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Berlin

Cruise & Callas

Exhibition Detail
Bindende Bewegung
Alexandrinenstr. 1
Kreuzberg
10969 Berlin
Germany


March 9th, 2013 - April 13th, 2013
Opening: 
March 9th, 2013 7:00 PM - 11:00 PM
 
Bindende Bewegung, Aleksander CigaleAleksander Cigale, Bindende Bewegung,
2013, wax on fibreboard, framed 195 x 165 cm
© Cruise & Callas
Wo bleibt deine Puste, wenn du nicht pustest, Aleksander CigaleAleksander Cigale,
Wo bleibt deine Puste, wenn du nicht pustest,
2013, wax on fibreboard, framed 195 x 165 cm
© Cruise & Callas
Ewig kann\'s nicht Winter sein, Aleksander CigaleAleksander Cigale,
Ewig kann's nicht Winter sein,
2013, wax on fibreboard, framed 195 x 165 cm
© Cruise & Callas
Exhibition view: Bindende Bewegung, Aleksander CigaleAleksander Cigale,
Exhibition view: Bindende Bewegung,
2013, wax on fibreboard
© Cruise & Callas
Exhibition view: Bindende Bewegung, Aleksander CigaleAleksander Cigale,
Exhibition view: Bindende Bewegung,
2013, wax on fibreboard
Wintberge III, Aleksander CigaleAleksander Cigale, Wintberge III,
2013, wax on fibreboard, framed 195 x 165 cm
© Cruise & Callas
Hicks Boson Beschleuniger, Aleksander CigaleAleksander Cigale, Hicks Boson Beschleuniger,
2013, tennis ball machine, tennis balls, electrical motors, wood, plastic pipe, drum, rope, dimensions variable
© Cruise & Callas
Hicks Boson Beschleuniger, Aleksander CigaleAleksander Cigale, Hicks Boson Beschleuniger,
2013, tennis ball machine, tennis balls, electrical motors, wood, plastic pipe, drum, rope, dimensions variable
© Cruise & Callas
Drei unausführbare Verschiebungen: von Norden nach Süden, Aleksander CigaleAleksander Cigale,
Drei unausführbare Verschiebungen: von Norden nach Süden,
2013, wax, rope, tennisball, 37,5 x 60 x 4 cm
© Cruise & Callas
Drei unausführbare Verschiebungen: von vorne nach hinten, Aleksander CigaleAleksander Cigale,
Drei unausführbare Verschiebungen: von vorne nach hinten,
2013, wax, rope, tennisball, 37,5 x 60 x 4 cm
© Cruise & Callas
Drei unausführbare Verschiebungen: von unten nach oben, Aleksander CigaleAleksander Cigale,
Drei unausführbare Verschiebungen: von unten nach oben,
2013, wax, rope, tennisball, 37,5 x 60 x 4 cm
© Cruise & Callas
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> QUICK FACTS
WEBSITE:  
http://www.cruisecallas.com
NEIGHBORHOOD:  
friedrichshain-kreuzberg
EMAIL:  
office@cruisecallas.com
PHONE:  
+ 49 30 7492 7880
OPEN HOURS:  
Opening hours 12-6pm Wed-Sat
TAGS:  
modern, figurative, abstract, installation, mixed-media
> DESCRIPTION

Aleksander Cigale: Bindende Bewegung


9. März bis 13. April 2013, Cruise & Callas, Berlin


von Gunter Reski

Ein Ausgangspunkt der Ausstellung von Aleksander Cigale ist ein kleines rundes Ding, das zwischen gitterartig bespannten Schlaginstrumenten hin- und hergescheucht wird. Die besagte Dinglichkeit nennt sich Tennisball. Als heimlicher Protagonist der Ausstellung „Bindende Bewegung“ erscheint der Gegenstand selbst eher wenig involviert in das Bildgeschehen vieler Exponate, für die er wahrscheinlich zu Beginn einer Entscheidungskette ausschlaggebend war. Er glänzt starkfarbig wortwörtlich mit punktueller Anwesenheit und thematischer Abwesenheit.

Genau das macht die Vorgehensweise von Aleksander Cigale irritierend und interessant. Form und Inhalt sind eines der schlimmsten Zwangsbegriffspärchen nicht nur in der Kunstgeschichte, und besonders im Falle der Malerei scheint es schlichtweg unmöglich, sich (idiotischerweise) nicht für eine der beiden Seiten entscheiden zu müssen. Kollege, auf welcher Seite stehst du? Formalismus oder Inhaltismus, und fertig ist der vorformatierte Freundeskreis. Mit dieser Entweder-Oder-Falle – Luxusposter oder Contentwaffel – haben Aleksander Cigales Bilder nichts zu tun. Das riecht schon fast nach Befreiungsschlag. Sie kommen von irgendwo anders her. Es könnte eben mit dem bedeutungsresistenten Hebel oder der Setzung zur Ausstellung zu tun haben – wie hier eben ein besagter Tennisball. Entscheidend sind die daraus folgenden Ableitungen und Entscheidungsketten. Wie beim Satzbau sind erstes und letztes Wort nicht immer die allerwichtigsten.

Angesichts der großformatigen Bilder kann man gut von untypischer Landschaftsmalerei reden, die neben der kleinen runden Form auch vielen rechten Winkeln Spannungsmomente schenkt. In allen Bildern der Ausstellung wird dem Himmel jeweils viel Platz auf der Bildfläche gewidmet. In drei Großformaten („Wintberge I - III“) sind ursprünglich Zinnen das Hauptmotiv. Jedenfalls bedeutete „Wint“ vor Urzeiten einmal selbiges Ritterburgenmerkmal. Hier überlagern sich einige Erkennungsgewohnheiten angesichts dunkler symmetrischer Quader. Zum einen scheint hier das finale Schwarze Quadrat als ultimatives Klischee jeder Avantgardemalerei durch, weiter ist eine Assoziation mit Computerspielen wie SuperMario ebenso nahe liegend.

Diese simultanen Bedeutungslayer funktionieren merkwürdig in bedeutungsoffener und befreiender Indifferenz. Weder kommentiert oder dominiert die eine Konnotierung die andere. Die selten verwendete Maltechnik der Enkaustik ist ausschlaggebend für eine wenig malereilastige Bildoberfläche. Bedingt durch erhitztes Bienenwachs werden die Pigmente gewissermaßen mit eingeschmolzen. Der Farbauftrag kreiert ein quasi eingeschweißtes oder geheimnisvoll eingebettetes Bildgeschehen unter der Oberfläche. In den Bildern „Bindende Bewegung“ und „Wo bleibt deine Puste, wenn du nicht pustest“ kommt so eine brachiale Farbenpracht zur Geltung, die fälschlich eine Lichtquelle hinter dem Bild vermuten lässt. Im erstgenannten Bild spielt sich eine vergleichsweise deutliche Narration ab: Ein kurvig gewachsener junger Baum wird durch einen Stützpfahl per Strick vor weiterem serpentinenartigen Wuchs geschützt beziehungsweise domestiziert, wie immer man will. Das Setting ist in prächtig bonbonartiges Farbglühen getaucht, was der sich anbahnenden Statik eine absurde Dramatik verleiht. Per Leuchtkraft werden essentielle Dinge wie Strick, Ball oder Steinquader nahezu immaterialisiert.Nicht nur zur atmosphärischen Unterfütterung versucht im Gewölbe der Galerie eine Ballwurfmaschine mit ihren Filzgeschossen permanent eine Schlagzeugtrommel zu treffen. Der Titel der Installation „Hicks Boson Beschleuniger“ (1) veranschaulicht nochmals das verblüffende Signifikanten-Pingpong, das Aleksander Cigale mit seinen verzwickten/subtilen Formanalogien betreibt.


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(1) Der Titel der Arbeit bezieht sich auf das Higgs-Boson oder Higgs-Teilchen, benannt nach dem Physiker Peter Higgs. Das allgegenwärtige Higgs-Feld gilt als einer der Bausteine des Standardmodells der Teilchenphysik. Higgs‘ Theorie zufolge entspräche das (bis heute nicht nachgewiesene) Higgs-Boson einer quantenmechanischen Anregung des Higgs-Feldes, die sich als Teilchen äußert. Bildhaft ausgedrückt entspricht das Higgs-Feld einer Violinsaite, einem schwingungsfähigen System mit Grundzustand und Vibrationen. Das Higgs-Boson entspricht in diesem Bild dem Vibrationsmuster der Saite, die durch bestimmte Energiezufuhr in charakteristische Schwingung versetzt wurde. (Quelle: Wikipedia)


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