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Berlin

Arndt

Exhibition Detail
Young German Art
Potsdamer Strasse 96
D-10557 Berlin
Germany


May 2nd, 2009 - June 26th, 2009
Opening: 
May 1st, 2009 6:00 PM - 9:00 PM
 
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> QUICK FACTS
WEBSITE:  
http://www.arndtberlin.com
NEIGHBORHOOD:  
mitte
EMAIL:  
info@arndtberlin.com
PHONE:  
+49.30.20 61 38 7 0
OPEN HOURS:  
Tue-Sat: 11am to 6pm
> DESCRIPTION

Ralf Ziervogel ist durch seine feingliedrigen, obsessiven Zeichnungen von menschlichen Körpern bekannt, die apokalyptischen Grausamkeiten ausgesetzt sind. Er selbst nennt seine Darstel-lungsweise ein „Spiel mit Systemen“, das ihm als eine Art künstlerischer Feldversuch diene. So schafft er minutiöse Arbeiten, die durch das Medium der monochromen Zeichnung stets karika-tive und pseudo-realistische Gewaltfantasien bleiben und als ornamentale Geflechte über die Papierbahnen wachsen. Mit seinen „Deklinationen am menschlichen Körper“ hat Ziervogel eine Methode entwickelt, bestimmte Systeme zu testen und auf ein unbestimmtes Territorium zu verschieben.

Die für seine Einzelpräsentation Young German Art bei Arndt & Partner geschaffene Drei-Raum-Installation setzt diese Systemdeklinationen fort – wenngleich die Thematik der Körperbrutalitä-ten allmählich abgeschlossen scheint bzw. zunehmend einem Abstrahierungsprozess unterzogen wird. Aufgebaut nach reduzierten mathematischen Formeln oder bei der neuen Arbeit A+B+Z (infinite+infinite) (2009), einem einfachen Buchstabenkodex, löst sich das jeweilige System im Fortlauf in seiner Gesamtheit auf, um schlussendlich eine entschlüsselbare Gesamtkonstellation zu bilden, die sich fragmentarisch zusammensetzt. Mit nicht-hierarchischen Ordnungen, basie-rend auf u.a. Zahlen, Würfelpunkten, Buchstaben oder Figuren, schafft Ziervogel somit eine Kunst, die ähnlich der von Sol LeWitt initiierten Konzeptkunst der späten 1960er Jahre seriellen Abläufen und Formeln unterliegt. Jedoch unterminiert Ziervogel bewusst den Anspruch auf Mys-tik dieser Konzeptkünstler und bricht die Systeme mit ihren eigenen Mitteln. Bei der Gesamtinstallation infinite+infinite (2009), bestehend aus über 60 Zeichnungen auf schwarzem Hintergrund, fügt sich die willkürlich wirkende Buchstabenfolge stellenweise zu vollständigen Sätzen, wie „Wenn du das liest, stirbt dein zweites Kind an Krebs“. Diese sollen jedoch nicht schockieren, sondern vielmehr die semantische Bedeutungskraft, die einzelne Buchstaben in ihrer Zusammensetzung als Wort und Satz entwickeln, verdeutlichen. Gleichzeitig zielen die Sätze auf die inhärenten Assoziationen, die bestimmte Buchstabenkonstellationen innehaben und im Betrachter unweigerlich erzeugen: das rationale Buchstabensystem wird hier zum Auslö-ser der Irrationalität unseres Aberglaubens.

Untitled (2009) arbeitet erneut mit der „Deklination am menschlichen Körper“. Schwarz-weiße Figuren und Skelette verbinden sich zu einer spielerischen Gesamtkomposition mit schwarzen Flecken, die über das gesamte Papier gesprayt sind. Der Gestus des Sprays agiert einerseits als Intervention in das Figurensystem, anderseits als Ordnungsprinzip. Die Körperlichkeit dieses Eingriffs ist zentral für Ziervogel, dessen Arbeiten in ihrer geballten Intensität auch immer als ein physischer Akt zu verstehen sind. Seine Zeichen funktionieren auf dem Papier somit stets als kraftvolle Geste – eine Geste, die immer wieder als bewusste Rückkehr zum Körperlichen einge-setzt wird.

Das Medium der Zeichnung macht sich der Künstler zu Eigen, um seine künstlerischen Ausbrü-che explosionsartiger Fantasien und Pseudo-Systeme zu kanalisieren und bis ins kleinste Detail zu perfektionieren. Es ist die visuelle Anziehungskraft seiner Arbeiten, durch die Ziervogel be-wusst auf die konnotativen Assoziationen des Betrachters zielt: auf den ersten Blick erscheinen die Zeichnungen uns vertraut und in ihrer Ästhetik attraktiv. Formal wird der Reiz durch die Reduktion auf Schwarz-Weiß-Kontraste verstärkt. Das sich dies sogleich als Trugschluss erweist, wird bei näherem Hinsehen jedoch sofort offensichtlich.

Zuletzt sei der Titel der Ausstellung zu erwähnen. Indem er seine Ausstellung Young German Art nennt, setzt Ziervogel bewusst auf klischeehafte Assoziationen, die Begrifflichkeiten zeitge-nössischer Kunst evozieren. Ähnlich wie die YBAs (Young British Artists) der 1990er Jahre impliziert der Wortgebrauch Young German Art heutzutage die Institutionalisierung einer Kunstform, die sich mit den Kategorien Young und German scheinbar definieren lässt.

Geboren 1975 in Clausthal-Zellerfeld, Deutschland, lebt und arbeitet Ralf Ziervogel in Berlin. Ne-ben Einzelausstellungen in Institutionen wie dem Modern Art Museum of Fort Worth, Texas (2007), oder dem Künstlerhaus Bethanien, Berlin (2008), sowie in Galerien in Deutschland, Ös-terreich, Israel und den USA waren seine Werke in zahlreichen nationalen und internationalen Gruppenausstellungen vertreten, u.a. in panic room, Deste Foundation for Contemporary Art, Athen (2006), 52. Biennale di Venezia (2007) und Made in Germany, Sprengel Museum, Kunst-verein Hannover und kestnergesellschaft, Hannover (2007). Seine letzte Einzelausstellung hatte er im Kunstverein Ulm.


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