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Berlin

Capitain Petzel

Exhibition Detail
Rotation und Abrieb
Karl-Marx-Allee 45
10178 Berlin
Germany


September 11th, 2012 - October 20th, 2012
Opening: 
September 14th, 2012 6:00 PM - 8:30 PM
 
Der gute Fremde, Uwe HennekenUwe Henneken, Der gute Fremde,
2012 , Oil on canvas, 93 x 72 cm
© Courtesy of the artist & Capitain Petzel
> QUICK FACTS
WEBSITE:  
http://www.capitainpetzel.de
NEIGHBORHOOD:  
mitte
EMAIL:  
info@capitainpetzel.de
PHONE:  
+49 (0)30 2408 8130
OPEN HOURS:  
Tuesday - Saturday, 10 to 6pm
> DESCRIPTION

Through the sieve of cultural anthropology, Christianity, mythology, primitivism, and art history, the Berlin based artist Uwe Henneken has from the outset of his career exploited contradictions to generate new truths in painting. An initiate of arcane esoteric knowledge, for the exhibition Rotation und Abrieb, Henneken takes his cue from Sir James George Frazer’s, The Golden Bough: A Study in Magic and Religion.
 
The 19th century classic is a comparative study on myth, religion, superstition, and ritual sacrifice from the primitives to Christian theology. Amidst its many fables and lore both high and low cultures shared a dependency on the cycle of seasons and corn was the main sustenance for life. Corn was deemed to have a spirit represented in the last sheaf that was distinguished as the “Corn King” or “Corn Mother”; it’s cutting was done through ritual sacrifice. The whole ceremony concludes with this specially selected “old” seed mixed into the new grains in order to enable the next crop to grow and thrive.

In this Henneken sees a parallel to contemporary painting, where sampling and image recycling are contextually de rigueur. In his studio practice canonized (or less so) referenced images are ritualistically sacrificed then cannibalized; in the resultant paintings their constituent parts are made whole again resurrected as Henneken’s. The ancient rite of painting, like the cycle of birth,  death, and rebirth lays claim to art historical continuity thus pushing it forward into the present.

For this 2012 series the artist appropriates key elements from symbolism as reproduced in various media formats. He extracts the allegories of individualists such as Odilon Redon, Maurice Denis, Paul Sérusier, and Puvis de Chavannes; artists who in their day were iconoclasts difficult to categorize. Thematically modified and reworked with fauvist color schemes they are distinctive in their synthesis of subject matter and style. Leaving gaps of white space in the structure of the paintings shatters the perceptual illusionism found in the original sources. The hubris of media images that are reproduced ad infinitum in the culture at-large takes a backseat to a higher calling; the artist concisely constructs an alter-reality by filtering pictorial anomalies found in the reproduction “flaws” (faded colors, scratches, et al.) into unapologetically symbolist contemporary paintings.
 
In his identity as a conceptual painter with a Romantic’s antipathy to classicism Uwe Henneken bends different genres at the sacrificial altar of today‘s archival picture databank. Metaphorically speaking it‘s the painter‘s equivalent of image sacrifice in order to separate the “wheat from the chaff”. In contrast to common painterly practices, studies tend to be more precise while the finished paintings tend to be studies and are created simultaneously or even after the seemingly sketchy primary paintings.
These precise studies underline their dissolving and vanishing.
 
The series Abschied von Nemi consisting of two large-scale triptychs, alongside some smaller paintings in the main gallery space, highlights Henneken’s concept of Rotation und Abrieb. All are repetitions and alterations; each recycled version depicts the prequel to the corn king fable: a nude standing figure handling a double scythe in front of a person laying on the ground. They symbolize the rite of the new king killing the old in order to let his soul survive as it moves and reincarnates into the new youthful body. The cycle then comes full circle. In prescribing his own cyclic way of thinking the artist clearly distances himself from Frazer‘s radical enlightenment period conclusion that there exists a final evolutionary development from magic, to religion, to science.

Text: Max Henry


Durch Filterung von Kulturanthropologie, Christentum, Mythologie, Primitivismus und Kunstgeschichte hat der Berliner Künstler Uwe Henneken seit Beginn seines Schaffens  Widersprüchlichkeiten ausgeschöpft, um zu neuen Erkenntnissen in der Malerei zu gelangen. Als ein Kundiger verdrängten, tabuisierten Wissens lässt sich Henneken für die Ausstellung Rotation und Abrieb von Sir James George Frazers Buch Der Goldene Zweig, eine Studie über Magie und Religion, inspirieren.

Bei diesem Klassiker des 19. Jahrhunderts handelt es sich um eine vergleichende Studie über Mythos, Religion, Aberglaube und rituelle Opfer von den „Primitiven“ bis hin zur christlichen Theologie. Inmitten der vielen Mythen und Überlieferungen war sowohl hohen als auch niedrigen Kulturen eine Abhängigkeit vom Zyklus der Jahreszeiten gemeinsam, das Getreide bildete die hauptsächliche Nahrungsgrundlage für das Leben. Man glaubte, dass dem Getreide eine göttliche Seele innewohne, die sich in der letzten Garbe symbolisierte, welche als der „Kornkönig” oder die „Kornmutter” angesehen wurde. Deren Abschneiden wurde durch ein rituelles Opfer vollzogen. Die ganze Zeremonie gipfelte in der Vermischung der auf diese Weise besonders ausgewählten „alten” Körner mit der neuen Saat des kommenden Jahres, um Wachstum und Gedeihen der nächsten Ernte
zu ermöglichen.

Hierin erkennt Henneken eine Parallele zur zeitgenössischen Malerei, wo „Sampling“ und „Remixing“ von Bildquellen kontextuell unerlässlich sind. In seiner Atelierpraxis werden (mehr oder weniger) kanonisierte Bezugs-Bilder rituell geopfert und dann „kannibalisiert“; in den daraus entstehenden Bildern werden deren einzelne Teile wieder zusammengefügt und erleben als Hennekens eigene Werke ihre Auferstehung. Der uralte Ritus des Malens erhebt, ebenso wie der Zyklus von Geburt, Tod und Wiedergeburt, Anspruch auf kunstgeschichtliche Fortdauer, während er in die Gegenwart hinein weitergetrieben wird.
 
Für diese Serie aus dem Jahr 2012 eignet sich der Künstler Schlüsselelemente des Symbolismus an, wie sie in unterschiedlichen Medienformaten reproduziert wurden. Er extrahiert dabei  Allegorien von Individualisten wie Odilon Redon, Maurice Denis, Paul Sérusier sowie Puvis de Chavannes — Künstler, die zu ihrer Zeit schwer zu kategorisierende Ikonoklasten waren. Thematisch modifiziert und mit fauvistischen Farbschemen überarbeitet, sind sie in ihrer Synthese aus Thematik und Stil unverwechselbar. Die Lücken aus weißem Raum innerhalb der Struktur der Gemälde erschüttern den Wahrnehmungsillusionismus, der Ihnen zu Grunde liegenden Quellen. Die Hybris von Medienbildern, die in der Kultur im Allgemeinen ad infinitum reproduziert werden, tritt angesichts einer höheren Berufung in den Hintergrund. Der Künstler konstruiert auf prägnante Weise eine Ander-Realität, indem er Bild-Anomalien, die in den „Schwachstellen” (verblasste Farben, Kratzer u.a.) der Reproduktion aufgefunden werden, 
in kompromisslos symbolistische zeitgenössische Gemälde einfließen lässt.

In seiner Identität als konzeptioneller Maler durchbricht Uwe Henneken mit der Antipathie eines Romantikers, gegen den Klassizismus, die verschiedenen Genres auf dem Opferaltar der heutigen Archivbilddatenbank. Metaphorisch gesprochen trennt der Maler durch das Bildopfer „die Spreu vom Weizen”. Entgegen der gängigen malerischen Praxis werden präzise anmutende Studien und Ausschnitte gleichzeitig oder gar nach den eigentlichen, oft skizzenhaft wirkenden Hauptwerken, die sich aufzulösen und zu verschwinden scheinen, geschaffen.

Die Serie Abschied von Nemi , bestehend aus mehreren kleineren Werken und zwei großformatigen Triptychen im Hauptraum der Galerie, verdeutlicht Hennekens Konzept von Rotation und Abrieb. Sie alle sind Abänderungen und Wiederholungen; jede dieser wiederverwerteten Versionen veranschaulicht den Vorläufer des Kornkönig-Brauches: ein stehender Akt mit einer Doppelsense und davor eine auf dem Boden liegende Person. Sie symbolisieren den Ritus vom neuen König in spe, der den alten König tötet, damit dessen Seele überlebt, indem sie  in den neuen noch kräftigen Körper schlüpft und sich auf diese Weise reinkarniert. Der Zyklus wird so zu einem vollen Kreis. Entsprechend seiner eigenen zyklischen Denkweise geht Henneken dabei in klare Distanz zu Frazers fortschrittsgläubiger Schlußfolgerung, es gäbe eine finale evolutionistische Entwicklung von Magie über Religion zur Wissenschaft.

Text: Max Henry


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