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Berlin

Johann König

Exhibition Detail
the Head of the Clock
Dessauer Strabe 6-7
10963 Berlin
Germany


January 11th - March 1st
Opening: 
January 10th 6:00 PM - 9:00 PM
 
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© Courtesy of Johann König
 Exhibition view, Andreas FischerAndreas Fischer, Exhibition view
© Courtesy of Johann König
Der Ich Wicht wird Wicht Ich , Andreas FischerAndreas Fischer, Der Ich Wicht wird Wicht Ich ,
2007 , isolating container, elastics, fluorescent tube, steel tube, ironing stand, motor for whisks, engine, text on paper, copper, plastics, 78 3/4 x 39 1/3 x 15 3/4 in unique
© Courtesy of Johann König
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> QUICK FACTS
WEBSITE:  
http://www.johannkoenig.de
NEIGHBORHOOD:  
friedrichshain-kreuzberg
EMAIL:  
info@johannkoenig.de
PHONE:  
+49 (0) 30 26 10 30 80
OPEN HOURS:  
Tue-Sat 10-6
TAGS:  
machines
> DESCRIPTION

Johann König, Berlin freut sich, zum ersten Mal Arbeiten von Andreas Fischer in einer Einzelausstellung präsentieren zu können.

Andreas Fischers Maschinen sind wunderbare Geräte. Anders als gängige Maschinen, die einem praktischen Zweck zu dienen bestimmt sind und den Alltag erleichtern sollen, verkehren Fischers Maschinen ihren Zweck ins Gegenteil: statt Lösungen zu bieten, werfen sie Fragen auf. Tanzend, springend, singend, werfen sie die Gegenstände aus ihrem alltäglichen Trott. Mal drehen sie sich im Kreise, mal sprechen sie uns an, nicht selten wiederholen sie sich, zwanghaft, wieder und wieder. Oft scheitern sie; zuweilen reagieren sie gar nicht. Erst versteckte Bewegungsmelder machen sie zu unerwartet lebendigen Wesen. Ihr Wortwitz entpuppt sich oft als tiefer Ernst.

Mit dem Titel seiner letzten Ausstellung im Museum Ludwig Köln „Your Time Is My Rolex“ gab Fischer voller Ironie zu, sein Kapital sei die Zeit. Für sein Werk ist sie grundlegend: Schließlich benötigt nicht nur die Entstehung, sondern ebenso die Betrachtung Zeit. Erst im Ablauf der Zeit ist es möglich, die „inneren Geschichten“ zu erzählen, um die es Fischer geht – die eigene Endlichkeit, die eigene Unzulänglichkeit.

Auch seine erste Ausstellung in der Galerie Johann König, Berlin nimmt im Titel Bezug auf die Zeit: Mit dem „Head of the Clock“, dem „Kopf der Standuhr“, gleichsam ihrem „Haupt“, kann nur der Künstler selbst gemeint sein, der an den Zahnrädern spielt und die Zeit verschiebt. Das Uhrwerk lässt sich denn auch als Sinnbild von Fischers Kunst verstehen. Sichtbare und versteckte Zahnräder bilden den Motor seiner elektromechanischen Maschinerien; hin und her pendelnde Gegenstände geben den Takt vor: „Tick Tack“.

Speziell für die Ausstellung sind unter anderen zwei neue Maschinen entstanden mit den Titeln „Spezi“ und „Richter“. Zwei Reinigungsgeräte bilden die Protagonisten der Handlung in dem Werk „Spezi“. Der eine sollte – in seinem früheren Leben – trockenen Staub auffangen; der andere feucht wischen – die ideale Haushaltshelferkombination; und so behauptet denn auch die Stimme aus dem Off: „Wir beide sind was ganz Besonderes“, „ganz und gar Besonderes“; und lässt Zweifel gar nicht erst aufkommen: „Wir haben uns das ja nicht ausgedacht“. Was als Liebesgeflüster anfängt, artet in aggressiven Forderungen aus: „Man muss es einfach so sehen“ und stärker noch: „Sehe es endlich ein!“ Dabei hängen „Wischprothese“ und „Saugprothese“ mit einem selbst gebauten scharnier-ähnlichen Mechanismus zusammen. Die „Wischprothese“ pendelt hin und her, legt eine Pause ein, legt wieder los. Im Süddeutschen steht das Wort „Spezi“ für einen sehr engen Freund – allerdings auf liebevolle und schroffe Weise zugleich.

In dem Werk „Richter“ hängt ein Kinderschreibstischstuhl kopfüber von der Decke, während die Stimme aus dem Hintergrund den Gang der Dinge beschreibt, unterlegt von einer furchterregenden „Soundcollage“: „Der Aufrechte, der Aufgerichtete, der aufrechte Gang, auf-gerecht, die gerichtete Sicht der Gerechten, der gerechte Gang der Weltsicht ...“. Während Ventilatoren immerfort Wind erzeugen, schaltet sich plötzlich ein Staubsauger ein, dreht sich zur einen, dann zur anderen Seite, um Luft ringend, dem Betrachter den Atem raubend. Ob aufrecht, aufgerichtet, gerecht: Dieses Werk ist zweifellos ein Politisches über Macht und Gerechtigkeit.

Andreas Fischers Maschinen verkörpern das Gegenteil von Perfektion, vielleicht auch das Gegenteil von Zukunft. Nicht das Kommende versuchen sie vorwegzunehmen, sondern das Vergangene, Abgenutzte und Zerbrechliche versuchen sie wieder lebendig zu machen. Menschlicher können Maschinen kaum sein.

Text: Paola Malavassi


Andreas Fischer (*1972) lebt und arbeitet in Düsseldorf, wo er 2003 sein Studium als Meisterschüler von Prof. Georg Herold an der Kunstakademie abschloss. Er war mit seinen Arbeiten sowohl in diversen Einzelausstellungen, wie im Museum Ludwig, Köln (2012), in der Galerie Vera Gliem, Köln (2011), im Kunstverein Bonn (2009) und in der Förderkoje der Art Cologne, Köln (2007), als auch in zahlreichen institutionellen Gruppenausstellungen wie in Der Kunstverein, seit 1817, Hamburg (2013), im Martha Herford (2012), im Museum Ludwig in Köln (2010), in Kunst im Tunnel (KIT) in Düsseldorf (2007) und 2005 bei der Ars Electronica in Linz, Österreich vertreten. Andreas Fischer gewann 2012 das Projekt-Stipendium der Kunststiftung NRW, das Katalog-Stipendium des Kunstfonds Bonn, das Peil-Stipendium der Peil-Stiftung Düren sowie 2010 das Atelier Stipendium von Schloss Ringenberg. Seine Werke sind in privaten und öffentlichen Sammlungen vertreten, darunter „Kunst aus NRW“, Kornelimünster, Aachen und die Sammlung des Museum Ludwig, Köln.

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It is with great pleasure that Johann König, Berlin presents Andreas Fischer’s first solo exhibition at the gallery.

Andreas Fischer’s machines are wonderful contraptions. In contrast to run-of-the-mill machines, which are destined to serve a practical end and facilitate everyday life, Fischer’s machines turn their purpose into its opposite – instead of offering solutions, they pose questions. Dancing, leaping and singing, they propel objects out of their day-to-day, humdrum routine. Now they turn round and round in circles, now they speak to us, and not infrequently they repeat themselves, compulsively, again and again. Often, they fail; at times they don’t react at all – it is only concealed motion sensors that turn them into unexpectedly living creatures. Their verbal wit often reveals itself to be profound seriousness.

In the title of his latest exhibition in the Museum Ludwig, Cologne, “Your Time Is My Rolex”, Fischer admitted in all irony that time was his capital. For his works, time is fundamental: after all, not only creating them but also viewing and appreciating them require time. Only in the course of time is it possible to narrate the “inside stories” which Fischer is concerned with – one’s own finitude, one’s own inadequacy.

This, his first exhibition at Johann König Berlin, refers to time in its very title: the “Head of the Clock”, with its connotations of the “face of the grandfather clock”, its “brainbox” as it were, can only refer to the artist himself, who plays with the cogs and wheels and so shifts and displaces time. The clockwork mechanism can thus be seen as a symbol of Fischer’s art. Visible and concealed cogs are the engine of his electro-mechanical machinery; objects swinging to and fro, pendulum-like, give the rhythm – “tick-tock”.

Specially for the current exhibition the artist has created, among other things, two new machines entitled “Spezi” und “Richter”. In the work “Spezi” [‘Buddy’], the protagonists are two cleaning appliances. One of them, in its former life, was destined to gather up dry dust, the other to wipe with a damp cloth – the ideal household combination. And so a voice declares from the wings, “The two of us are something really special”, “Absolutely, utterly special”, and allows no trace of doubt to creep in: “After all, it wasn’t our idea”. What begins as a whispered conversation between lovers degrades into aggressive demands: “That’s the only way of looking at it”, and, even more forcibly, “Come on, just admit it!” Yet the “artificial wiping limb” and the “artificial vacuuming limb” are linked by a home-made hinge-like mechanism. The “wiping limb” swings, pendulum-like, to and fro, takes a breather and sets off again. In Southern German dialect, the word ‘Spezi’ denotes a very close friend – although it is a term both affectionate and brusque at one and the same time.

In the work “Richter” [‘Judge’] the chair for a child’s desk hangs upside down from the ceiling, while the voice in the background describes the way of all things, underscored by a fear-instilling “sound collage”: “The upright, the uprighted, the upright gait, up-right, the righted sight of the righteous, the just-right way of sighting the world ...”. While ventilators continuously produce wind, a vacuum cleaner suddenly switches itself on, turning now to the one, now to the other side, struggling for air, robbing the beholder of breath. Be it upright, ad-justed or just, this work is without doubt a political work about power and justice.

Andreas Fischer’s machines embody the very opposite of perfection, perhaps the opposite of the future. They do not attempt to anticipate things to come, but to bring back to life things past and passé, the worn-out, the frail. More human than this, machines can hardly be.
Text: Paola Malavassi

Andreas Fischer (*1972) lives and works in Dusseldorf where he did his masters as a student of Georg Herold at the Kunstakademie in 2003. Since then he had solo exhibitions at Museum Ludwig, Cologne (2012); Galerie Vera Gliem, Cologne (2011); Kunstverein Bonn (2009) and Art Cologne (2007). His works have been presented at group exhibitions at Kunstverein Hamburg (2013); Martha Herford, Germany (2012); Museum Ludwig, Cologne (2010); Kunst im Tunnel (KIT), Dusseldorf (2007) and Ars Electronica, Linz, Austria (2005). Fischer received grants and fellowships by the Kunststiftung NRW, the Kunstfond Bonn, the Peill-Stiftung Düren and a residency at Schloss Ringenberg. His works are part of institutional collections such as “Kunst aus NRW”, Kornelimünster, Aachen and Museum Ludwig, Cologne.


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