STREET now open! Chicago | Los Angeles | Miami | New York | San Francisco | Santa Fe
Amsterdam | Berlin | Brussels | London | Paris | São Paulo | Toronto | China | India | Worldwide
 
Berlin

Aanant & Zoo

Exhibition Detail
Triple Negation – Double Props, I - WE NOW INTERRUPT FOR A COMMERCIAL
Bülowstrasse 90
10783 Berlin
Germany


February 26th, 2011 - April 22nd, 2011
 
, Michael DreyerMichael Dreyer
© Courtesy of the artist & Aanant & Zoo
> QUICK FACTS
WEBSITE:  
http://www.aanantzoo.com
NEIGHBORHOOD:  
tempelhof-schöneberg
EMAIL:  
contact@aanantzoo.com
PHONE:  
+49 (0)30 81801873
OPEN HOURS:  
WED-SAT 11-6
> DESCRIPTION

In seiner Ausstellung zeigt der in Stuttgart lebende Künstler Michael Dreyer nicht nur neue großformatige Bilder aus konzentrischen, mit lasierender Farbe aufgetragenen Kreisen.
Der Titel verweist auch schon auf eine Reihe gestaffelter und ihrerseits zirkulär angelegter Rahmungsgesten. Angesprochen mit „Triple Negation, Double Props“ sind die widerstrebigen Grundmechanismen jener Beziehungen, die im so genannten „Kunstbetrieb“, aber auch darüber hinaus die Machtverhältnisse des Repräsentierens, des Anerkennens (props) und Verwerfens (negation) regeln. Und das sind die Mechanismen der (Re-)Produktion und der Unterbrechung, der Zurichtung des Kreativen durch die regulierenden Eingriffe der kuratorischen Vernunft, die der kuratierenden Person zugeschrieben werden, tatsächlich aber die künstlerischen Arbeitsweisen zu durchdringen begonnen hat und zumindest teilweise von zahlreichen Künstler/innen für sich beansprucht werden. 
Sie gestalten die für gewöhnlich implizit gelassenen Unterhandlungen zwischen dem zur Evolution anstehenden Modell des westlichen Einzelkünstlersubjekts und dem ebenfalls hochinflationär geführten Modell des so genannten „freien Kurators“. Eingebunden in Dreyers künstlerische Planung ist in diesem Sinne als „Gast“ der Berliner Kurator Clemens Krümmel, der den Künstler an die Galerie vermittelt hat und nun vom Künstler in ihr vermittelt wird. Wie diese als Dialog, eigentlich als rührende Farce der ausgestellten gegenseitigen „Wertschätzung“ inszenierte Beziehung lassen sich alle Teile der Ausstellung als komplexes Spiel zwischen dem frei zirkulierenden Prinzip des Produzierens, Reproduzierens, Wiederholens und Nachahmens und dem der ordnenden Zäsur und des Rufs zur Tagesordnung der (ökonomischen) Wirklichkeit einer Galerieausstellung verstehen.
Der zweite Titel, „We now interrupt for a commercial“, bezieht sich auf ein gleichnamiges Stück, das der Free Jazz-Saxophonist Ornette Coleman 1968 für sein Album „New York Now!“ aufgenommen hat – und bei dem das zu diesem Zeitpunkt längst zum Versuchsfeld für die Marketingabteilungen der Musikbranche gewordene „Idiom“ des „freien“ Jazz in einer hinreißenden selbstreflexiven Geste bei seiner Aufführung durch ein Innehalten in der musikalischen Kontingenzarbeit durch die (leere) Ansage, nun käme gleich eine Werbebotschaft, buchstäblich unterbrochen wurde.
Die beiden Räume der Ausstellung setzen unterschiedliche Schwerpunkte bei der Darstellung der Würdigungsmaschine zwischen Künstler, Kurator und Galerist. Im ersten Raum steht der unangenehm autoritären Raumbeherrschungsgeste einer die Betrachter/innen an den Rand drängenden Bodenarbeit der psychologistische Gestus des „intimen“ Kuratorenporträts gegenüber. Auf zwei Photographien und einer „Schriftprobe“ wird der Kurator im Modus jenes historisch so belasteten „Charakterbildes“ vorgeführt, eine Affirmation, die nach den oben genannten Prinzipien nicht ohne Unterbrechung – hier einer Unterbrechung im photochemischen Entwicklungsprozess, die zu einem Solarisationseffekt führt – bleiben kann.
Den engsten Bezug zu Colemans „Commercial“ bildet die in der Ausstellung in einer Gemeinschaftsarbeit mit dem Kurator durch Dreyers Vermittlung und die Hilfe eines ihm bekannten Sammlers zum Verkauf angebotene Kleinbronze von Alfred Lörcher, den Dreyer für sich entdeckt und in vielen eigenen Arbeiten erforscht hat.


Copyright © 2006-2013 by ArtSlant, Inc. All images and content remain the © of their rightful owners.