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Berlin

Galerie Jette Rudolph

Exhibition Detail
Interview Magazin 2
Straußberger Platz 4
10243 Berlin
Germany


November 30th, 2012 - January 12th, 2013
Opening: 
November 29th, 2012 6:00 PM - 10:00 PM
 
,
© Courtesy of Galerie Jette Rudolph
> QUICK FACTS
WEBSITE:  
http://www.jette-rudolph.de
NEIGHBORHOOD:  
friedrichshain-kreuzberg
EMAIL:  
galerie@jette-rudolph.de
PHONE:  
+49 (0)30-61 30 38 87
OPEN HOURS:  
Tues- Sat 11.30 am- 6.00 pm
> DESCRIPTION

"Das Andere ist ein Relief, wie ich es bin, nicht absolut vertikale Existenz.", bemerkt der französische Philosoph Maurice Merleau-Ponty. [1]

Die Galerie Jette Rudolph freut sich sehr, ihre zweite Soloshow von Paule Hammer in Berlin präsentieren zu dürfen. Wie bereits in Teil 1 von Paule Hammers „Interview Magazin“ in der Leipziger Galerie Laden für Nichts setzt auch die Ausstellung in Berlin den Fokus auf die nun fortgesetzte Serie der Interviewbilder, für welche der Künstler Freunde sowie alte und neue Bekannte zur Porträt- und Gesprächssitzung ins eigene Atelier lädt.
Waren zuvor die eigenen Träume des Künstlers sowie weiter ausgreifende weltenzyklopädische Fragen an die Menschheit das Ausgangsmaterial der Motiv-Text-Bilder Hammers, in denen sich persönlich Erlebtes mit von Freunden Erzähltem und medialen Informationen vermischte, so öffnet sich der Künstler nun in der intimen Atmosphäre der Porträtsitzung im eigenen Atelier verstärkt den individuellen Träumen, Erfahrungen, Wünschen oder personenübergreifenden Welttheorien seiner Gegenüber, mit welchen ihn aber stets ein direktes soziales Umfeld als Basis des vertrauten Austausches verbindet.
Absichtsvoll liegen den Arbeiten des Künstlers dabei traditionelle kunsthistorische Genres zu Grunde, wie etwa die Landschaftsmalerei, das Stillleben und das Porträt. Diese entwickelt Hammer jedoch über ihre Grenzen hinaus in ein erweitertes Bezugfeld, sodass sie sich nicht mehr in der Darstellung wieder erkennbarer lokaler Gegebenheiten oder individueller menschlicher Merkmale erschöpfen, sondern die Grenzen ihrer eigenen Formen sprengen: „Die Formen zu überschreiten bedeutet […] nicht, sich von den Formen zu lösen, noch ihrem Ort gegenüber fremd zu bleiben. Das Formlose geltend zu machen bedeutet nicht, Nicht-Formen zu verlangen, sondern vielmehr, sich auf eine Arbeit der Formen einzulassen.“ [2] Sowohl die Entgrenzung der tradierten Repräsentationsvorgaben als auch die Festlegungen auf unterschiedlichste Kontexte verleiht den Arbeiten des Künstlers somit ihre spezifische Dynamik.

Auf der Projektionsebene des Bildes, explizit der Leinwand oder des Zeichenkartons, vollzieht Hammer verschiedene Strategien, um Bild und Information ergänzend zusammenzubringen oder auch als utopische Parallelwelten nebeneinanderzustellen. Stets zeichnet sich dabei das Hammer’sche System dadurch aus, durch ein Zusammenfügen dichotomischer Bereiche eine facettenreiche Innenschau des Menschens frei zu legen.
So wird in "Juliane 1" das von der hier porträtierten Künstlerin im Dialog mit Hammer geschilderte noch vergleichsweise unkonkrete Konzept der Entwicklung einer fiktiven männlichen Künstlerfigur namens "Alain d' Arc" wie eine Textfolie hinter die davor gelagerten Profilschatten der Interviewpartner geblendet.
In "MIG" dahingegen steht in Vogelperspektive die dominierende Vedute einer ehemaligen NVA-Siedlung im Vordergrund, als der Jugend-Ort der Protagonistin "Nicole", welche in dem fensterartig eingeblendeten Textlayout ihre tristen Erinnerungen an jenen Ort wiedergibt: "(...) Und es gab niemals Leute auf der Strasse, die einfach spazieren gegangen sind (...). Um sechs gab es ein Alarmsignal. Dann war Ruhe."

Paule Hammer macht sich – anders als in seinen (Sound-)Skulpturen – in der Malerei den besonderen Charakter des Mediums Bild zunutze, als eine Ebene des "Zwischen" zu fungieren und damit dem Betrachter eine Sichtbarkeit der Dinge, Personen und Informationen anzubieten, "(...) die uns in eine Beziehung mit anderen und mit der Welt bringen und uns eine Repräsentation des Selbst, auch des eigenen Körpers, erlauben." [3]
Mit und in seinen Bildern vermag der Künstler, sein gesammeltes Material zu abstrahierten Gestalten und (Text)Mustern zu transformieren, welche die Distanz zwischen dem Selbst und der Außenwelt manifestieren. Dabei stellt Hammer die (Selbst-)Wahrnehmung des sich erinnernden Subjekts (respektive seines Protagonisten) als auf bestimmten Strukturen basierende Selbstbilder vor, welche nicht auf Entitäten zurückgreifen als vielmehr auf dynamische Muster, in welchen das Verhältnis zwischen Mensch und Welt in steter Bewegung ist.

Die Idee der Emergenz des Sichtbaren vollzieht sich aber nicht nur innerhalb des Bildes sondern auch in der vom Bild in den Raum übergreifenden Gestaltung des Ausstellungsparcours' in der Galerie. Es ist die besondere Charakteristik der Arbeiten des Künstlers, den Bildgrund mit fast plakativ anmutenden Farbmischungen abzudecken, worauf sich wie beispielsweise in der Arbeit "Nicole" in hartem Kontrast und mit feinem Pinselstrichen die Lineaturen des sich weit über das Bildfeld vernetzenden Beziehungsgeflechts der Protagonistin verspannen. Auch kräftige Konturierungen einzelner Motiv- oder Textteile kommen zum Einsatz, um der Tendenz einer gegenseitigen Überblendung der einzelnen Inhalte im Bild wiederum entgegenzuwirken.
Zuletzt provoziert der Künstler die Überschreitungen des maßstäblich beschränkten Projektionsschirms der Leinwand oder des Papiers in Form von direkt auf die Wand gemalten und einzelne Bilder sinngemäß miteinander verbindenden „Beziehungsarmen". Dabei will Paule Hammer nicht etwa einen theoretischen Überbau in der Ausstellung manifestieren als vielmehr einen argumentativen Zusammenhang im Sinne einer perzeptiven Offenheit der Bildwahrnehmung herstellen zwischen Sein, Erscheinung und Bedeutung.

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[1] Maurice Merleau-Ponty: "Das Sichtbare und das Unsichtbare", München 1986, S. 338.
[2] Georges Didi-Huberman: „Formlose Ähnlichkeit oder die Fröhliche Wissenschaft des Visuellen nach Georges Bataille“, München 2010, S. 34.
[3] Vgl. Reinhold Görling: „Die Schreckensseite der Sichtbarkeit: Traumabilder“, in: Antje Kapust u. Bernhard Waldenfels (Hg.): „Kunst.Bild.Wahrnehmung.Blick. Merleau-Ponty zum Hundertsten“, München 2010, S. 118.

 

The gallery will be closed from December 22 till January 3, 2013.


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