elly brose-eiermann - berlinEVENT
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Igor Eškinjas Fotografien hinterfragen die objektive Wirklichkeit der festgehaltenen Szenen durch ihren fotografischen Blickwinkel, der die Wirklichkeit einer dreidimensionalen Szene gegenüber einer zweidimensionalen Bildoberfläche als minderwertig erscheinen lässt. Anders gesagt, obwohl eine Fotografie vollkommen wahrheitsgetreu das reproduziert, was sich vor der Kamera befand, manipulieren Perspektive und Aufnahmewinkel doch den Betrachter, indem sie suggerieren, dass gerade dieses Foto ein Ereignis sei, das der Beachtung würdig sei, weil es äußeren Einwirkungen unterworfen wurde (obwohl dies tatsächlich für die fotografierte Szene gilt). Von jeher waren die Mechanismen hinter der visuellen Wiedergabe der Wirklichkeit das Ergebnis gesellschaftlicher Übereinkünfte. Hierbei spielte es keine Rolle, ob die Wirklichkeit mittels der Dichotomien des Gegenständlichen/Diskursiven oder der Vision/Visualität oder mittels der Konventionen der vertikalen, ikonografischen oder der Zentralperspektive erfaßt wird. Eškinjas fotografische Kompositionen, „in der der illusorische Dynamismus eines fortgesetzten Übergangs von der Zwei- zur Dreidimensionalität und wieder zurück nie aufhört“, sind Ausdruck des sehr modernen Verdachts, ob man die sichtbare Welt mittels visueller Bezüge wiedergeben kann, d.h. eines rein Euklidischen, geometrischen Systems. Raphael „korrigierte“ die mathematische Kälte der Perspektive durch die symbolische Konstruktion einer Welt, in der die Heilige Cäcilie die optischen Gesetze des Sicht-/Unsichtbaren zugunsten religiöser Transzendenz ignoriert. Andererseits bevorzugt Eškinja ganz pragmatisch einen einzigen Blickpunkt, der die „Wahrheit des Raumes” verschleiert und so die manipulative Natur von Bildern in den Blickpunkt rückt. Er weist auf die Totalität symbolischer Systeme der Repräsentation, indem er seine Fotografien hinsichtlich Symbolik und Handlung mit belanglosem Inhalt füllt – Farbflecken, Tesafilm, Zucker und Hausstaub , und indem er dieses Material perspektivischer Verezerrung unterwirft, um die fotografische Täuschung komplett zu machen. Paradoxerweise kann der Wahrheitsgehalt der Szene nicht begriffen werden, obwohl die vom Foto angebotene Wahrheit absolut glaubwürdig ist. Durch seine Szenen, die realistischer sind, als wir erahnen können und als wir wissen möchten, findet Eškinja eine Metapher des durch technische Reproduktion verfälschten Weltbildes. Krešimir Purgar, Center for Visual Studies, Zagreb |
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