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Berlin

Arndt

Exhibition Detail
da steckt ganz viel dahinter
Potsdamer Strasse 96
D-10557 Berlin
Germany


May 2nd, 2009 - June 26th, 2009
Opening: 
May 1st, 2009 6:00 PM - 9:00 PM
 
Krisenengel mit meiner letzten Hose, Andreas GolderAndreas Golder,
Krisenengel mit meiner letzten Hose,
2009, Öl auf Leinwand, 200 x 180 cm /78,74 x 70,87 in
© Courtesy Arndt & Partner Berlin/Zurich und White Cube, London
> QUICK FACTS
WEBSITE:  
http://www.arndtberlin.com
NEIGHBORHOOD:  
mitte
EMAIL:  
info@arndtberlin.com
PHONE:  
+49.30.20 61 38 7 0
OPEN HOURS:  
Tue-Sat: 11am to 6pm
> DESCRIPTION


Andreas Golders Gemälde und Skulpturen sind auf den ersten Blick vor allem direkt und expres-siv. In der Tat fühlt sich der Künstler ein wenig jenen jungen Berliner Malern zugehörig, die sich durch ihre freche und laute Unmittelbarkeit von den geordneten Maßstäben der Leipziger Schule absetzen wollen. Die Wucht des Farbauftrags, die intensive Bearbeitung der Leinwand in Kombi-nation mit der an Francis Bacon geschulten Zerstückelung von Physiognomien und Gliedmassen zeugen von unbändiger Ausdruckskraft und Energie. Diese Energie lässt sich als Befreiungs-schlag aus den rigiden Strukturen jenes akademischen Realismus verstehen, dem er im Rahmen der sozialistisch geprägten frühen Förderung junger Talente in Russland begegnete, bevor er mit seiner Familie nach dem Mauerfall 1990 nach Berlin zog. Die Dämonen, die er in seinen Gemäl-den heraufbeschwört, zielen auf eine schonungslose künstlerische Konfrontation. Gleichzeitig schimmert stets ein ironisches Element in seinen Arbeiten durch – sei es durch die bewusste Wahl seiner Titel, sei es durch die kontinuierliche Integration des Grotesken. So hängen bei-spielsweise brutal deformierte Köperteile über einer Wäscheleine (Drama im Pyjamas, 2007), oder koksende Skelette werden zum zynischen Kommentar der Nacht- und Szenekultur (Disko-schnupfen, 2007). Auch die Titel der deformierten Skulpturenköpfe – ein Medium das Golder 2009 zum ersten Mal seit seiner Schulzeit in Angriff nimmt –, wie z.B. Potentielle Hutablage und Trotzdem Lächeln verleihen den Arbeiten ihren Slapstick-Humor.

Inhaltlich vermischen sich hier zeitgenössische Bezüge aus Pop-, Konsum- und (Berliner) Party-kultur mit existentiellen Themen wie Tod, Schmerz und Glaube und zeugen von einer intensiven persönlichen Auseinandersetzung des Künstlers mit sich selbst und mit der Welt. Auf der Suche nach einer Formsprache für die Umsetzung einer Idee oder eines Gedankens über die Welt, bzw. über die „Bild(er)welt“, in der wir leben, versteht Golder jedes seiner Gemälde schlussendlich als „abstrakt“. Trotz sich wiederholender Elemente in den Gemälden, wie z.B. die Glühbirne in sei-ner Serie von Atelierbildern (2005) muss man die Arbeiten weniger als Narrationen verstehen. Vielmehr handelt es um Fragmente oder Bildensembles einer de-konstruierten Welt.

Golders Faszination mit Künstlern wie Francesco de Goya oder Hieronymus Bosch ist nicht nur formell, sondern auch inhaltlich offensichtlich. Klassische Elemente wie etwa der Totenkopf als memento mori schaffen durch ihre Symbolhaftigkeit konkrete inhaltliche Referenzen. So bedient sich der Künstler einer konnotativen Sprache, die dem Betrachter seiner Werke eine (vermeintli-che) Teil-Entschlüsselung gestattet. Inspiration sucht Golder aber nicht nur in klassischen Kunst- oder Fachbüchern wie dem obligatorischen Anatomielexikon, sondern auch in der Bildsprache zeitgenössischer Magazine und Musikkulturen von Death Metal bis Punk.

In traditioneller Manier grundiert Golder seine Leinwände und überdeckt sie mit einer schwar-zen Acrylschicht, bevor er mittels Klarlack die Brillantglasur erreicht. Es ist die Direktheit der Malerei, die Golder dieses Medium wählen lässt. Sie erlaubt es ihm, den inhaltlichen Gegensät-zen auch technisch zu begegnen: In seinen neuesten Arbeiten wird die Hochglanzästhetik der Leinwand durch den Assemblagecharakter der Bilder aufgebrochen. Zigarettenstummel, Hand-schuhe oder sogar die Hose des Künstlers, wie etwa in Krisenengel mit meiner letzten Hose (2009), werden zur physischen Handschrift seiner selbst und zum Werkzeug seiner Kreativität.

Formal gesehen schafft die Oszillation zwischen völliger Abstraktion und Figuration die künstle-rische Verbindung von expressionistischen und realistischen Ausdrucksformen und wird für den Künstler somit zugleich eine Zelebrierung des eigentlichen malerischen Aktes und der Malerei als solcher. Seine eigenen Bilder erfährt Golder nicht in der Grausamkeit und Schonungslosigkeit ihrer Motive, sondern in der haptischen Schönheit der Farbe und des Farbauftrags. Das, was Gilles Deleuze in den Werken von Francis Bacon anhand von Cézannes Leitspruch als „die Sen-sation malen“ definiert, findet eine Parallele in dem radikalen Entfigurisierungsprozess in den Arbeiten von Andreas Golder. Es sind die Sensationen einer komplexen und persönlichen Welt, die Golder mit seinem Pinsel einzufangen sucht. Die Leinwand wird dabei zum Seziertisch die-ses unaufhörlichen Versuchs.

Antonia Josten


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