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Berlin

Substitut

Exhibition Detail
tools for the next revolution
Torstrasse 159
10115 Berlin
Germany


January 19th, 2013 - March 2nd, 2013
Opening: 
January 18th, 2013 7:00 PM - 9:00 PM
 
,
© Courtesy of Substitut
> QUICK FACTS
WEBSITE:  
http://www.substitut-berlin.ch
NEIGHBORHOOD:  
mitte
EMAIL:  
info@substitut-berlin.ch
OPEN HOURS:  
Wed - Thu 4-7pm, Fri 4-9pm, Sat 2-6pm
TAGS:  
digital
> DESCRIPTION

Ich freue mich, die erste Einzelausstellung von Christoph Wachter und Mathias
Jud in Berlin zeigen zu können. Die Künstler wurden dieses Jahr mit dem Prix Ars
Electronica [the next idea] und soeben in Paris mit dem «Council of Europe Cultural
Events Label CECEL» (für das Projekt Hotel Gelem) ausgezeichnet.
Die Arbeiten der Künstler sind für mich ein Beispiel, wie Kunstwerke Teil gesellschaftspolitischer
Vorgänge werden können und in diese sogar aktiv eingreifen
durch ihre praktische und allgemeine Verwendbarkeit. «Tools for the next revolution»
sind digitale Werkzeuge, die weltweit Anwendung finden. Dennoch agieren
Wachter/Jud im Kunstkontext. Gerade eine Ausstellung in einem Kunstraum
ermöglicht es, die «Tools» durch die Kontextverschiebung anders zu beleuchten und
kritisch zu befragen. Die Künstler schreiben dazu:
«Das Kommunikations-Setting, das uns einbindet und unsere Äusserungen erst
ermöglicht, kann in der Kommunikationsgesellschaft auch zur grundsätzlichen
Erprobungen eigener Ausdrucks- und Darstellungsoptionen dienen. Fragen der
Kunst, der persönlichen Ausdrucksmöglichkeiten und Gestaltungsoptionen, aber
auch die Bedingungen und Abhängigkeiten innerhalb einer Kommunikationsgesellschaft
können erst in den paradigmatischen Gegenkonzepten ergründet werden.
In diesem Prozess relativiert sich unsere Selbstvorstellung als autonome Individuen
und jede Selbstdarstellung zwingt zu einer fundamentalen Befragung. Doch dieser
Umweg über die Kunstprojekte ermöglicht eine selbstkritische Sondierung und eine
unabhängigere Positionierung gegenüber geopolitischen, gouvernementalen und
identitären Dispositiven.»
Mit den Kunstprojekten picidae (seit 2007), New Nations (seit 2009) und
qaul.net (seit 2012) haben Christoph Wachter und Mathias Jud einen eigenen,
paradigmatischen Werktypus geschaffen. Die funktionalen Open Source Projekte
machen Formen der Internetzensur sichtbar, unterlaufen eine machtpolitische
Kanalisierung von Informationen und selbst die generelle Abhängigkeit, die erst bei
einer Abschaltungen oder einem Ausfall der Infrastruktur erfahrbar ist, wird überwindbar.
In den USA, Europa, Australien aber auch in Ländern wie Syrien, Tunesien,
Ägypten, Iran, Indien, China und Thailand haben sich schon lange vor dem ‘Arabischen
Frühling’ Communities gebildet, die diese Tools nutzen und weiterentwickeln.
Selbst in Nordkorea partizipieren Aktivisten an den Projekten.
In der Ausstellung im Substitut sollen die drei digitalen Kunstprojekte erstmals
gleichzeitig gezeigt werden. Diese erlauben es, konkrete Aspekte der digitalen
Kommunikation zu untersuchen und selbst nachzuvollziehen. Mit der Präsentation
wird der konzeptionelle und theoretische Hintergrund in den Fokus gerückt.
Damit wird auch die generelle Bedeutung hinsichtlich aktueller philosophischer,
künstlerischer, sozialer und politischer Fragestellungen grundsätzlicher erörtert.
informationen picidae (Mauerspecht) erkundet die Grenzen unserer eigenen Vorstellung und
Wahrnehmung. Das Internet wird gleichsam zum Untersuchungsobjekt und zum
Mittel der Untersuchung. picidae generiert Abbilder von HTML-Webseiten, die
selbst wieder klickbar sind. Die Bilder unterwandern Redirects, Ranking, Rating, Filterung
und Zensur. Seit der Veröffentlichung im Herbst 2007 wird picidae in China,
im Iran, in Dubai und in nordafrikanischen Ländern zur Betrachtung von Webseiten
genutzt. Auch in Europa ist das Projekt Prüfstein für die zunehmende Steuerung
und Manipulation des Internets und macht als Kunstprojekt in neuer Weise sichtbar.
New Nations enthüllt die Machtstruktur des Internets und erweitert das bestehende,
digitale Datennetz um eine neue Dimension, die den Tibetern, Kurden, Tamilen,
Uiguren, Sahrauis und anderen, nicht anerkannten Gemeinschaften eigene Internetadressen
(ccTLD) aufsetzt. Als Community-Projekt erprobt New Nations neue
Formen des globalen Miteinanders und des kommunikativen Austauschs.
qaul.net verwirklicht ein redundantes, offenes Kommunikationsprinzip, in dem die
WLAN-fähigen Computer und Mobile-Devices direkt ein spontanes Netz bilden.
Voice- und Textchat, Twitterfunktionen oder Filesharing werden unabhängig von
Internet und Mobilfunk möglich. Wie ein Virus kann sich qaul.net verbreiten und
eine OpenSource Community kann qaul.net beliebig modifizieren. In Zeiten der
kommunikativen Blackouts in Ägypten, Burma oder Tibet, und angesichts der grossen
Netzausfällen durch Naturkatastrophen wird qaul.net zur Herausforderung, die
individuellen Kommunikationsbedingungen kritisch zu betrachten und gemeinsam
neue Horizonte zu ergründen.


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