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Berlin

KM Galerie

Exhibition Detail
Radio Horeb
Martin-Opitz-Straße 23
13357 Berlin
Germany


April 12th, 2013 - May 25th, 2013
Opening: 
April 11th, 2013 6:00 PM - 8:00 PM
 
 Zeichnung 1 , Lily WittenburgLily Wittenburg, Zeichnung 1 ,
2013, Tinte auf Papier, 25 x 35 cm, Unique
© Courtesy of the artist & KM Galerie
> QUICK FACTS
WEBSITE:  
http://www.km-galerie.com
NEIGHBORHOOD:  
Other (outside main areas)
EMAIL:  
info@km-galerie.com
PHONE:  
+49 30 99 25 63 64
OPEN HOURS:  
Mi - Sa 12:00 -18:00 Uhr
TAGS:  
installation, video-art
> DESCRIPTION

Die erste Einzelausstellung von Lily Wittenburg bei KM zeigt im ersten Raum der Galerie eine Serie von 20 Zeichnungen. Der zweite Raum ist durch eine in einen Holzrahmen gefasste, lichtdurchlässige Wabenstruktur unterteilt. Das Wandelement verbindet den Film Radio Horeb (2013, 15 min.) im hinteren Teil des Raumes mit der aus einem Strahler, einer bemalten Glühbirne und beschichteten Glasscheiben bestehenden Rauminstallation White Volumen (2013). Das Plakat Trinidad 1. (2013) fungiert als Bindeglied zwischen den Räumen. Es stellt eine abstrakte, beinahe modellhaft anmutende Situation dar und bildet im gleichen Moment die Wirklichkeit einer explodierenden Tränengas-Granate bei einer Demonstration in Bolivien ab. Hier entsteht eine Achse, auf der sich die Bewegung in imaginäre Konstruktionen und Reisen in entfernte Gegenden kreuzen.
Bei näherer Betrachtung der einzelnen Blätter im ersten Raum der Ausstellung eröffnet sich dem Betrachter die Vielfalt der dargestellten Strukturen. Einige scheinen architektonische Formen darzustellen, andere sind abstrakt mit horizontal und vertikal verlaufenden Linien, teilweise unterbrochen oder dicht übereinander gelagert. Eine strenge wie auch rhythmische Präsentation geht einher mit den gezeichneten Elementen und greift wiederum die Linien und die Struktur des Galerieraumes auf. Es handelt sich nicht um die maßstabsgetreue Darstellung von Architektur. Lily Wittenburg konzentriert sich in ihren Zeichnungen vielmehr auf die immateriellen und abwesenden Bedingungen, die durch die Architektur gesetzt werden. Sie zeichnet Gedankengänge nach, die durch Empfindungen oder Erfahrungen im Raum hervorgerufen wurden. Die Architektur birgt unsichtbare Faktoren, die sich normalerweise nicht mit Hilfe von zeichnerischen Mitteln darstellen lassen wie Hohlräume oder Volumen. Die Architektur schafft eine bestimmte Atmosphäre und der Mensch bewegt sich in ihren räumlichen Verschränkungen. Er fühlt Temperatur, Luft und Geräusche, die sich entfalten. Licht verändert sich mit der Bewegung. Die formale Abstraktion bekommt so eine menschliche Dimension und damit ihr narratives Element.
Im Film erfolgt die Annäherung an einen neuen Ort über die Rahmen, mit denen Lily Wittenburg die Ausschnitte wählt. Das Bild ist in Bewegung, die Rahmen werden erweitert, weitergetragen, sie fließen aus dem Bild hinaus. Wittenburgs eigene Stimme füllt in einer Sequenz des 15-minütigen Loops die Bilder. Die Gesänge klingen konzentriert und in etwas vertieft, als handele es sich um spirituelle Gesänge. Die abstrahiert dargestellten Bilder werden durchbrochen von Aufnahmen der anderen Realität, die sie in Bolivien vorgefunden hat. Hier ändert sich die Sprache in ihrem Film. Bilder von der Radiostation, von einer Flussfahrt, von einer Straßenszene lässt sie ohne Ton das Auge des Betrachters passieren. Die Bilder selbst strahlen die Töne ab. Der Betrachter hört den Ventilator in der Radiostation, das Rauschen des Flusses, das Stimmengewirr und die Motorengeräusche von der Straße. Wittenburg lässt die Geräusche hier zeitversetzt wieder auftauchen, aber nicht zu den entsprechenden Bildern. Fallendes Geröll, Wasserspritzen, das Flattern der Insekten, ein technisches Störgeräusch des Senders geht über in Grillenzirpen. Damit schafft sie einen weiten Raum der Stimmung und der Atmosphäre, sie eröffnet den Betrachtern eine Freiheit und Offenheit. Der Sender "Radio Horeb" sendet mit regional unterschiedlichen Programmen auf der ganzen Welt und hat die Aufgabe, den christlichen Glauben in diese auszustrahlen.
So wie sich Wittenburg in ihren Zeichnungen dem immateriellen Raum nähert, tastet sie mit der Kamera die Umgebung ab, mit ihrer Stimme den Raum, mit ihren Bildern die Möglichkeiten. Sie macht unterschiedliche Oberflächen und deren semi-transparente Grenzen sichtbar wie das Licht spiegelnde Wasser, die Bäume, das Ufer entlang eines Flusses.
Lily Wittenburg wurde 1984 in Dannenberg geboren und studierte von 2002-2008 an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. 2012 erhielt sie das Arbeitsstipendium des Hamburger Senats. In diesem Jahr ist sie Stipendiatin der Künstlerstätte Lauenburg/Elbe. Ihre bisherigen Ausstellungen fanden meistens in Kollaborationen statt: Thermal Noise / Beetobee, Künstlerhaus Frise (2012), Hamburg. Gefangenes Zimmer 3, Kunstverein Harburger Bahnhof, Hamburg (2011), Note on in-difference (mit Jenni Zimmer), Note On, Berlin (2011), L.A. Lakeyaki, Tokyo (2011), Versus whiteout, Beetobee & Wooden Veil, Kunsthaus Hamburg (2010).


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