit und eigene Wirklichkeit.

Was die junge Künstlerin in ihren Bildern inszeniert, ist
ein gekonntes Spiel von Täuschung und Ent-Täuschung.
Wenn sie ihren Malgrund unbehandelt lässt und die
Bildfigur auf der Leinwand völlig frei stellt, lässt sie keinen
Zweifel am Artefaktcharakter ihrer Werke. Zwar sehen
ihre verdrehten Klebestreifen, grünen Salatblätter oder
filigranen Fischernetze so realistisch aus, als habe die
Künstlerin sie als Readymades der Wirklichkeit ent-
nommen und auf die Leinwand gelegt. Aber zugleich
erinnern ihre Bilder auch an gestische Malerei. Erst in
einer bestimmten Entfernung zum Werk wird ein
schwarzer Strich zum Zweig, ein brauner Fleck zur
Pfütze. In diesem ambivalenten Schwanken zwischen
Gegenständlichkeit und Abstraktion liegt ein hoher Reiz
der Bilder der Künstlerin.


Appel malt ihre Gegenstände aus der Draufsicht und im
wirklichkeitsgetreuen Maßstab. Dennoch hat der
Betrachter den Eindruck, sie studiere sie dabei wie ein
Wissenschaftler, der durch ein Mikroskop auf eine
unbekannte Spezies schaut. Durch diesen Blick baut sich
in ihren Bildern eine Spannung auf zwischen dem Ein-
druck von etwas Fremdem und zugleich Vertrautem. Sie
überträgt sich auf den Betrachter. Die Ansammlung
weißer Reiskörner, das Inventar fragiler Zweige, das
geometrische Muster der Netze, sie alle erscheinen wie
eine unbekannte Welt. Dabei löst sich Helene Appels
Repräsentation von Alltagsgegenständen völlig von der
herkömmlichen Tradition des Stilllebens und seiner Sym-
bolik. Man denkt bei der Betrachtung ihrer Bilder eher
an das schöne Wort von Karl Kraus: „Je näher man ein
Wort (hier: ein Bild) anschaut, desto ferner blickt es
zurück.“

Das jährlich zuerkannte Goslarer Kaiserringstipendium
wurde zum ersten Mal 1984 an Tina Juretzek vergeben.
Ausgezeichnet wurden mit ihm in den letzten Jahren
Peter Welz, Anja Schrey, Jan Albers, Haidée Henry und
Mariusz Tarkawian. Es ist mit 5.000,00 Euro für einen
Ankauf dotiert.

Michael Stoeber


Copyright © 2006-2013 by ArtSlant, Inc. All images and content remain the © of their rightful owners.