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Berlin

Wentrup

Exhibition Detail
The Other Space
Tempelhofer Ufer 22
10963 Berlin
Germany


March 9th, 2013 - April 19th, 2013
Opening: 
March 8th, 2013 6:00 PM - 9:00 PM
 
,
© Courtesy of Wentrup
> QUICK FACTS
WEBSITE:  
http://www.wentrupgallery.com/splash/
NEIGHBORHOOD:  
friedrichshain-kreuzberg
EMAIL:  
mail@wentrupgallery.com
PHONE:  
+49 (0)30.48.49.36.00
OPEN HOURS:  
Tue-Sat 11-6 pm
TAGS:  
prints, photography, sculpture
> DESCRIPTION

Wir freuen uns, die Ausstellung „Der andere Raum“ mit Miriam Böhm, James Turrell und Charlotte Posenenske anzukündigen, die am 8. März in der Galerie beginnt. Unterschiedliche Zeiten und Medien kommen zusammen: Werke von James Turrell und Charlotte Posenenske aus den 60er Jahren stehen neben Arbeiten der zeitgenössischen Fotografin Miriam Böhm, und so vereint die Ausstellung auch Fotografie, Druckgrafik und Skulptur. Die Gemeinsamkeit der ausgewählten Arbeiten ist die Auseinandersetzung mit der Raum-Betrachter-Beziehung und dem Phänomen des reflexiven Sehens.

Alle drei Künstler spielen mit der Wahrnehmung: sie fordern den Betrachter zu einem reflexiven, also rückbezogenen Sehen auf. Die Arbeiten befassen sich mit Räumlichkeit € oder genauer: mit den Wechselwirkungen zwischen Figur und Hintergrund bzw. Objekt und Raum, etwa dem realen Raum und dem Bühnenraum bei Böhm und Posenenske oder dem Bildraum bei Turrell und Böhm. Allen Künstlern gemein sind auch die Verfahren der Visualisierung, die Verdichtung und Verschiebung der Gegenstände, die den Raum sichtbar erst werden lassen.

Miriam Böhm

Miriam Böhm gestaltet ihre Fotografieserien wie abgeschlossene Bühnenräume, in die sie ihre Objekte mit Bedacht platziert. Ebene um Ebene werden die Gegenstände im Bildraum angeordnet. Durch Überlagerungen, Bild-im-Bild-Konstruktionen und der Formatierung von charakteristischen Beziehungen zwischen Figur und Grund erzeugt sie desorientierend wirkende Blickverschiebungen. Ihre subtil gestalteten Bildräume fordern vom Betrachter eine eigenständige Sehweise: ganz unwillkürlich möchte das Auge die Wirklichkeit dieser Bilder erforschen.

Zentrales Thema der neuen Serien „Reference“ und „Prospect“ ist das Motiv der Überlagerung und Verdichtung, die eine starke Räumlichkeit erzeugen. Die Titel der beiden Serien deuten bereits den dargestellten Inhalt an. In „Reference“ zum Beispiel sind Objekte aus Papier und Pappe so angeordnet, daß überraschende räumliche Wechselwirkungen entstehen. Die beige-weißen Pappen vor hellgrauen Hintergrund lehnen schräg aneinander oder scheinen im Raum zu schweben. Durch rekursive Techniken, zum Beispiel das Fotografieren der bereits gemachten Fotografie, entwickelt die Künstlerin zunächst verschiedene Perspektiven und multidimensionale Flächen, nur um diese dann wieder auf die zweidimensionale Bildebene des Fotopapiers zurückzuführen. Durch formale Wiederholung und Überlagerung entsteht ein buchstäbliches Verrücken, das nicht nur den ursprünglich realen Raum, sondern auch den fotografischen Raum auslotet und für den Betrachter erst sichtbar werden lässt. Da die Arbeiten als Serien angelegt sind, schließen sie auch das zeitliche Moment mit ein. 

Immer wieder geht es um Wechselwirkung, Realität und Transformation: Wie verhalten sich Figur und Grund zueinander? Wie wird der bildnerische Raum zum realen Raum? Da Schein und Wirklichkeit nicht sofort durchschaubar sind, weckt Miriam Böhm ganz spielerisch den Forscher im Betrachter. Um so erstaunlicher bleibt aber sogar nach erfolgreicher Entschlüsselung dieser Raumlabyrinthe die Frage, ob das Konstruierte und Artifizielle nicht ebenso real ist wie die Realität selbst.

James Turrell

Um ähnliche Fragen geht es James Turrell, der sich bereits seit den 1960er Jahren mit raumgreifenden Installationen beschäftigt, die sich vor allem mit Licht als zentralem Phänomen befassen. Turrell will Orte der Wahrnehmung und des Erlebens schaffen. Seinen Arbeiten liegt eine performative Vorgehensweise zu Grunde.
Der Werkkomplex der Grafikserie „First Light - Blonde“ entstand 1989-1990. Turrell nimmt darin auf früher entstandene Raumprojekte Bezug, darunter auch auf die von ihm „Catso“ betitelte Eck-Projektion. Die 20 Blätter umfassende Serie „First Light - Blonde“ sind im Tiefdruckverfahren hergestellt. Die fünf unterschiedlichen Farben der verwendeten Aquatinten entsprechen den mit den Buchstaben bezeichneten Serien (A-E) plus einem Einzelblatt (Meeting). Es handelt sich dabei (mit Außnahme von Meeting, das zu der Serie der Skyspaces gehört) um direkte Wand-Projektionen (single-wall projections; dazu gehören Phantom, Fargo, Decker, Tollyn) oder um Eck-Projektionen (cross-corner pieces). Alle Installationen wurden in den 60er Jahren entwickelt.

Turrell versteht „First Light - Blonde“ als erklärende und konzeptbezogene Serie zu seinen Licht-Raum-Installationen. Sie geben in ihrer Dichte einen Überblick über seine verschiedenen Arbeitsphasen. Darüber hinaus konfrontiert sie den Betrachter bereits direkt mit den phänomenologischen Themen seines Oeuvres. Besonderen Stellenwert nimmt hier die Radierung als künstlerische Technik ein: Turrell wählte die Aquatinte als lichtempfindlichste Form der Radierung, bei der vor allem subtile, flächendeckende Tonabstufungen realisierbar sind. Insbesondere die Einschränkungen des Mediums – langwieriger Arbeitsprozeß, verschiedene präzise zu kalkulierende Arbeitsvorgänge, sehr eingeschränkte Möglichkeit von Korrekturen, anspruchsvolle Drucktechnik – machen die besondere Qualität der Blätter aus.
Die Grafikserie Turrells befindet sich in den Sammlungen internationaler Museen, wie zum Beispiel im Tate Modern, London, Los Angeles County Museum of Art und im Solomon R. Guggenheim Museum, New York.

Ähnlich wie Böhm lotet auch Turrell den Raum aus. Flächen werden zu dreidimensionalen Objekten, die im Raum zu schweben scheinen. Turrells Werk steht im Kontext der geschichtsleeren Selbstevidenz des Kunstwerks, einem Charakteristikum sowohl der amerikanischen Kunst der New York School als auch Minimal Art. Ziel von Turrell und anderen kalifornischen Konzept-Künstlern der light and space-Bewegung der 60er Jahre war es, mittels Licht das Kunstwerk als solches zu entmaterialisieren. Die Titel der Grafiken betonen hier die Idee der Referenzlosigkeit: Wortneuschöpfungen (Phantom, Fargo, Decker, Tollyn) erinnern an phonetisch inspirierte Lautbezeichnungen oder Mantras, die auf eine reine Wahrnehmungserfahrung abzielen.

Turrell, Böhm und Posenenske bringen den Betrachter gewissermaßen zu einem reflexiven Sehen,  was bedeutet, daß der Betrachter sein Sehen immer wieder neu erprobt und kontinuierlich variiert. Jeder Perspektivwechsel ergibt Wahrnehmungsverschiebungen. Das Oszillieren zwischen Zwei- und Dreidimensionalität sowie die räumliche und skulpturale Qualität des Lichtes versetzen den Betrachter in die Lage, seine eigene Wahrnehmung reflexiv zu rekonstruieren. Es geht dabei auch um die Vorstellung von Raum als mentalen Bereich.

"I'm interested in delving into and exploring the architecture of space created by light. Mostly we have dealt with space by displacement or massing of form. The art that I make covers this ground between form and actually forming space using light. It is a structured space without a massing of form. This quality of working the space in between so that it limits or expands the penetration of vision is something that intensely fascinates me." James Turrell

Charlotte Posenenske

Ebenso wie Turrell und Böhm spielt auch Charlotte Posenenske mit der menschlichen Wahrnehmung. Ihre frühe und langjährige Arbeit am Theater und die Beschäftigung mit Bühnenarchitektur hatten großen Einfluss auf ihr künstlerisches Werk. Die minimalistischen Arbeiten, Objekte und Skulpturen Posenenskes der 60er Jahre haben ihren Ursprung in Gemälden mit ausgeprägtem Reliefcharakter. Mit Öl- und Acrylfarben gespachtelte Bilder, die bereits einen starken räumlichen Bezug aufwiesen, legten den Grundstein ihres Werkes in den 50er Jahren.

In ihren Raumskulpturen verarbeitet sie konsequent industriell hergestellte Stoffe wie Wellpappe, Spanplatten, Winkelbleche oder Vierkantrohre. Die Verwendung dieser Materialien sollte einerseits eine variable Gestaltung erlauben, andererseits jede künstlerische Subjektivität eines Schaffensprozeßes ausschließen. Posenenskes Ziel ist es, den traditionellen Werkbegriff eines autonomen Kunstwerkes in Frage zu stellen, indem sie dieses Werk durch ein industrielles Artefakt ersetzt. So zum Beispiel beim Objekt „Vierkantrohr Serie DM“ (1967): dieses besteht aus drei gleichen Sätzen zu je vier Elementen der Lüftungsanlage einer Produktionshalle, die, an Falzen verschraubt, beliebig variiert werden kann. Objekte und Formen werden aus ihrer unmittelbaren und alltäglichen Funktion herausgelöst und die ästhetische Qualität der Gegenstände wird erkennbar. Dabei sind die Objekte so angeordnet, daß auch der Raum im Bezug zum Objekt spürbar in Erscheinung tritt. Auch Posenenske fordert €– wie Böhm und Turrell – den Betrachter zu einem neuen Sehen auf.

„Die Gegenstände sollen den objektiven Charakter von Industrieprodukten haben. Sie sollen nichts anders vorstellen, als sie sind. Die bisherige Einteilung der Künste existiert nicht mehr: Der Künstler der Zukunft müßte mit einem Team von Spezialisten in einem Entwicklungslabor arbeiten." – Charlotte Posenenske

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We are very happy to announce the exhibition The Other Space with Miriam Böhm, James Turrell, and Charlotte Posenenske, which will open on 8 March at the gallery. Different times and media will be united: works by James Turrell and Charlotte Posenenske from the 1960s will be shown next to works by the contemporary photographer Miriam Böhm. Thus the exhibition also brings together photography, fine print, and sculpture. What the selected works have in common is their engagement with the relationship between space and beholder, and the phenomenon of reflexive viewing.

All three artists play with perception. They challenge the beholder to engage in reflexive seeing. The works address spatiality, or to be more precise: they are concerned with the interplay between figure and background, or object and space, for example real space and stage space with Böhm and Posenenske, or the pictorial space with Turrell and Böhm. Another thing these artists have in common are the processes of visualisation, the condensation and shifting of objects, which let the space emerge and make it visible.

Miriam Böhm

Miriam Böhm sets up her series of photographs like closed stages on which she carefully places her objects. The objects are arranged in careful layers in the visual space. Through overlayings, picture-within-picture constructions, and the formatting of characteristic relationships between figure and ground, she creates disorienting shifts in perspective. Her subtly planned pictorial spaces demand from the beholder an independent way of seeing: almost automatically, the eye wants to explore the reality of these images.

The central theme of her new series ‘Reference’ and ‘Prospect’ is the motif of overlaying and condensation, both of which create strong spatiality. The titles of the two series already hint at the represented content. In ‘Reference’, for example, paper and cardboard objects are arranged in such a way as to create surprising spatial interplay. The beige-whitish pieces of cardboard before a light grey background lean against one another at an angle, sometimes they seem to float in space. Using recursive techniques, for example re-photographing the original photograph, the artist at first develops various perspectives and multi-dimensional planes, which she then reduces back to the two-dimensionality of the photographic paper. The formal repetition and overlaying leads to a literal shift which explores not just the original, real space, but also the photographic space, which it makes visible for the beholder. Since the works are conceived as series, they also contain a time element.

The central concerns of these works are interplay, reality, and transformation: how do figure and ground relate and interact with each other? How does the visual space become real space? Because appearance and reality are not immediately transparent, Miriam Böhm quite playfully inspires an investigative spirit in the beholder. All the more astonishing is the fact that even after these spatial labyrinths have been decoded, the question of whether the constructed and artificial is not quite as real as reality itself remains.

James Turrell

James Turrell deals with quite similar issues. Since the 1960s, he has been engaging with expansive installations that address above all light as a central phenomenon. Turrell wants to create sites of perception and experience. His works are based on a performative approach.
The group of works of the print series ‘First Light - Blonde’ was made 1989-90. Turrell refers here to his earlier spatial projects, among them also the corner projection entitled Catso. The series of 20 aquatint prints entitled ‘First Light - Blonde’,uses five different colours, which correspond to the series labelled with letters (A-E) and one single work (Meeting). With the exception of Meeting, which belongs to the series of Skyspaces, these are all single wall projections (among them Phantom, Fargo, Decker, Tollyn) or cross-corner pieces. All installations were conceived in the 1960s.

Turrell sees ‘First Light - Blonde’ as a series that explains his light-space installations, to which it is conceptually linked. In their density, the prints provide an overview of his various creative phases. Furthermore, the series already confronts the beholder directly with the phenomenological concerns of Turrell’s oeuvre. Etching as an artistic technique plays a special role here: Turrell chose aquatint as that form of etching that is most sensitive to light, which makes very subtle gradations of colour shades possible on a large area. The limitations of the chosen medium – a protracted work process, various steps that need to be planned very precisely, the very limited possibility to make corrections, a very demanding printing technique – make the extraordinary quality of the prints even more remarkable.
Turrell's series of prints is part of international museum collections, among them the Tate Modern, London, the Los Angeles County Museum of Art, and the Solomon R. Guggenheim Museum, New York.

Similarly to Böhm, Turrell also explores space. Planes become three-dimensional objects that seem to float in space. Turrell’s works belongs in the context of the selfevidence of the work of art, void of history, which is characteristic both for the art of the New York School and for minimal art. Turrell and other Californian conceptual artists of the light and space movement of the 1960s wanted to dematerialise the artwork as such through light. The titles of the prints underline the idea that they refer to nothing at all: neologisms (Phantom, Fargo, Decker, Tollyn) reminiscent of phonetically inspired sound descriptions or mantras that aim at a pure perception of experience.

Turrell, Böhm, and Posenenske inspire the beholder to engage in a reflexive seeing, which means that the beholder keeps retesting his or her seeing and continuously varies it. Every change of perspective leads to shifts in perception. The oscillation between two-dimensionality and three-dimensionality and the spatial and sculptural quality of the light enable the beholder to reconstruct his or her own perception reflexively. At issue here is also the notion of space as a mental realm.

 ‘I'm interested in delving into and exploring the architecture of space created by light. Mostly we have dealt with space by displacement or massing of form. The art that I make covers this ground between form and actually forming space using light. It is a structured space without a massing of form. This quality of working the space in between so that it limits or expands the penetration of vision is something that intensely fascinates me.’ James Turrell

Charlotte Posenenske

Like Turrell and Böhm, Charlotte Posenenske also plays with human perception. The years she worked at the theatre early on in her career, and her engagement with stage architecture, influenced her work a great deal. Posenenske’s minimalistic works, objects and sculptures from the 1960s are derived from paintings with a distinct relief character. Paintings where the oil or acrylic paint is scraped on with a palette-knife, which already have strong spatial references, formed the foundation of her work in the 1950s.

In her spatial sculptures, she uses consistently industrially produced materials like corrugated cardboard, particleboard, angular plates, or square pipes. The use of these materials was one hand to allow for a variable design, but on the other hand exclude any artistic subjectivity of a creative process. Posenenske’s goal was to radically question the traditional notion of an autonomous work of art by replacing this work with an industrial artefact. A good example for this strategy is the object Vierkantrohr Serie DM (1967). It consists of three identical sets of four elements each of a ventilation system of a factory hall, which, screwed together at fillisters, can be varied in any order. Objects and forms are extracted from their direct and everyday function, and their aesthetic quality is revealed. The objects are arranged in such a way that the space is very clearly related to the object. Posenenske – just like Böhm and Turell – calls on the beholder to engage in new ways of seeing.

‘The objects are supposed to have the objective character of industrial products. They should not represent anything other than what they are. The division of the arts that was hitherto valid no longer exists: the artist of the future should work with a team of specialists in a research laboratory.’ – Charlotte Posenenske


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