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Berlin

Aanant & Zoo

Exhibition Detail
A Group of Six Artists
Bülowstrasse 90
10783 Berlin
Germany


April 26th, 2013 - June 16th, 2013
Opening: 
April 26th, 2013 6:00 PM - 8:00 PM
 
Installation View, Installation View
© Courtesy of Aanant & Zoo
> ARTISTS
> QUICK FACTS
WEBSITE:  
http://www.aanantzoo.com
NEIGHBORHOOD:  
tempelhof-schöneberg
EMAIL:  
contact@aanantzoo.com
PHONE:  
+49 (0)30 81801873
OPEN HOURS:  
WED-SAT 11-6
> DESCRIPTION

Wie aus der Form geratene Tafelbilder hängen, hintereinander aufgereiht, zwei Gruppen gewölbter und in sich verdrehter Gummigebilde in einer Art Ständer. Aus verbogenen geometrischen, schwarzen und weißen Flächen zusammengesetzt, versprühen die einzelnen Formen (oder Anti-Formen) eine latent perverse Sinnlichkeit. Die nüchterne, fast pedantische Schlichtheit des „klassischen“ Formalismus wird durch den suggestiven Umgang mit den Gummiflächen aufgebrochen. Wie im Lager oder Modehaus hängen die Werke auf der Stange und bilden, zusammengedrängt, ein Meta-Werk: „Hängung“ von Geerten Verheus.

Zwischen Anti-Hommage und Hommage sind auch die Werke von Vlado Martek verortet, dessen Mitte der 70er Jahre gegründeter „Grupa šestorice“ (Group of Six) die Ausstellung ihren Titel verdankt. (Neben Martek waren Mladen und Sven Stilinović, Fedor Vučemilović, Boris Demur und Željko Jerman Mitglieder des Zagreber Kollektivs.) Auf flüchtig gezeichneten Landkarten stehen die Namen berühmter Musiker, Dichter und anderer quasi „staatstragender“ Kulturschaffender der jeweiligen Länder. Dort, wo Paris zu erwarten wäre, hat Mallarmé seinen Platz gefunden. Polen wird von Chopin dominiert. Kunst und Kontext fallen zusammen. Wie so oft bei Martek sind Banalität und Bedeutung kaum voneinander zu trennen: ein Kuddelmuddel aus Hochkultur und mitunter politisch verstandenem Nonsense.

„ATTRIBUTES OF MODIFICATION (Hill Arches)”, eine Installation von Max Schaffer, besteht aus großformatigen bedruckten Planen, die ein Werk von Henry Moore zeigen. Jeden Winter werden die „Hill Arches“ auf dem Wiener Karlsplatz für mehrere Monate eingerüstet und durch Bilder ersetzt, die die monumentale Bronze in vier Ansichten zeigen. In „A Group of Six Artists“ werden die Ansichten ineinander verschachtelt und die Flächen in eine räumliche Konfiguration übersetzt, in der Hinten und Vorne, Innen und Außen kaum noch zu unterscheiden sind und die öffentliche Skulptur zum Galerieraum in Beziehung tritt.

Die konzentrischen Kreis- und Kreissegmentformen in den Bildern Michael Dreyers bezeugen deutlich sichtbar den handwerklichen Prozess ihrer Entstehung. „Fehler“ werden in Kauf genommen und bisweilen gezielt hervorgebracht. Die vollkommene Form des Kreises bekommt einen handschriftlichen Zug. Durch die Zusammenfügung von unterschiedlichen, offenen wie geschlossenen Kreisbahnen, die mithilfe eines Faden- oder Stangenzirkels gezogen werden, entstehen pulsierende Konstellationen von überzeugender Lebendigkeit zwischen Mandala und Maßwerk, Form und Gestalt, Malerei, Mechanik und Handschrift.

Mit Channa Horwitz und Luis Camnitzer sind zwei bedeutende Vertreter der frühen Conceptual Art in „A Group of Six Artists“ vertreten. Im Zentrum des Werks von Horwitz stehen seit Anfang der 1960er Jahre grafische Partituren und Notationen von Bewegungen und Tönen („Sonakinatographies“). Auf Grundlage einer logischen Ordnung wird die Zeit im Medium Zeichnung fixiert und in grafische Rhythmen und serielle Strukturen übersetzt. Bis heute entstehen gleichermaßen strenge und exakte wie – im Rahmen der selbstgesetzten Ordnung – spielerische Kompositionen.

Die Installation „S.S. Atlantus“ von Luis Camnitzer besteht aus drei Elementen: dem Großdruck einer Postkarte mit der Abbildung eines havarierten Schiffs; einem Betonblock, der am Boden einer Wasserschale liegt; und einer Messingplatte, auf der in einfachen Worten Folgendes geschrieben steht: „S.S. Atlantus. Remains of experimental concrete ship, one of twelve during World War I. Proved impractical after several transatlantic trips because of weight. Towed and sunk here as wharf in 1926.“ Wie aus der Zeit gefallen, erzählt die „Atlantus“ von den Träumen der Vergangenheit, von den Irrwegen der modernen Technik und der Hybris vor dem verheerenden Krieg. Am Ufer schwimmt, nicht weit entfernt, ein schlichtes, kleines Ruderboot, das dem müde gewordenen Ungetüm melancholisch zuzuzwinkern scheint.


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