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Kunstherberge Birkenau

Exhibition Detail
Kunst im Bau
Birkenau 10 + 12 Untergiesing
81543 München
Germany


February 3rd, 2011 - May 25th, 2011
Opening: 
February 3rd, 2011 7:00 PM - 9:00 PM
 
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> ARTISTS
> QUICK FACTS
WEBSITE:  
http://kunst-im-bau.org
COUNTRY:  
Germany
OPEN HOURS:  
Do + Fr 17 – 20 Uhr , Sa + So 15 – 18 Uhr
> DESCRIPTION

Hintergrund

Im Münchner Stadtteil Unter-Giesing befindet sich die Straße Birkenau. Der Name leitet sich von einer Kleinhaussiedlung ab, die zu ihrer Entstehungszeit eine kleine, von Wiesen umgebene Häusergruppe war. (Über die Entstehung dieser Handwerkerhäuser und ihrer Entwicklungsgeschichte siehe den Text „Die Kleinhaussiedlung Birkenau“).

Zwei dieser ursprünglich einstöckigen Häuser, nämlich Birkenau 10 und 12, sind im Lauf der Zeit vielfach umgebaut, verändert, mit kaum erhaltener historischer Substanz und sind heute sehr baufällig.

Sie wurden vom Design- und Architekturbüro Binnberg erworben. Uwe Binnberg, selbst in Unter-Giesing aufgewachsen, also mit der dortigen Stadtsituation verwachsen und gut vertraut, plant auf dem Gelände familienfreundliche Wohnungen zu errichten.
Bis zum Beginn der Baumaßnahmen stellt er die Häuser der Öffentlichkeit für verschiedene und vielfältige Kunstereignisse zur Verfügung und sorgt zu deren Durchführung auch für eine finanzielle Ausstattung.

Hiermit führt er ein Konzept fort, das er und Christoph Nicolaus schon in drei Vorgängerprojekten erfolgreich realisierten.

Ausstellungskonzept

Ausgehend von der gegebenen Situation, nämlich daß Altes, bisher Prägendes verschwindet und Neuem Platz macht, nehmen die Organisatoren Christoph Nicolaus und Dr. Marietta Schürholz, dies zum Anlaß sich im weitesten Sinne mit dem Thema "Vergänglichkeit und Werden" zu beschäftigen.

Dabei umfaßt das Ausstellungskonzept drei Bereiche:

- Eine sich in der Zeit stetig verwandelnde Kunstinstallation. Sie setzt sich aus Arbeiten von 44 verschiedenen Künstlern in beiden Häusern zusammen und läßt in einem aufeinander abgestimmten Zweiwochenrhythmus jeweils ein verändertes, neues Gesamtbild erscheinen.
- Eine Historische Ausstellung
- Buddhas Banquet - ein gastrosophisches Projekt

Kunstinstallation

Insgesamt stehen 14 verschiedengroße, charakterstarke Räume zur Verfügung. Künstler, vorwiegend aus München, nehmen sich einzelne dieser Räume vor und gestalten sie - auf die Räume und die Gesamtsituation eingehend - in ihrer ihnen eigenen Art.

Die eingesetzten Medien sind vielfältig: Installations- und Objektkunst, Film, Video, Fotografie, Zeichnung, Skulptur, Klang- und Lichtinstallationen.

Dabei regen die Kuratoren (die künstlerische Freiheit natürlich respektierend) an, sich mit verschwinden und vergehen, damit einhergehend möglicherweise auch mit Sterben, Tod und (Wieder-)Geburt zu beschäftigen. Außerdem erscheint es ihnen interessant in diesem Rahmen eher unscheinbare, kleine, subtile und zarte Eingriffe vorzunehmen.

Beginn ist am 3. Februar 2011. Hier werden Arbeiten von dreizehn Künstlern zu sehen sein.

In einer festen Folge von zwei Wochen werden dann immer einige der schon bestehenden Installationen verschwinden und durch neue , von anderen Künstlern am gleichen Ort errichteten Installationen ausgetauscht, während die anderen noch - dann in einem anderen Zusammenhang - erhalten bleiben. Ein prozessualer Kreislauf kommt in Gang und eröffnet immer neue, andere, sich wandelnde Perspektiven und Gesamtansichten. Es kommt demnach am 3.2., am 17.2., am 3.3., am 17.3., am 31.3., am 14.4., am 28.4. und am 12.5. zu Eröffnungen neuer Ausstellungsansichten und am 22.5. zur Finissage. Am letzten Eröffnungstermin, dem 12.5., werden die zuerst ausgetauschten Künstler erneut noch einmal ihre Arbeit präsentieren. Entweder, die gleiche, eine Fortentwickelung von dieser, oder eine neue, ganz andere Arbeit. Auf diese Weise kommt es zu einer stetigen Wandlung mit vergehen und werden und jeder Künstler ist vier Wochen dort zu sehen.
Da die Häuser in besonderer Art mit München verbunden sind, wird auch ein Schwerpunkt auf Münchner Künstler gelegt.

Historische Ausstellung

Der Verein „Freunde Giesings e.V.“ wird eine Ausstellung einrichten, die sich mit der Historie sowohl speziell dieser beiden Handwerkerhäuser und deren früheren Bewohnern, als auch mit der ehemaligen Kleinhaussiedlung Birkenau, auseinandersetzt.

Es werden verfügbare Bücher, Fotos, Filme, Schrift- und Hördokumente, Modelle und andere Objekte, soweit sie Einblick in die Geschichte des Ortes gewähren können gezeigt.

Buddhas Banquet

Im ehemaligen Gastraum der bis nach dem Krieg existierenden Wirtschaft „Fiakerheim“ in der Birkenau 10 (zuletzt Autowerkstatt) wird kurzfristig eine eingeschränkte Gastronomie zu den Eröffnungen wiederaufgenommen. "Buddhas Banquet" ist ein gastrosophisches Projekt von Marietta Schürholz, das Kunst, Kulinarik und Spiritualität verbindet. Am 5. Mai findet hier ein Vortrag von Prof. Harald Lemke aus Hamburg zum Thema „Philosophische Überlegungen zum Verhältnis von Kochen und Kunst“ statt.

Beteiligte Künstler

Frank Balve & Nico Kiese, Antoine Beuger & Sylvia Alexandra Schimag, Birthe Blauth, Annegret Bleisteiner & Annette Krebs, Burkard Blümlein, Christoph Brech, Michèle Brody, Carlotta Brunetti, Almut Determeyer, Afra Dopfer, Jürg Frey, Geraldine Frisch, Tom Früchtl, Isabel Haase, Nausikaa Hacker, Iris Häussler, Sabine Haubitz + Stefanie Zoche, Barbara Held, Michael Hofstetter, Nicolas Humbert & Werner Penzel, Marcus Kaiser, Simone Kessler, Christoph Nicolaus, Jan Ott, Helena Pho Duc, Michael Pisaro, Susanne Pittroff, Christoph Scheuerecker, Michael Schrattenthaler, Marietta J. Schürholz, Stephanie Senge, Misa Shimomura , Rose Stach, Stefanie Unruh, Carmela Uranga, Nikolai Vogel + Silke Markefka, Katharina Weishäupl, Johannes Wende, Manfred Werder, Patricia Wich,

 

Die Kleinhaussiedlung Birkenau

(Herausgeber: Fachbereich Architektur der FH München.
Die Dokumentation, die alle noch vorhandenen Häuser mit Plänen, Fotos, Baubeschreibung, Baugeschichte genau untersuchte, entstand als Aufgabe des Lehrgebiets Denkmalpflege im WS 1978/79)
Folgender Einleitungstext hieraus ist von Ruth Bölle:
Lage und Entwicklung

Die Birkenau liegt im Münchner Stadtteil Giesing, ihre Geschichte verläuft daher auch identisch mit der von  Giesing. Die Birkenau beginnt an der Freibadstraße, schneidet die Obere- und die Untere Weidenstraße und endet unterhalb des Eisenbahndammes in der Nähe des Hans Mielich Platzes. Ein Großteil der untersuchten Objekte liegt an der Straße, die heute noch den Namen der Siedlung trägt und an der Oberen Weidenstraße.

Giesing ist ein gutes halbes Jahrhundert älter als München. Ca. 500 - 700 n. Chr. gründete Kyeso, das Oberhaupt einer bajuwarischen Sippe das Dorf Kyesinga - im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus der heutige Name Giesing. Neben der ursprünglich rein bäuerlichen Bevölkerung siedelten sich in den folgenden Jahrhunderten immer mehr Gewerbetreibende in Giesing an, da es vielen von ihnen nicht möglich war, sich wegen der strengen Zulassungsbedingungen in der Residenzstadt München niederzulassen. Dies hatte zur Folge, daß es bald zu Streitigkeiten mit den Münchner Zünften kam, denn die Bevölkerung des Vorortes war auf Arbeit in und aus München angewiesen.
Mit dem Versuch im Jahre 1724 Giesing, Haidhausen und die Au einzugemeinden erhoffte man sich eine Lösung der herrschenden Schwierigkeiten und Mißstände. Dies scheiterte jedoch wegen der Verschiedenheit der Gerichte und  der gutsherrlichen Rechte. Es sollte noch über einhundert Jahre dauern, bis nach langen Verhandlungen am 1. Oktober 1854 die Eingemeindung in Kraft trat.

Im Jahre 1840 stimmten die beiden städtischen Kollegien der Eingemeindung der Au unter der Bedingung zu, daß gleichzeitig auch Haidhausen und Giesing eingemeindet wurden. Vier Jahre später kamen der Regierung dann Bedenken, und auf allerhöchste Entschließung ließ man die Frage der  Vereinigung auf sich beruhen.

Zu dieser Zeit, nämlich 1840 bis 1845, wurden die meisten Häuser der Birkenau gebaut. Man nannte das Gebiet damals Birkenau Lohe, bei den Pfaffenhäusern. Vor der Bebauung war dies eine große, teilweise mit Birken bewachsene Wiesenfläche zwischen dem Auermühlbach und der Isar. Aus dem Wildwuchs entstand später eine Baumkultur. Bei drei der untersuchten Objekte, Birkenau 17, Obere Weidenstraße 2 und 4, wurde festgestellt, daß im Jahre 1841 ein Herr Wolfgang Wiensberger, Gutsbesitzer, unbebauten Wiesengrund als als Bauplatz verkauft hatte. Die Eigentümer hatten sich bei der Bebauung ihrer Grundstücke an folgenden Regierungsbeschluß vom 24. Juli 1840 zu halten: es mußten je zwei Häuser zusammengebaut werden, jedes Haus sollte nur ein Stockwerk erhalten und drei Fenster in der Straßenlinie bekommen. Zwischen den Häusern mußte ein Abstand von 30 Fuß eingehalten werden. Außerdem waren die Besitzer verpflichtet, die Straße und das Trottoir mit herzustellen. Dies führte natürlich zu Schwierigkeiten. Folgender Briefwechsel soll dies zeigen:

Brief der Siedlung Birkenau an die Gemeindeverwaltung

"Wir ergebenst Unterzeichnete Gemeindemitglieder der Kolonie Birkenau sehen uns nothgedrungen, dringenst um Herstellung des ehemaligen Geh- und Fahrweges von Birkenau bis zur Loh zu bitten. Dieser sogenannte Weg liegt schon seit 1 1/2 Jahr verwahrlost, und so tief gegen die anstoßenden höher liegenden Wiesen, daß er bey Regen und Schnee nur einem Wassergraben gleicht, des Tages nur mit Vorsicht, des nachts aber gar nicht zu passiren ist.
Der Schmutz ist bey dermaligen Wetter über Schuh tief, und wir bitten daher, uns nicht ganz und gar versinken zulassen, zumal auch kleine Kinder bis zur Schule nach Giesing durch diesen Weg watten müssen.
Wenn wir gleich meistens arme Tagelöhner sind, so wird man uns doch neben der harten Arbeit einen Weg zukomen lassen, daß wir unsere Kreutzer dem Wirth, Metzger, Bäcker etc. in Giesing zu lösen geben können.
Einer hohen Gemeindeverwaltung ergebenst:
Birkenau den 25. Oktober 1842."

Das Landgericht Au antwortete auf die Beschwerde mit einem Beschluß vom 14. März 1843, der besagte, daß die Anwohner in Zukunft dafür zu sorgen hätten, daß die Straße in einem fahrbaren Zustand sei.

Am 25. September 1854 kam es schließlich zu einer Vereinigung Giesings mit München. Die Eingemeindung hatte zur Folge, daß im April 1856 alle Häuser Giesings in 38 Straßenzüge zusammengefaßt wurden und neue Hausnummern bekamen.

Seit diesem Zeitpunkt unterscheidet man eine Innere und Äußere Birkenau. Im Gegensatz zur Inneren Birkenau, die nur auf die Siedlung begrenzt ist, führt die Äußere Birkenau bis zur heutigen Entenbachstraße in der Au.

Ein Plan der Vorstadt Giesing, bearbeitet und herausgegeben von Gustav Wenng, ca. 1860/65 zeigt die Lage des Untersuchungsgebietes zu Giesing. Eine Ausschnittvergrößerung läßt die Birkenau deutlich erkennen. Sie war damals noch in ihrem ursprünglichen Zustand: eine in sich geschlossene Siedlung, die außerhalb der Vorstadt Giesing inmitten der Felder lag. Zu jedem der Häuser, die wegen einer baulichen Verordnung aus dem Jahre 1840 fast alle gleich aussehen, gehört ein Gartenanteil, der 1860 bei einigen Häusern schon mit Stallungen und sonstigen Gebäuden bebaut war. Dieser Gartenanteil wurde von den meisten Bewohnern für gewerbliche Zwecke genützt, denn sie waren fast ausschließlich Gänsemäster, Geflügelhändler und Fiaker.

Ein Plan von München und Umgebung, etwa aus dem Jahre 1873, zeigt die Birkenau im Norden des Bahndammes. Die Häuser sind nur summarisch angegeben, die Siedlung wird bezeichnet mit "Pfaffenhäuser".

Im Laufe der Zeit hat sich das Bild der Siedlung sehr verändert. Zum Teil hat man die Häuser abgerissen und durch artfremde ersetzt, oder man hat sie auf eine Art und Weise modernisiert, daß von der ursprünglichen Substanz nicht mehr viel zu sehen ist.


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