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Galerija Jakopic

Exhibition Detail
Pavilion X
Slovenska Cesta 9
1000 Ljubljana
Slovenia


October 19th, 2010 - November 15th, 2010
Opening: 
October 18th, 2010 6:00 PM - 7:00 PM
 
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> ARTISTS
> QUICK FACTS
COUNTRY:  
Slovenia
TAGS:  
mixed-media, digital, installation, video-art, sculpture
> DESCRIPTION

Pavillon X


In der Architektur ist der Pavillon ein offener, durchlässigen Raum aber auch ein Bauwerk mit

unterschiedlichen Funktionen. Obwohl schon in der Antike bekannt und gebraucht, erscheint der

Pavillon in der Architektur Europas vermehrt in der Epoche des Absolutismus in den Parks und

Gärten des Adels, als Nebengebäude eines Schlosses, als Ruheplatz, Aussichtspunkt oder

einfach als gestalterisches Element. Später verbreitete er sich in die Gärten des wohlhabenden

Bürgertums und wurde dort zu den gleichen Zwecken genutzt. An öffentlichen Bauten wurden

Musikpavillons in Kuranlagen integriert. In der zeitgenössischen Architektur zeigen manche

Sportarenen Merkmale des Pavillons.

In Asien, insbesondere in der Architektur Chinas hat der Pavillon eine lange Tradition. Auch in

Japan, Indien und Thailand findet sich die Form des Pavillons, oft in sakralen Bauten. In

buddhistischen Tempeln wird der Pavillonbau in vielfältiger Weise genutzt. Weltweit werden

Pavillons auch als billige, zerlegbare Baumarktprodukte für temporäre Bauten aus Zeltplanen

zweckentfremdet und entfernen sich zunehmend von einer eher romantisch geprägten Vorstellung

von Idylle und Müssiggang in einer beständig angelegten, qualitativ hochwertigen Umgebung.

Im Kunstkontext denken wir beim Gebrauch des Begriffs „Pavillon“ natürlich an die Biennale

Venedig und ihre Pavillons, die durch über siebzig Nationalstaaten alle zwei Jahre aufs Neue mit

zeitgenössischer Kunst bespielt werden. Bereits 1907 wurde mit dem belgischen Pavillon das

Prinzip der Pavillons für jedes Land vertreten durch einen nationalen Künstler eröffnet. Die

Verbindung der Idee der „nationalen Repräsentation“ im globalen Kunstbetrieb in Verbindung mit

der spezifischen Bauwerkstypologie des Pavillons ist ein umstrittenes und viel diskutiertes

Austellungskonzept, da es von vielen Seiten als reaktionäres, am Nationalstaat orientiertes

Konzept bezeichnet wird, welches dem Zusammenwachsen der globalisierten Welt nicht mehr

gerecht wird. In Deutschland wurde 1938 der „deutsche Pavillon“ von den Nationalsozialisten

umgestaltet. Der deutsche Architekt Ernst Haiger ersetzte die ionischen Säulen durch vier

mächtige Rechteckpfeiler auf denen ein giebelloser Architrav sitzt. Dadurch wurde dem Pavillon

ein weit monumentalerer Eindruck verliehen, um das Ausstellungsgebäude zur Selbstdarstellung

des Dritten Reichs zu instrumentalisieren. Spätestens seit diesem Zeitpunkt ist der deutsche

Pavillon eine „ideologisch aufgeladene Architektur“, die seitdem als wesentliche kontextuelle

Rahmenbedingung für Ausstellungen an diesem Ort gilt: Zum einen durch die bauliche Sprache

der Architektur, aber auch durch das Wissen ihrer Bestimmung und Nutzungsgeschichte. Auch die

Bespielung des Deutschen Pavillons in 2010 durch den britischen Künstler Liam Gillick hat gezeigt:

Es ist keine Ausstellung bzw. künstlerischer Beitrag möglich, der nicht auch als Kommentar zum

Bauwerk und seiner Geschichte gelesen werden kann.

Die Ausstellung Pavillon X mit jungen Künstlerinnen und Künstlern der Leipziger Kunsthochschule

in der Galerie Jakopič in Ljubljana mit ihrer von Le Corbusier beeinflussten, klaren,

modernistischen Architektur versucht sich an der Befragung von Begrifflichkeiten wie

Kontextbezogenheit, den Formen von Konnotation und Repräsentation durch raumbezogene und

skulptural-installativ angelegte Arbeitsweisen anhand des Pavillons zu nähern. Dabei geht es

weniger um eine soziologische-, oder politische Abarbeitung des Begriffs, sondern um eher sublimassoziative,

formalistische und poetische Annäherungen, die unterschiedliche Lesbarkeiten

möglich machen und damit einen neuen Denkraum eröffnen .

 


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