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Berlin

SEPTEMBER

Exhibition Detail
TENDER BUTTONS
Blumenthalstrasse 8
10783 Berlin
Germany


November 10th, 2012 - December 1st, 2012
Opening: 
November 9th, 2012 7:00 PM - 9:00 PM
 
,
© Courtesy of SEPTEMBER
> ARTISTS
> QUICK FACTS
WEBSITE:  
http://www.september-berlin.com
NEIGHBORHOOD:  
friedrichshain-kreuzberg
EMAIL:  
office@september-berlin.com
PHONE:  
+49 (0)30.25.93.06.84
OPEN HOURS:  
We - Sa 12 - 6 pm and by appointment
TAGS:  
collage, installation, video-art
> DESCRIPTION

Wir freuen uns sehr, die von Ursula Döbereiner, Henry Kleine und Oliver Koerner von Gustorf konzipierte Gruppenausstellung Tender Buttons bei SEPTEMBER ankündigen zu können. Mitwirkende sind: Bettina Allamoda, Marc Brandenburg, Ursula Döbereiner, Henry Kleine, Kotti-Shop, Karin Michalski, Thomas Rehnert, Taocheng Wang.
Der Ausstellungstitel verweist auf das gleichnamige, erstmals 1914 erschienene Buch von Gertrude Stein.
Bereits der Titel ist enigmatisch, denn in der deutschen Übersetzung kann „Tender Buttons“ „Zarte Knöpfe“ oder aber auch „Zart knöpft zu“ bedeuten. In ihrem Buch widmet sich Stein drei Bereichen des täglichen Lebens: "Objects" (Gegenstände), " Food" (Essen) und " Rooms" (Räume), wobei sie Sprache experimentell, als Material, ähnlich wie Form und Farbe in der abstrakten Malerei, einsetzt.
Zugleich assoziiert sich der Ausstellungstitel mit all den feinen Rezeptoren, über die wir mit Anderen kommunizieren oder über die Künstler mit ihrem Material kommunizieren. „Tender Buttons“ ist eine Ausstellung über die Möglichkeit und Unmöglichkeit von Nähe – zu Freunden, Fremden, anderen Kulturen, der Gesellschaft, in der man lebt und arbeitet. Zugleich thematisiert sie das Verhältnis von Betrachter und Werk, Öffentlichkeit und Kunstwelt. Auf formale, sinnliche, diskursive Weise – wie nähern sich Kunst und Künstler dem Betrachter, wie schaffen sie Distanz? Wo beziehen sie Menschen ein und wo schließen sie aus? Mit ihren Collagen und Pop-Ups wie "Brick Security" führt Bettina Allamoda die Arbeit an ihrem Projekt NO GO – THE EXORCIST REVISITED weiter. Die Vorstellung eines „Fabric of Society“, mit dem Netzwerke, Verbindungen, Beziehungen in Familie, Freundschaft und Gesellschaft verwoben sind, überträgt Allamoda auf die Materialität ihrer Werke. Dem Traumata des Irak-Krieges, der Furcht vor dem Ausbruch von Gewalt und Psychosen in familiären und gesellschaftlichen Sphären stehen bestimmte Kontroll- und Sicherheitsvorkehrungen gegenüber, die gleichermaßen in Mädchenzimmern, Stadien, Straßen oder auf Schlachtfeldern eingesetzt werden: Polsterung, Schutz, Tarnung und Isolierung.
Marc Brandenburgs Videofilm "Freunde": 19 Sekunden über eine wunderschöne, ehrliche und aufrichtige Freundschaft...nicht!
Die Motive, die Ursula Döbereiner für ihren hauchzarten Vorhang gemixt und mit der Nähmaschine als Zeichnung gestickt hat, stammen aus ihrem „View-Fanzine“, das den Blick auf die Burka und den Blick aus der Burka thematisiert. Damit hängen Fragen zusammen: nach Identität, öffentlichem und privatem Raum, nach Emanzipation, nach Realität und Projektion. Döbereiner nutzt das visuelle Material, das sie unter den verschiedenen Schlagworten im Umfeld zu „Burka“ im Internet gefunden hat und unterwirft es zwei gegensätzlichen Prinzipien: dem Verhüllen/ Anonymisieren und dem Zwang zur Entblößung, der im Kapitalismus allgegenwärtig ist. Sie spielt also beide ideologisch aufgeladenen Sichtweisen gegeneinander aus, überlagert sie und lässt sie auch die Rollen tauschen. Das Entblößte verhüllt sich, das Verhüllte entblößt sich. Die Motive, die sie für ihren Schleiervorhang auswählt, sind ganz unterschiedlicher Herkunft. Das reicht
von Internetforen, auf denen Burka-Trägerinnen das Interieur ihrer Wohnungen vorstellen bis hin zu Anzeigen für Projektoren aus den frühen 1970er Jahren.
Henry Kleine zeigt eine neue Serie von Gemälden, die Gefühlen von Frustration, Konsum, unerfüllten Sehnsüchten und abgründigen Verheißungen gewidmet sind.
Kotti-Shop ist ein vielseitig ausgerichteter Projektraum in Berlin Kreuzberg, der seit Dezember 2008 ein breit gefächertes Kunstprogramm für Freunde, Nachbarn und Künstler anbietet. Kotti-Shop beherbergt und organisiert Workshops, partizipative Projekte, Ausstellungen und betreibt den Print-Workshop Copyroboter.
Er arbeitet ebenso mit Kindern und Erwachsenen oder Schulen aus dem Kiez wie auch mit Künstlern aus aller Welt zusammen. Für „Tender Buttons“ realisieren die Betreiber Anette Knol und Stefan Endewardt eine spezielle Kotti-Shop Installation.
Karin Michalskis Videoarbeit „The Alphabet of Feeling Bad“ zeigt ein experimentelles Interview mit der Theoretikerin und Aktivistin Ann Cvetkovich. Die auf Gesprächen mit Michalski beruhende Performance von Cvetkovich erläutert von A bis Z Begriffe wie Depression, aber auch alltägliche negative Gefühle wie die Vorstellung, in einer Sackgasse zu stecken, sich gelähmt zu fühlen, nicht arbeiten zu können, von Anforderungen überwältigt zu sein, nicht zu genügen und nicht weiter zu kommen, und versieht sie mit neuen Bedeutungen. In der Tradition von Initiativen wie dem SPK (Sozialistisches Patienten-Kollektiv) der 1970er-Jahre werden negative Gefühle nicht als individuelles Versagen, als Fehler oder Krankheit verstanden. Es wird vielmehr die Frage aufgeworfen, wie diese als „public feelings“ kollektiv gefühlt und im Kontext neoliberaler Arbeitsverhältnisse, aber auch von Homophobie und Rassismus politisiert werden können.
Thomas Rehnert präsentiert bei „Tender Buttons“ eine interaktive Maschine. Die verschiedenen Teile der Installation (Audiosynthesizer, Videosynthesizer, Lichtsensoren, Videokamera, Monochord) sind komplex verschaltet und reagieren aufeinander. Somit entsteht eine sich ständig selbst beobachtende Anlage, die durch Rückkopplungsverschaltungen ein chaotisches und immer neues audiovisuelles Resultat erzeugt. Die als autopoetisches System gedachte Installation, in der sich Klang- und Bildsignale gegenseitig beeinflussen, ist jedoch nicht in sich geschlossen. Es nimmt nicht nur seinen eigenen Klang immer wieder auf, sondern reagiert auch auf den Klang im Raum und regt diesen auf verschiedene Weise an. Gleichzeitig reagiert die Installation auf die Bewegungen des Betrachter/ Hörers. Der Betrachter befindet sich also gewissermaßen inmitten eines musikalischen Instruments, dessen Verhalten er mitsteuert.
In seinem Video “Practice of Dance” von Tacheng Wang und Patrick Banfield trägt der chinesische Künstler ein traditionelles chinesisches Gewand und tanzt in den Morgenstunden zwischen 4.30 bis 9.30 Uhr vom Frankfurter Rotlichtviertel am Bahnhof durch das Bankenviertel zum Goetheplatz. Taocheng begegnet bei seinem Tanz Müllarbeitern, Betrunkenen, Passanten, die auf dem Weg zur Arbeit sind. Während Kostüm und Tanz irgendwie „japanisch“ oder „chinesisch“ erscheinen, sind beide frei improvisiert – ohne jede historische Recherche. Zugleich verwischt seine Performance die Grenzen zwischen männlichen und weiblichen Rollenbildern. Sie wirkt beiläufig, spielerisch, melancholisch. Am Ende wirft der Künstler seinen selbstgebastelten silbernen Fächer der Statue von Goethe zu Füßen: war dieses Drama geplant oder entstand es rein zufällig?


We are very pleased to announce the group exhibition Tender Buttons, which was conceived for SEPTEMBER by Ursula Döbereiner, Henry Kleine, and Oliver Koerner von Gustorf. The participating artists are Bettina Allamoda, Marc Brandenburg, Ursula Döbereiner, Henry Kleine, Kottishop, Karin Michalski, Thomas Rehnert, and Taocheng Wang.
The title of the exhibition refers to a book of the same name by Gertrude Stein, which was first published in 1914. The title is enigmatic, with various connotations. In her book, Stein devotes herself to three areas of daily life: “Objects,” “Food,” and “Rooms.” She uses language
experimentally in the work, as material, similar to shape and color in abstract painting.
At the same time, the exhibition title refers to all of the delicate receptors via which we communicate with others, or via which artists communicate with their material. “Tender Buttons” is an exhibition about the possibility and impossibility of intimacy – with friends, strangers, other cultures, and the society in which we live and work. Additionally, it deals with the relationship between viewer and work, between the public and the art world. In a formal, sensory, discursive way, how do art and the artist become intimate with the viewer? How do they create distance? Where do they include people, and exclude them?
With her collages and pop-up collages, Bettina Allamoda takes the work on her project NO GO – THE EXORCIST REVISTED further. Allamoda transfers the notion of a “fabric of society”, with which networks, connections, family relationships, friendships, and society are intertwined, to the materiality of her works. The trauma of the war in Iraq and fear of outbreaks of violence and psychoses in familial and societal spheres are set against control and security mechanisms that are used in girl’s rooms and stadiums, on streets and battlefields: upholstery, protection, camouflage, and isolation.
Marc Brandenburg’s video film “Friends”: 19 seconds about a beautiful, honest, sincere friendship…but no!
The motifs that Ursula Döbereiner mixed and sewed on a sewing machine for her fragile curtain stem from her “View-Fanzine”, which addresses our view of a burqa and the view of the burqa wearer, with all the implications: questions of identity, the public and private sphere, emancipation, reality, and projection. Döbereiner uses visual material she found on the Internet under various headings relating to burqa and subjects it to two contrary principles: veiling/anonymizing and capitalism’s compulsion to expose. She plays the two ideologically charged views off against each other and lets them switch roles. The exposed veils itself, the veiled exposes itself. The motifs she chooses for her veil curtain have very different origins, ranging from Internet forums in which burqa wearers present the interior of their apartments, to ads for projectors from the early 1970s.
Henry Kleine is showing a new series of paintings devoted to feelings of frustration, consumption, unfulfilled longings, and cryptic promises.
Kotti-Shop is a multifaceted project space in Berlin Kreuzberg which since December 2008 has offered a wide-ranging art program for friends, neighbors, and artists. Kotti-Shop houses and organizes workshops, participative projects, exhibitions, and other projects, and operates the Print Workshop Copy Robot. Kotti-Shop works with children and adults or schools from the neighborhood and artists from all over the world. For “Tender Buttons,” the operators Anette Knol and Stefan Endewardt are realizing a special Kottishop installation.
Karin Michalski’s video work “The Alphabet of Feeling Bad” shows an experimental interview with the theoretician and activist Ann Cvetkovich. Cvetokovich’s moving performance, which is based on conversations with the filmmaker, explains from A to Z terms such as depression, everyday negative feelings like the idea of being in an impasse, feeling paralyzed, not being able to work, being overwhelmed by demands, not being good enough, not making any headway, and gives them new meanings. In the tradition of initiatives such as the SPC (Socialist Patient Collective) from the 1970s, negative feelings are not viewed as individual failure, mistakes, or illness. Rather, the question is raised of how they feel collectively as “public feelings” and how they can be politicized in the context of neo-liberal working conditions as well as homophobia and racism.
Thomas Rehnert presents an interactive machine for “Tender Buttons.” The different parts of the installation (audio synthesizer, video synthesizer, light sensors, video camera, monochord) are connected in a complex way and react to one another, giving rise to a system that continually observes itself, which through feedback connections produces a chaotic and every-new audiovisual result. The installation, conceived as an autopoietic system in which auditory and visual signals influence one another, is not a closed system, though. It not only continually records its own sound, but reacts to the sound in the room and stimulates it in different ways. At the same time, the installation reacts to the movements of the viewer/listener. The viewer finds himself in the middle of a musical instrument, as it were, whose behavior he helps shape.
In Taocheng Wang’s and Patrick Banfield’s video “Practice of Dance”, the Chinese artist wears a traditional Chinese robe and dances in the morning hours from 4.30 to 8.30 a.m. from Frankfurt’s red-light district around the railway station through the bank district to Goetheplatz. During his dance, Taocheng encounters garbage men, drunks, and passers-by on their way to work. While costume and dance seem “Japanese” or “Chinese” somehow, they are both freely improvised – with no historical research having been done. At the same time, his performance blurs the boundaries between male and female roles. It seems arbitrary, playful, melancholy. At the end, the artist casts his self-made silver fan at the feet of the statue of Goethe: Was this drama planned or pure happenstance?


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