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Berlin

Laura Mars Grp.

Exhibition Detail
Angels of Disguise (The Abstract Aesthetics of Digital Flaneurism)
Sorauer Str. 3
10997 Berlin
Germany


November 24th, 2012 - November 29th, 2012
Opening: 
November 23rd, 2012 8:00 PM - 10:00 PM
 
CAN "KHAN" ORAL - ANGELS OF DISGUISE - The Abstract Aesthetics of Digital Flaneurism(, Can "Khan" OralCan "Khan" Oral,
CAN "KHAN" ORAL - ANGELS OF DISGUISE - The Abstract Aesthetics of Digital Flaneurism(,
Buch, CD, DVD - Fantôme Verlag, ISBN 978-3-940999-29-0
© Can Oral
> QUICK FACTS
WEBSITE:  
http://www.lauramars.de
NEIGHBORHOOD:  
treptow-köpenick
EMAIL:  
info@lauramars.de
PHONE:  
+49 (0)30.61.07.46.30
OPEN HOURS:  
Tue-Fr, 1-7 p.m. Sat, 1-5 p.m.
TAGS:  
performance, digital, mixed-media, music
> DESCRIPTION

BUCH

Sich auf Internetseiten für Sex-Dates einzuloggen hat etwas von einer Verheißung – man taucht ein in ein unermessliches Meer aus Wunschbildern und Daten. Hier finden sich Fetischsüchtige und Normalos, dominante „Tops“ und submissive „Bottoms“, Transen und weibische Typen. Und es gibt für jeden Geschmack das Passende. Digitaler Flaneurismus ist eine ständige Sehnsucht nach Suchen und Finden.

Angels of Disguise (The Abstract Aesthetics of Digital Flaneurism) von Can „Khan“ Oral ist eine Sammlung von Bildfunden auf diesen virtuellen Seiten, die eine Poesie des Aufreizens formuliert. Die Bilder geben allerlei Einzelheiten des Menschen wieder, Wesen oder Identität aber sind verwischt: Die Form einer Brust sagt mehr aus als das, was im Ausweis steht. Niemand kann sicher sagen, welche Persönlichkeit hinter dem Bild verborgen ist: Ist die Identität konstruiert oder authentisch, ihr Träger bürgerlich oder pervers?
Nicht Rangfolgen körperlicher Gestalt, von Schönheit oder Staatsangehörigkeit stiften die ordnenden Kategorien dieser Sammlung, sondern die vielfältigen formalen Techniken des Verkleidens, Maskierens, Verschleierns oder Hervorhebens, welche die Vorstellung vom Natürlichen und Wirklichen zerstreuen. Verbergen ist zeigen.

CD/DVD


Die Untersuchung ging von der Frage aus: Warum zielt Pornografie überwiegend auf das Auge und so selten auf das Gehör? Die anschließende Erforschung erstreckte sich vom professionellen, schauspielerisch inszenierten Sexstreifen bis hin zum heutzutage vorherrschenden amateurhaften Pornovideo, in dem der visuelle wie akustische Handlungsrahmen und die sexualisierte Atmosphäre ebenso bedeutsam geworden sind wie der eigentliche Geschlechtsakt selbst.

Das Ausgangsmaterial der Audio-Porn-Megamix-Soundcollage (Come Into My Light) wurde während endloser Spaziergänge im Cyberspace und im selben flaneuristischen Gestus wie bei Angels of Disguise angesammelt. (Das sechzigminütige Tonmaterial ist ebenfalls im Boxset auf CD in alphabetischer Reihenfolge enthalten.)

Sexfilmportale halten jeden nur erdenklichen Fetisch und Sound bereit: von der freien Natur zu Körpergeräuschen zu elektronischem Gerät oder schlicht zum plärrenden Fernseher in der Wohnung nebenan. Der Soundmix besteht grösstenteils aus Dateien, die durch fehlerhaftes Hoch- oder Herunterladen oder unsachgemäß eingesetzte Aufnahmeausrüstung beschädigt wurden. Ähnlich wie bei den bearbeiten Fotografien der Serie Angels of Disguise wird der digitale Mangel zu einer Maske, die das ursprüngliche Dokument entweder verhüllt oder hervorhebt.

Begleitet wird der Audio-Porn-Megamix (Come Into My Light) von einem stummen und kaum bewegten Kurzvideo, eine Aufnahme des Mondes, das digital zu einem 42-minütigen Zeitlupenereignis gestreckt wurde. Der Mond, auf ewig Begleiter und Gegenüber der Erde, wird zur kosmischen Metapher dafür, welche unendlichen und immerwährenden Möglichkeiten und Bedeutungstiefen etwas vom Menschen Geschaffenes birgt: Computer und Internet nämlich – das digitale Zeitalter als Sinnbild für eine globale und vielleicht sogar kosmische Verbundenheit zwischen den Menschen?

Can „Khan“ Oral mit eigenen Worten: „Die Idee für den Audio-Porn-Megamix begann mit einer Frage: ‚Warum zielt Pornografie überwiegend aufs Auge und ganz selten aufs Gehör?’ Ich fing an, nach Beispielen zu suchen, und trieb nur so eine Flexidisc aus den Sechzigern auf, ’ne Art Telefonsexaufnahme untermalt von Ye-Ye-mäßiger Loungemusik. Ich stieß dann auf ‚Porno for the Blind’, da schildert jemand blinden Hörern ziemlich unerregt, was er beim Pornogucken sieht, also ohne Pornojargon oder viel Emotion dabei. Keine Ahnung, ob das bloß die falsche Besetzung war oder mit Absicht. Als Nächstes ging ich dazu über, Tonspuren von Pornovideos zu sammeln, die ich im Internet aufrief. Mir wurde klar, dass der schauspielerische Pornostreifen alter Schule fast ganz verdrängt worden war von massenhaft ins Netz gestellten Amateurvideos oder dem, was sich dafür ausgibt. Interessant fand ich, dass die Clips manchmal stumm veröffentlicht sind oder bei manchen der O-Ton durch Musik ersetzt war, meistens aus der Top-40-Hitparade, und andere Videos durchs Rauf- oder Runterladen, unvollständig aus dem Netz rausgesogen oder kaputt reingestellt, oder einfach durch defektes Aufnahmegerät beschädigt waren. Mehr und mehr verlegte ich mich auf Videos, in denen das erotische Selbstportrait ohne viel Stöhnen, Grunzen und Gerede auskam. Das Zimmer und die sexualisierte Atmosphäre wurden zur Hauptsache. Unter meinem Kopfhörer öffneten mir Verkehrsgeräusche, Stimmen von Nachbarn oder allein schon das Sirren der Kamera einen dreidimensionalen Raum aus Zeigen und Nicht-Zeigen, aus intim oder voll draufgehalten, aus Verdorbenheit und Unschuld, einen Raum im Raum im Raum, unendlichen Flaneurismus.“

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Can „Khan“ Oral
, geboren in Frankfurt/M als Sohn türkisch/finnischer Eltern, lebt und arbeitet seit 2002 als Musik- und Filmmusikproduzent, Performer, Schauspieler und bildender Künstler in Berlin. Von 1992-2002 in New York ansässig, besaß er den Plattenladen Temple Records in Soho, veranstaltete im Südteil Manhattans Kunstevents und Partys, betrieb drei Plattenlabels und produzierte und performte mit verschiedenen Künstlern, so mit Diamanda Galas, Julee Cruise (Twin Peaks/David Lynch), Kid Congo Powers (The Cramps/Nick Cave & The Bad Seeds) oder Brigitte Fontaine, mit der er gemeinsam 2010 in Paris den angesehenen Qwartz-Award in der Kategorie Bester Song gewann.
Can „Khan“ Oral ist einmal im Monat Gastgeber einer Party im Berliner Club Berghain und international mit verschiedenen Künstlern und Projekten auf Tournee. 2012 arbeitete Khan mit Stereo Total an der Oper „Wir sind ein Bild aus der Zukunft“ (Theater Hau 3), und außerdem an Ausstellungen in Berlin, Nizza und für die documenta XIII in Kassel.


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