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Berlin

Nolan Judin

Exhibition Detail
Magnificent Obsession - The Love Affaire Between Movies And Literature
Potsdamer Strasse 83
10785 Berlin
Germany


February 12th, 2013 - April 6th, 2013
Opening: 
February 10th, 2013 11:00 AM - 2:30 PM
 
Magnificent Obsession (Still), Matthias BrunnerMatthias Brunner, Magnificent Obsession (Still)

© Courtesy of Nolan Judin
Magnificent Obsession (Still), Matthias BrunnerMatthias Brunner, Magnificent Obsession (Still)

© Courtesy of the artist and Nolan Judin
Magnificent Obsession (Still), Matthias BrunnerMatthias Brunner, Magnificent Obsession (Still)

© Courtesy of the artist and Nolan Judin
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> QUICK FACTS
WEBSITE:  
http://nolan-judin.de/current.html
NEIGHBORHOOD:  
tiergarten
EMAIL:  
info@nolan-judin.com
PHONE:  
+49.30.39 40 48 40
OPEN HOURS:  
Tuesday – Saturday 11.00 – 18.00 or by appointment
TAGS:  
video-art
> DESCRIPTION

Gale­rie Nolan Judin freut sich, anläss­lich der Inter­na­tio­nalen Filmfest­spiele Ber­lin die Video­installa­tion Magnifi­cent Obses­sion – The Love Affair Between Movies and Lite­r­ature (2011/2012) des Schweizer Cinéasten und Künstlers Matthias Brun­ner prä­sen­tie­ren zu dür­fen – eine sinnrei­che und sinnli­che Kom­pi­la­tion von Clips aus 36 Meis­ter­werken des europäi­schen und ame­rika­ni­schen Kinos der 50er- und 60er-Jahre in Vier­fach­projek­tion.

Die Lie­be­sge­schichte zwi­schen Film und Lite­r­atur ist fast so alt wie die Kino­ge­schichte selbst. Bereits 1896 drehte Louis Jean Lumière einen kur­zen Faust und auch der viel­leicht schönste Film der golde­nen Ära des Stummfilms, F. M. Murn­aus Sunrise von 1927, basierte auf einer lite­rari­schen Vor­lage - einer nicht besonders guten Novelle von Hermann Sudermann. Das war kein Einzelfall: Die Liste von großar­ti­gen Fil­men, die auf zweitklas­siger Lite­r­atur basie­ren, ist fast so lang wie die von schlech­ten Ver­fil­mun­gen großer Lite­r­atur. Bedeu­tende Regis­seure sind an den Werken von Mar­cel Pro­ust, James Joyce, Albert Camus, Gabriel Gar­cia Marquez und Patrick Süskind geschei­tert.

In kei­ner Epo­che war die Lie­be­saffäre zwi­schen Kino und Lite­r­atur so innig wie zur Zeit der Nouvelle Vague. Ver­filmt wurden ab den spä­ten 50er Jahren Bücher von Auto­ren wie Alberto Moravia, Ray Bradbury, Henri-Pierre Roche, Adele Hugo, Marguerite Duras, Alain Robbe Grillet, Jean Cay­rol, Jorge Semprun und Dolo­res Hit­chens. Paradoxerweise, denn eigent­lich war die Nouvelle Vague das Kino der Film­au­to­ren, die ant­ra­ten um mit eige­nen Stoffen und Drehbü­chern den vor­her­sehba­ren Erzähl­fluss des kommerzi­el­len Kinos zu über­winden. Aber selbst wenn diese Regis­seure keine (fremden) Werke der Lite­r­atur ver­film­ten, strah­len ihre Filme die Liebe zu Büchern aus. Sei es als Spiele­rei wie in Une femme est une femme, als philosophi­scher Diskurs wie in Masculin-Femi­nin mit Brigitte Bardot oder als Ehr­erweisung an den „petit poli­cier“, wie in Bande à part (alle drei von Jean-Luc Godard). Am hef­tigs­ten kommt dies viel­leicht in Les quatre cents coups von François Truffaut zum Aus­druck, in dem sich der jugend­li­che Jean-Pierre Léaud so lei­denschaft­lich mit Honoré de Balzac aus­ein­ander­setzt, dass er sein Schlafzim­mer in Flam­men auf­ge­hen lässt. Pas­senderweise erhielt Truffaut dafür eine Oscar-Nomi­nierung für das beste Drehbuch.

Die Filme der Nouvelle Vague sind das Herz die­ser Installa­tion. Und weil keine „Welle“ ohne eine frü­here ent­sprin­gen kann, wer­den Aus­schnitte aus die­ser Epo­che mit Fil­men von Hollywood-Regis­seu­ren in Dialog gestellt, die als die großen Väter der Nouvelle Vague gel­ten. Es sind Lite­r­aturver­fil­mun­gen der ver­ehr­ten Meis­terregis­seure Alfred Hitchcock (The Birds, Mar­nie), Doug­las Sirk (Magnifi­cent Obses­sion, All That Heaven Allows, Imi­ta­tion of Life), Elia Kazan (Sple­ndor in the Grass), Vin­cente Minnelli (Some Came Run­ning), Blake Edwards (Breakfast at Tiffany), Joseph Losey (Secret Cere­mony) und How­ard Hawks (Hatari!). Aber auch in Europa hat­ten die Regis­seure der Nouvelle Vague Vor­bil­der: Max Ophüls (Let­ter To An Unkown Woman, Lola Montez), Luis Buñuel (Journal d’une femme de cham­bre, Belle de jour), Jean-Pierre Melville (Leon Morin Pretre), Luch­ino Visconti (Il Gat­to­pardo), Jean Cocteau (Orphée) oder Rene Cle­ment (Plein soleil).

Bei der Durch­sicht von hunder­ten von Fil­men der 50er und 60er Jahre fiel Matthias Brun­ner auf, dass zur glei­chen Zeit, in der sich die Nouvelle Vague lei­denschaft­lich und auch spielerisch mit Lite­r­atur aus­ein­ander­setzte, das ame­rika­ni­sche Kino sich zwar gerne bei der Lite­r­atur Stoffe borgte, dies aber oft ohne tiefere Aus­ein­ander­setzung mit den Vor­la­gen und ohne anre­gende Spiele­rei mit den Tex­ten tat. Die Lie­be­s­erklärung blieb aus. Nur wenige ame­rika­ni­sche Regis­seure - wie Doug­las Sirk, Joseph J. Mankjewicz, John Hus­ton, Vin­cente Minnelli oder Elia Kazan - bedien­ten sich der gan­zen Macht von Büchern und wurden ihnen gerecht. Es ist wohl kein Zufall, dass diese Regis­seure alle starke europäi­sche Wurzeln auf­wie­sen.

Mit sei­ner Installa­tion Magnifi­cent Obses­sion geht es Brun­ner jedoch kei­nes­wegs um eine analy­ti­sche Bearbei­tung des The­mas oder um eine „Wer­tung“ der so unterschiedli­chen Filme. Er ver­mei­det die Anein­ander­reihung von stereo­ty­pen The­men und den kon­fron­ta­tiven Ver­gleich von europäi­schem und ame­rika­ni­schem Kino. Magnifi­cent Obses­sion ist eine stark asso­zia­tive, lei­denschaft­li­che und poe­ti­sche Kom­pi­la­tion von Sze­nen aus 36 Fil­men, die Reichtum und Vielschich­tigkeit der Ver­mäh­lung von Film und Lite­r­atur zu ver­mit­teln ver­sucht.

Bei den klas­si­schen ame­rika­ni­schen Lite­r­aturver­fil­mun­gen hat Brun­ner nicht aus­schließlich Sze­nen mit Büchern aus­ge­sucht, da ihm die Auto­ren der Vor­la­gen bereits Refe­renz genug sind und ihm andere Sze­nen wich­tiger erschie­nen (so zum Bei­spiel in Magnifi­cent Obses­sion, A Place in the Sun, Secret Cere­mony).

Bei den Fil­men der Nouvelle Vague empfand er es hinge­gen als fast zwin­gend, sich auf Sze­nen zu kon­zen­trie­ren, in denen Bücher, Texte oder Auto­ren direkt vor­kom­men, da diese Filme stark auf solchen Schlüs­sel­sze­nen basie­ren.

Brun­ner hat sich bemüht, mög­lichst viele Aspekte des The­mas „Buch“ in sei­ner Kom­pi­la­tion zu zei­gen: das Schrei­ben (Malle) und Dru­cken (Truffaut), der Gang in die Buchhand­lung (Ophüls), das Reklamie­ren der Buch­empfeh­lung des Buchhänd­lers (Demy), das Buch als Schaufenster­auslage (Truffaut), die Bücherver­bren­nung (eben­falls Truffaut), das Lesen (Sirk, Godard, Truffaut), die Begeg­nung in einer Biblio­thek (Edwards), die Inter­preta­tion eines Tex­tes (Kazan) oder die Liebkosung eines Gedichts durch die Kamera (Godard).

Der Betrach­ter hört den Ton von nur einem der vier zeitgleich gezeig­ten Filme. Brun­ner wählte den Soundtrack des jeweils wich­tigs­ten Aus­schnitts – aber so, dass laufend neue und unerwar­tete Querver­bindun­gen zwi­schen den Fil­men ent­ste­hen. Es sind diese intel­li­gen­ten und zugleich ver­spiel­ten Querver­bindun­gen, die vom enor­men Wis­sen Brun­ners und sei­ner persönli­chen „magnifi­cent obses­sion“ zeu­gen.

Die Installa­tion befindet sich im Besitz der Video-Samm­lung des Kunst­hau­ses Zürich.


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