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Berlin

Arndt

Exhibition Detail
American Night
Potsdamer Strasse 96
D-10557 Berlin
Germany


May 2nd, 2009 - May 16th, 2009
Opening: 
May 1st, 2009 6:00 PM - 9:00 PM
 
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> QUICK FACTS
WEBSITE:  
http://www.arndtberlin.com
NEIGHBORHOOD:  
mitte
EMAIL:  
info@arndtberlin.com
PHONE:  
+49.30.20 61 38 7 0
OPEN HOURS:  
Tue-Sat: 11am to 6pm
> DESCRIPTION

Während des Gallery Weekend Berlin präsentieren wir in der Halle am Wasser eine Sneak Preview der neuesten filmischen Arbeit von Julian Rosefeldt. Als 5-kanalige Filminstallation angelegt, zählt American Night zu den bislang größten und komplexesten Arbeiten des in Berlin lebenden Künstlers, der vor allem durch seine aufwendig inszenierten, panoramaartig auf mehrere Leinwände projizierten Filme bekannt geworden ist. Im Herbst wird American Night, dessen Dreharbeiten in Südspanien und auf den Kanarischen Inseln stattfanden, seine museale Deutschlandpremiere im Rahmen einer umfassenden Einzelausstellung des Künstlers im Kunstmuseum Bonn feiern.
Während Rosefeldt in seinen drei vielleicht bekanntesten Filminstallationen der Trilogie des Scheiterns (2004-2005) mit slapstickartigem Humor und philosophischem Hintersinn eher universelle Inhalte wie die Absurdität des menschlichen Daseins umkreiste, zielt American Night nun auf eine dezidiert politische Thematik. So dekonstruiert der Künstler darin mit den Stilmitteln des Westernfilms den Gründungsmythos Amerikas und schließt diesen mit dem hegemonialen Gebaren in der jüngeren US-Außenpolitik kurz. Dennoch ist auch diese Arbeit getragen von beißendem satirischen Humor. In einer auf die vierte Leinwand projizierten Filmsequenz etwa treten George W. Bush und Barack Obama als Protagonisten eines Puppentheaterstücks auf, das in einem Saloon aufgeführt wird – eine Farce, die in der Erschießung Bushs durch Obama kulminiert, ganz nach dem beliebten Handlungsschema des Westernfilms: Herstellung einer neuen, vermeintlich zivileren Ordnung durch Waffengewalt. Auf einer anderen Leinwand lagern fünf Cowboys um ein Feuer und reflektieren über das amerikanische Freiheitsverständnis, das Recht auf Waffenbesitz und – während sie kurzzeitig aus ihren Rollen treten – selbstreflexiv über das Genre des Westernfilms. Sämtliche im Laufe der Unterhaltung fallenden Sätze sind Zitate aus der Filmgeschichte, Songtexten entnommen oder Äußerungen prominenter amerikanischer Politiker. Die Filmemacher Sam Peckinpah und Jean-Luc Godard kommen zu Wort, ebenso der Rapper 50 Cent oder Charlton Heston.
Diese eher turbulenten Sequenzen werden eingerahmt von stillen, tableauartigen Szenen, die den Betrachter ebenfalls in eine längst vergangene, stereotype Welt des Wilden Westens entführen: Auf der menschenleeren Hauptstraße einer Westernstadt geschieht nichts weiter, als dass sich ein Vorhang im Wind bewegt oder ein Steppenläufer durch den Sand rollt. Eine andere Szene zeigt einen Cowboy, der im gleißenden Sonnenlicht durch eine Hügellandschaft reitet. Bei längerem Betrachten zerfasert sich aber die vermeintliche Vertrautheit dieser Bilder: Der Weg des Cowboys endet vor einem endlosen Meer – eine Szene, die die Malerei Caspar David Friedrichs heraufbeschwört und mit den Konventionen des Western bricht. Der kontemplative, melancholische Cowboy am Meer will so gar nicht in das vertraute Bild vom unbeugsamen, wehrhaft in immer neue Gefilde vordringenden Westernhelden passen. Auch das Geschehen in der verlassenen Kulissenstadt nimmt eine plötzliche Wende. Aus einem landenden Hubschrauber stürmt eine Truppe bewaffneter US-Soldaten, um die Stadt einzunehmen, als wäre sie Falludscha oder Bagdad. In ihrer komischen Absurdität zielt diese Szene mit einem Augenzwinkern auf so manche außenpolitischen Entscheidungen der US-Regierung.
Ein weiteres verbindendes Element zwischen der vielschichtigen Arbeit American Night und einigen von Rosefeldts früheren Installationen ist die komplexe Verschachtelung mehrerer Realitätsebenen. Sie dient ihm dazu, den Produktionsprozess offenzulegen. Wie zuvor auch bei The Soundmaker (Trilogie des Scheiterns Teil 1, 2005) lässt er beispielsweise die Kamera in einer extremen Totale derart weit aus dem Geschehen herauszoomen, dass das Filmset ins Bild gerät. Wählte er für seinen Film Lonely Planet (2006) als Schauplätze für die Handlung ein Bollywood-Filmset und ein Kino, ist es bei American Night nun eine Theaterbühne und eine Kulissenstadt für Westernfilme. In diesem Zusammenhang steht auch der Titel der Arbeit: American Night ist dem Titel des Films La Nuit américaine (1974) von Francois Truffaut entlehnt, welcher sich wiederum auf das filmische Verfahren Day for Night bezieht. Bei dieser Technik, die oft in Westernfilmen eingesetzt wurde, lassen sich Nachtszenen unter Verwendung eines starken Filters bei helllichtem Tage drehen. Auch Rosefeldt verwendet diesen Filter, und ähnlich dem Film von Truffaut, der von den Dreharbeiten eines „Films im Film“ erzählt, ist American Night einmal mehr eine Hommage an das Medium des Films sowie Reflexion über die Konstruktion fiktionaler Erzählungen mit Hilfe kinematographischer und ikonographischer Mittel.


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