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Berlin

Substitut

Exhibition Detail
52.5293°N, 13.3964°E"
Torstrasse 159
10115 Berlin
Germany


September 10th, 2011 - October 22nd, 2011
Opening: 
September 9th, 2011 7:00 PM - 10:00 PM
 
,
© Courtesy of Substitut
> ARTISTS
> QUICK FACTS
WEBSITE:  
http://www.substitut-berlin.ch
NEIGHBORHOOD:  
mitte
EMAIL:  
info@substitut-berlin.ch
OPEN HOURS:  
Wed - Thu 4-7pm, Fri 4-9pm, Sat 2-6pm
> DESCRIPTION

Der Titel der Ausstellung sind die Koordinaten des Substituts. Vereint werden künstlerische Positionen, die sich im weiteren Sinne mit Vermessen auseinandersetzen. Sei dies geographisch, grafisch-geometrisch oder biometrisch.
Christian Waldvogel (lebt und arbeitet in Zürich) liess sich mit einem Militärflieger mit 1158 km/h westwärts über die Schweiz fliegen. Die Ge-schwindigkeit entspricht dort der Erdumdrehung. Der Flieger steht also relativ zur Sonne still. Visualisiert wird der Stillstand in der Werkgruppe «The Earth Turns Without Me» durch ein vier Minuten belichtetes Foto der Sonne, welche als Punkt erscheint. Das Video auf dem kleinen Bildschirm zeigt den Künstler im hinteren Cockpit eines F–5F Tiger der Schweizer Luftwaffe bei der Vorbereitung zur Lochkamera-Aufnahme.
Jennifer Bennett (lebt und arbeitet in Hamburg) schwärzte alle bebauten Flächen auf Stadtplänen ein und entwickelte so neue Stadtlandschaften. Die Karten ermöglichen keine Orientierung mehr; höchstens noch jemandem, der die Städte gut kennt. In Zeiten der Smartphones zeugen die Faltkarten bereits von der analogen Vergangenheit. «Mapping» offenbart aber auch, dass wir durch das digitale Navigieren mit dem Zeigefinger auf Kleinstbildschirmen den Gesamtzusammenhang einer Stadt verlieren; im Vergleich zu gedruckten Stadtplänen eine ganz andere Art der Aneignung des Raumes.
Die Skulptur zeigt ein Panorama bei Europas grösstem Wasserfall, dem Mattenbachfall bei Lauterbrunnen. Sie reduziert ein maximales Natur-Erlebnis auf eine minimale Formsprache.
Mit Landkarten aus alten Atlanten arbeitet Pascal Schwaighofer (lebt und arbeitet in Rotterdam). Diese hat er mit der japanischen Suminagashi-Technik bedruckt. (Tinte wird auf eine Wasseroberfläche getröpfelt, danach das Papier auf die Oberfläche gelegt.) Die entstandenen Formen erinnern wiederum an Darstellungen von Sedimentschichten in geologischen Atlanten. Sie könnten das Darunterliegende, die Erdkruste symbolisieren. Die zufälligen Druckmuster stehen im Kontrast zur Exaktheit der Karten. Sie erinnern auch an Darstellungen der Erde aus dem Mittelalter, die eher von künstlerischer Fantasie denn wissenschaftlicher Analytik geprägt waren.
Die Künstlergruppe FallerMiethStuessiWeck (FMSW) ist zum geografi-schen Nullpunkt gereist, der sich rund 600 km südlich der Küste Ghanas befindet, wo sich Nullmeridian und Äquator kreuzen. FMSW schreiben, der Nullpunkt sei «Ursprung und Zentrum jeglicher geografischer Orientierung
informationen mit Jennifer Bennett, FallerMiethStuessiWeck, Alicia Frankovich, Felix Kindermann, Pascal Schwaighofer, Miriam Steinhauser und Christian Waldvogel – nie begehrt, nie umkämpft und nie markiert, aber von allen genutzt.»
Die Werkgruppe «Gegen Null» visualisiert das Nicht-Sichtbare und ist gleichzeitig eine Art Reisebericht.
Alicia Frankovich (Neuseeland) ist derzeit in Berlin Stipendiatin des Künstlerhauses
Bethanien. «Legitimate Theatre» bewegt ein Bild nach einem
programmierten Rhythmus. Spastisch hüpft dieses am Fenster herum und
provoziert unweigerlich ein Schmunzeln. Frankovich setzt sich in ihren
Arbeiten mit dem Körper, dessen Bewegungen und Grenzen auseinander.
«Legitimate Theatre» könnte eine Körper-Maschine, wenn nicht gar
eine Prothese sein. Sie stellt u.a. das Unperfekte-Amateurhafte und das
Scheitern dar, dies aber in einem chaplinesk-poetischen Sinne.
(Das Foto zeigt einen Schlittschuhläufer (Youtube), es repräsentiert den
performenden Körper.)
Felix Kindermann (lebt und arbeitet in Brüssel) gab sich mit einer 30
Meter über einem Platz in Oslo installierten Kamera einen Rahmen vor, in
dem er sich dann bewegte. Kindermann: «Eine Kameraperspektive faltet
einen bestimmten Auschnitt des dreidimensionalen Raumes in den flachen
zweideimensionalen Bildraum. Die Videoperformance «Picture Walk»
thematisiert diese Transformation sowie den Einfluss des visuellen Zwangs
des Kamera-Ausschnitts auf die Art des Handelns.»
Miriam Steinhauser (lebt und arbeitet in Berlin und Zürich) zeigt zeichnerisch
erweiterte Fotografien von Objekten des deutschen Nachkriegsdesigns.
Dies war die Epoche des Wirtschaftswunders und bis Ende 60er
des ungebändigten Fortschrittsglaubens. Die Bevölkerung wurde damals
umfassend mobilisiert und mit allen technischen Errungenschaften ausgestattet.
Viel Wohnraum wurde geschaffen (auf dem Bild das Märkische
Viertel) und die Haushalte mussten ausgerüstet werden. Steinhausers
aktuelle Arbeiten zeigen, wie präsent die Kriegs- und vor allem auch die
Nachkriegszeit in Berlin immer noch sind.
Urs Küenzi


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