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Berlin

Kunstraum Kreuzberg / Bethanien

Exhibition Detail
Wir sind hier nicht zum Spaß! Kollektive und subkulturelle Strukturen im Berlin der 90er Jahre.
Mariannenplatz 2
10997 Berlin
Germany


June 29th, 2013 - August 25th, 2013
Opening: 
June 28th, 2013 7:00 PM - 9:00 PM
 
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© Courtesy of The Kunstraum Kreuzberg / Bethanien
> ARTISTS
> QUICK FACTS
WEBSITE:  
http://www.kunstraumkreuzberg.de
NEIGHBORHOOD:  
friedrichshain-kreuzberg
EMAIL:  
bethanien@kulturamtfk.de
PHONE:  
+49 (0)30.90.29.81.455
OPEN HOURS:  
daily: 12-7pm
> DESCRIPTION

Ein Projekt von Paul Paulun in Zusammenarbeit mit Stéphane Bauer gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds
Viele Künstlerinnen und Künstler wendeten sich im Berlin der 90er-Jahre neuen Formen der Zusammenarbeit zu. Ziel ihrer weitgehend selbstorganisierten Strukturen war es, mit minimalem finanziellen Aufwand kulturelle Produktionen anzustoßen und die volle Kontrolle über die sich daraus ergebenden Prozesse zu behalten. Man initiierte kleine oder größere Clubs, gründete Galerien und Plattenlabels oder gab Magazine im Eigenvertrieb heraus.
Die damit verbundenen Erlebnisse wurden häufig über Szene- und Genregrenzen hinweg geteilt, und so kamen Aufmerksamkeit und Wertschätzung oft von unerwarteter Seite. Vielen ermöglichte das ein völlig neues Gefühl des Daseins, bei dem man sich gut als Teil eines größeren Ganzen fühlen konnte - und für das obendrein noch nicht einmal ein Manifest nötig war. Das Leben im Augenblick, die Neugier auf das Anderssein der anderen, Verweigerung der Vermarktbarkeit und kollektive Arbeitspraktiken schienen in der Luft zu liegen. Die dafür nötigen Räume waren im Ostteil der Stadt ebenso großzügig verfügbar wie die passende Atmosphäre und ein Großteil des Mobiliars.
Manche dieser Orte wurden später einfach abgerissen, andere zu Kinderspielplätzen, exklusiven
Restaurants, Hotels oder Büroräumen umfunktioniert. Außer den vergleichsweise wenigen, die dabei waren, weiß kaum jemand, was dort passierte. Außenstehenden blieb das, was sich hinter unscheinbaren Türen, in Kellergewölben eines zweiten Hinterhofs oder auf einer von Plakatwänden umrahmten Grünfläche abspielte, verborgen.
Wir sind hier nicht zum Spaß verbindet einige dieser Ansätze und setzt sie in einen größeren urbanistischen Kontext. Anhand von Gesprächen mit über 30 Protagonisten aus der Zeit entstand ein Hörstück, das Zusammenhänge aufgezeigt, die für das subkulturelle Schaffen der 90er-Jahre bezeichnend waren. In Verbindung mit den Exponaten ergibt sich ein Stück bislang kaum beschriebener Stadtgeschichte – und durch die Talks eröffnet sich ein neuer Blick auf die Gegenwart.


Begleitprogramm im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien:

Dienstag, 9. Juli 2013, 19 Uhr:
Elektronische Lebensaspekte.
Talk mit Joachim Blank, Robert Henke, Sandra Mamitzsch. Moderation: Andreas L. Hofbauer
’Future is now’ propagierte Captain Space Sex Mitte der 90er Jahre vielfach während seiner Performances. In Berlin entstand zu der Zeit mit dem Projekt Internationale Stadt eines der ersten digitalen sozialen Netzwerke und die Installation Wonga machte den Umgang mit elektronischen Klängen intuitiv. Aspekte von Wonga finden sich auch in der daraus entstandenen Software Ableton Live. Das Programm zählt seit Jahren weltweit zum Standardprogramm elektronischer Musikerzeugung und die Macht digitaler sozialer Netzwerke ist nicht erst seit dem Facebook-Börsengang offensichtlich. Ist die Saat also aufgegangen? Oder gibt es auch Schattenseiten dieser Entwicklungen? Hat sich elektronische Musik in den letzten Jahren nicht zunehmend verflacht? Sind wir in einer Zukunft angekommen, in der Dabeisein wirklich alles geworden ist oder gibt es noch Raum für klangliche, technische und soziale Utopien?


Dienstag, 23. Juli 2013, 19 Uhr:
Kolonialisierung des Nachtlebens.
Talk mit: Daniel Pflumm, Jan Kage, Tobias Rapp, Moderation: Claudia Wahjudi
In einem Katalogtext konstatierte Daniel Pflumm Mitte der Nuller Jahre eine Kolonialisierung des Nachtlebens durch das Aneignen falsch verstandener Freiräume. Wodurch unterscheiden sich heutige Freiräume von denen der 90er? Können wir uns überhaupt noch nicht erfundene Freiräume vorstellen oder ist es vielleicht sogar ganz gut, dass sich vieles mittlerweile an einer konkreten Verwertbarkeit innerhalb gesellschaftlich akzeptierter Bahnen orientiert? Und welche Rolle spielt die nach wie vor omnipräsente elektronische Musik dabei? Berlin hat eine neue Richtung eingeschlagen, seit es zur Hauptstadt des von Tobias Rapp so bezeichneten Easyjetsets wurde. Das Panel möchte untersuchen, unter welchen Voraussetzungen kreatives Arbeiten und Sich-Ausprobieren in Berlin heute möglich sind.


Dienstag, 30. Juli 2013, 19 Uhr:
galerie berlintokyo
Buchpräsentation und Talk mit Martin Eberle
Die galerie berlintokyo existierte von 1996 bis 1999 in der Rosenthalerstraße in Berlin-Mitte. Konzept und Programm brachten dort Kunst, Musik und Party möglichst zusammen, damit der Abend rockte. Anläßlich der Ausstellung "Wir sind hier nicht zum spaß" erscheint bei Drittel Books ein Buch mit Fotos von Martin Eberle. Die Bilder erzählen aus der Mitte des Geschehens von Jeans, Kuscheldöner und R’n’R.


Dienstag, 6. August 2013, 19 Uhr:
I’m glad I can’t remember
Filmscreening und Talk mit Tine Neumann
Das Filmporträt von Tine Neumann und Alexandra Claus dokumentiert wesentliche Netzwerke der Ausstellungs- und Clubkultur, wie sie nach dem Mauerfall in Berlin-Mitte in Erscheinung trat. In einer Zeit, als der Leerstand vorübergehend keine Eigentümer hatte, entwickelte sich dort eine Topographie der 'anderen Orte': verlassene Ladengeschäfte, Baracken oder Container wurden kurzerhand zu Präsentations-, Bar- und Kommunikationsräumen umfunktioniert. Eine Mischung aus Leben und Kunst, sozialer Plastik, Subkultur und Szenetreff entstand. Das Video erzählt die Geschichte der Betreiber und Bewohner dieser Orte über einen Zeitraum von zwei Jahren. Fokussiert werden die Überschneidungen von persönlichen und künstlerischen Mustern, von äußeren Bedingungen und eigenem Potential. Auf den Streifzügen mit der Kamera und in Gesprächen mit den Protagonisten entfaltet sich das Porträt einer Kunstszene – angesiedelt im Irgendwo zwischen 'nicht mehr' und 'noch nicht'.


Donnerstag, 8. August 2013, 19 Uhr:
Die ersten Tage von Berlin – Der Sound der Wende
Buchpräsentation und Talk mit Ulrich Gutmair
Vor dem Hintergrund der Aneignung von Mitte durch Künstler, Hausbesetzer, Clubbetreiber, Galeristen, DJs und Raver in den 90er Jahren geht der Journalist Ulrich Gutmairin seinem neu erschienenen Buch der Fragestellung nach, warum Berlin heute ist, was es ist.


Dienstag, 13. August 2013, 19 Uhr:
Wem gehört die Stadt?
Talk mit: Jesko Fezer, Lutz Henke und Dolly Leupold, Moderation: Ute Adamszewski
1990 begannen verschiedene Subkulturen, den Bezirk Mitte für sich zu erschließen. In den folgenden Jah-ren ergab sich dort eine Vielzahl an bespielbaren Orten und oft fand sich bei psychogeographischen Streifzügen durch die Stadt auch noch dafür nützliches Inventar. Ende der 90er Jahre begann dann die Vermarktung dieses Lebensstils. Zeitgleich mit der von Kultursenator Peter Radunski forcierten Politik einer Highlight-Kultur (Kongress Berlin Beta, Berlin Biennale, Love Parade...) begannen sich immer mehr innerstädtische Brachen in Einkaufszentren, leerstehende Bürogebäude oder Townhouses zu verwandeln. Inzwischen gilt der seit 2008 nunmehr weltweit mit der Kampagne Be Berlin beworbene Mythos vom ‘kreativen Durchwurschteln’ international als hip und generiert Unmengen Neuberliner. Spielt der Berliner Stadtraum für sie beim Entwickeln von Ideen noch eine Rolle? Auf welchen Flächen findet heute was statt? Und welche Rolle spielen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit dabei?

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog: 144 Seiten, zahlreiche Abbilungen mit Texten von Paul Paulun, Bass Dee, Stéphane Bauer, Natascha Sadr Haghighian, 10,- Euro in der Ausstellung


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