Alltag im Büro. Schreibtische, Regale, Maschinen, Aktenordner, Container und Waren. Ein Rücken, der hinter einem Vorhang aus Bürostuhl und Sakko hervorlugt, ein Beinpaar, das durchs Bild huscht. Ein Mann im Anzug nimmt eine kontemplative Wartehaltung ein. Jemand kratzt sich am Kopf und blickt auf sein Mobiltelefon. Meetings, Telefonate, Konzentration und Abwesenheit. Florian van Roekels Sujet ist die allgegenwärtige Arbeitswelt. Er zeigt menschliche Körper, Blicke und Gesten, die sich aus der Spannung zwischen sozialem und funktionalem Raum ergeben. Seine Bilder werfen einen genauen Blick auf das menschliche Miteinander und damit auf die Verhaltensweisen in einem gesellschaftlichen Mikrokosmos.
In 15-monatiger Arbeit hat sich Florian van Roekel in die Bürowirklichkeit niederländischer Konzerne und damit in die Position des Ethnologen begeben. Seine stille Präsenz wurde erstaunlich schnell zur Normalität; die porträtierten Personen lassen sich auf die Fotografien ein und vergessen die Anwesenheit des Fotografen.
In der Aneinanderreihung der Bilder als Serie schafft Florian van Roekel bewusst eine filmische Narration, die dem Betrachter eine vorgegebene, eine "richtige" Folge und Rhythmik der Bilder vorgibt. Zudem konzentriert er sich in der Bildsprache auf eine besondere Form des Lichtes. Die dadurch erreichte Dramatisierung führt zu einer Überhöhung der realen Situation. Diese Fiktionalisierung des Geschehens wirkt jedoch faszinierenderweise umso realer – hier wird deutlich, wie sehr der Betrachter in seiner Wahrnehmung durch die Ästhetik der bildgestützten Medien beeinflusst und so sein Realitätssinn manipuliert wird. Realität und Virtualität verschwimmen zunehmend.