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Substitut

EVENT
Exhibition Detail
Brazil
Torstrasse 159
10115 Berlin
Germany


October 30th - December 12th
Opening: 
October 30th 7:00 PM - 10:00 PM
 
The game is on,Victor de CastroVictor de Castro, The game is on, 2009
© Victor de Castro
> ARTISTS
> QUICK FACTS
WEBSITE:  
http://www.substitut-berlin.ch
NEIGHBORHOOD:  
mitte
EMAIL:  
info@substitut-berlin.ch
OPEN HOURS:  
Wed - Thu 4-7pm, Fri 4-9pm, Sat 2-6pm
> DESCRIPTION

Sehr geehrte Damen und Herren


Die Schweiz ist ein multikulturelles Land. Das ist keine Platitüde, sondern ein wichtiger Teil der Identität des Landes mit seinen vier Sprachen und den entsprechend unterschiedlichen Regionen. Berlin wiederum, zieht als international gehyptes Kunstzentrum seit längerem Künstler aus aller Welt an.

Als ich Victor de Castro und Antoine Golay-Guerreiro do Divino Amor in Genf kennenlernte, dachte ich nicht, dass die beiden Brasilianer sind, da wir uns auf Französisch unterhielten. Für mich waren die Beiden ganz einfach «Welsche» (wie wir in der Deutschschweiz sagen). Doch haben sie auch anderswo Wurzeln und sind zwischen verschiedenen Kulturen aufgewachsen, was sich teilweise in ihren künstlerischen Arbeiten äussert. Antoine Golay (Rio de Janeiro, Genf, Berlin), diplomierter Architekt, Filmemacher und bildender Künstler, untersucht mit seiner Werkgruppe «Superio Superfictions» den Einfluss der Fiktionen – der kollektiven Imagination, der Medien, der Gerüchteküche – einer Stadt und ihrer Bewohner auf die Wahrnehmung der Realität. Er liess Leute aus dem Gedächtnis Stadtkarten zeichnen, die er danach per Photoshop kartographierte («Atlas Fantasmatique»). Entstanden sind Vorstellungen von Rio, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Mit dieser Arbeit zeigt der Künstler, wie verschieden eine Stadt von ihren Bewohner wahrgenommen wird und welche Orte in ihr für alle wichtig scheinen. Im Video «Children’s Club» spürt er eigenen Kindheitserinnerungen, kindlichen Vorstellungswelten und Wünschen nach - geprägt von brasilianischen Geisterfantasien. Zusammen mit Victor de Castro zeigt Antoine Golay an der Vernissage die Performance «Late pantera! Aboye panthère! Bark panther!». Zwischen Drag und Metal-Ästhetik, Brasilo-Beats und Techno-Trash werden sich die beiden richtig verausgaben...

Victor de Castro (Genf) wählte für die Ausstellung neben einer Videoarbeit, die zwischen Fern- und Heimweh pendelt, drei grosse schwarz-weisse Fotografien aus. Diese versteht er als (vorläufige) Essenz seiner Untersuchung des Alltäglichen. Die formal strengen Bilder bringen kurz gesagt folgendes auf den Punkt: «Sweating Disco» ist eine schwitzende Schallplatte, welche die Körperlichkeit und Personifizierung der Musik symbolisiert. «A monument to faith» zeigt ein pyramidenförmiges Denkmal in Brasilia, den «Tempel des Guten Willens», eines der meistbesuchten Monumente der Hauptstadt. Wer es betritt kann durch den Kristall in der Spitze, so der Glaube, seine schlechten Gedanken reinigen. Anhand dieses Beispiels zeigt de Castro, wie Glaube, Mythen und Alltag miteinander verschmelzen. «The Game is on» hingegen, widmet sich der Rolle des (glücklichen) Zufalls im Alltag und des Spiels des Lebens.

Lebendbedrohlich bis zum Infarkt pulsiert das Herz im Video von Gisela Motta und Leandro Lima (Sao Paulo). «I.E.D. - Improvised Electronic Device» ist eine selbstgebastelte Bombe. Mit einer Hochgeschwindigkeitskamera wurde deren Explosion gefilmt und durch das langsame Abspielen ein pumpender Effekt erzielt. Die Arbeit offenbart, wie fragil das Leben sein kann und kombiniert es mit einer brutalen Bildsprache. Das Herz repräsentiert hier nicht nur die Vergänglichkeit des eigenen Körpers, sondern genauso die Gewalt, welche unsere Gesellschaft beherrscht. Mit einer anderen Explosion beschäftigt sich Alice Miceli. Die Brasilianerin lebt derzeit in Berlin. Von hier aus reist sie regelmässig nach Tschernobyl. Um dieses Thema entstehen laufend neue Arbeiten, im Sinne einer künstlerischen Forschungsarbeit. Miceli hat ein (Langzeit-)Verfahren entwickelt, das mit photografischen Mitteln die Radioaktivität in der verseuchten Zone sichtbar macht. Darum herum entstehen dokumentarische Arbeiten, die sie bis zum Abschluss des Tschernobyl-Projekts in verschiedenen Ausstellungen präsentiert (u.a. auch an der transmediale 09). Im Substitut zeigt Miceli zwei auch durch die Präsentationsform im wahrsten Sinne des Wortes bedrückende Fotografien von verlassenen Räumen. Dazu ein rätselhaftes Video.
Lippe Muniz, der seit einigen Monaten in Berlin lebt, nähert sich in einer Serie von Collagen seiner neuen Heimat an. Er bemalte und beklebte alte Illustrierte mit Elementen, die als Referenz an die Brasilianische Nachkriegskunst verstanden werden können («História da ausência - Geschichte der Abwesenheit»). Dazu gesellen sich zwei absurde Objekte: ein Schafsfell beschriftet mit dem Titel: Se você olhar/Para aquela paisagem/Sem abrigos. («Wenn Du schaust in diese weite Landschaft ohne Zuflucht») und ein Stuhl, der Schuhe trägt von dem aus sich ein roter Faden durch das Substitut zieht. Muniz zitiert Künstler wie Duchamp, zieht die Betrachter damit aber nur vermeintlich auf den festen Boden der Interpretationshoheit der Kunstgeschichte...


Wir würden uns freuen, wenn Sie über die Ausstellung berichten könnten. Freundliche Grüsse
Urs Küenzi


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