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Berlin

Galerie Mario Mazzoli

Exhibition Detail
"Decay"
Potsdamer Strasse 132
10783 Berlin
Germany


January 20th, 2011 - March 12th, 2011
Opening: 
January 20th, 2011 7:00 PM - 9:00 PM
 
,
© Courtesy of Galerie Mario Mazzoli
> QUICK FACTS
WEBSITE:  
http://www.galeriemazzoli.com
NEIGHBORHOOD:  
mitte
EMAIL:  
Info@galeriemazzoli.com
PHONE:  
+49-(0)30 75459560
OPEN HOURS:  
Tue-Sat 12:00-6:00
TAGS:  
installation, sculpture
> DESCRIPTION

Die Ausstellung „Decay“ in der Galerie Mario Mazzoli zeigt Werke von vier seit kurzem in Berlin
lebenden Künstlern aus den USA, der Schweiz und Griechenland, die sich auf unterschiedlicher
Weise mit Konzepten der Temporalität und Vergänglichkeit befassen. „Decay“ verweist im
Englischen einerseits auf den Bedeutungszusammenhang biologischer Zersetzung im Sinne von
„verwesen“, „verderben“, „verfaulen“ oder „verwelken“. Zudem ist es ein im Klangkontext
verwendeter Begriff, der das Abklingen, Herabsinken oder Vergehen eines Tons bezeichnet
(bspw. bei der Attack-Decay-Sustain-Release-Hüllkurve eines Synthesizers). Für die Werke in
der Ausstellung bezieht sich „Decay“ auf das Kontinuum von Werden und Vergehen, auf den
Prozess stetiger Transformation im Medium akustischer und kinetischer Kunst. Es geht vor allem
um eine ästhetische Würdigung und Kontemplation des Unfertigen, in dem sich die Dinge als
nicht abgeschlossen und wandelbar zeigen.
Andy Graydon wurde 1971 in Maui, Hawai, geboren und hat zunächst ein Studium an einer
Filmhochschule abgeschlossen. Seine größtenteils ortsspezifischen Installationen basieren auf
der Interaktion und Verschmelzung von realem Raum mit virtuellem Bildmaterial, häufig
verbunden mit Klang. Er beschreibt seine Projekte als „science fiction ecologies“ im Hinblick auf
die Wandelbarkeit der Realität und die fiktionale Überformung unserer Umwelt durch die Welt
der Medien. Graydon nahm unter anderem 2008 an der Eröffnungsausstellung des New
Museums in New York teil und wurde 2007 mit einer Einzelausstellung im Portland Art Center in
Oregon geehrt.
Andy Graydons Video-Installation Untitled (band pass) besteht aus einem weißen Lichtstreifen,
der über einen Haufen Bauschutt langsam hin und her gleitet und dessen Volumen gleichsam
abtastet. Die rohe, ungestaltete Stofflichkeit der auf den Boden des Ausstellungsraums
gehäuften Materialien steht im deutlichen Kontrast zum ephemeren Charakter des von der
Decke mit geometrischer Genauigkeit projizierten Lichts. Der bewegende Lichtstreifen assoziiert
eine digitale Bilderzeugung, wie man sie von Kopierern oder Scannern her kennt. Gleichzeitig ist
er eine Metapher für Zeitlichkeit bzw. Gegenwärtigkeit. Die Textur des Materials wird entlang des
Lichtstreifens in scharfer Prägnanz aus der Dunkelheit des Raums hervorgeschält. Die klare
Sichtbarkeit und auch Bildhaftigkeit des Schutthaufens wird als visuelle Reduktion erfahren und
ist begrenzt auf den Ausschnitt und die Momentanität des sich bewegenden Lichtstreifens.
Der 1969 in Memphis, Tennessee geborene Autor, Künstler und promovierte Kulturtheoretiker
Brandon LaBelle war mit seinen Klanginstallationen, architekturbezogenen Raumkompositionen
und Live-Performances weltweit auf verschiedenen Festivals und Ausstellungen präsent.
Darüber hinaus hat sich LaBelle auch mit seinen Schriften über experimentelle Musik und
Klangkunst einen wissenschaftlichen Namen gemacht. Derzeit unterrichtet er als Professor an
der Nationalen Kunstakademie in Bergen, Norwegen.
Seine Arbeit Meditation on a Future Horizon basiert auf einer Auswahl revolutionärer
Slogans aus unterschiedlichen Epochen und Regionen, die von einer handbetriebenen Spieluhr
in den Klang einer absurden Melodie verwandelt werden. Dabei übertrug LaBelle den Text auf
ein Streifen Notenpapier und stanzte die Buchstaben an vorher festegelegten Punkten aus,
wodurch sich die geschriebene Sprache in die naiven Tonfolgen der Spieluhr übertragen ließ.
Der ironisch markierte Übersetzungsvorgang verweist auf das transformatorische Potential
revolutionärer Ideen, die auf die Veränderung ganzer Gesellschaften hin verfasst wurden. Das
Abspielen der Melodien ist auf Videomonitoren zu sehen inmitten einer Installation aus Regalen,
Tischen und Stühlen, in denen die entsprechenden Bücher und Texte präsentiert und den
Betrachtern zur Lektüre angeboten werden.
Der 1974 geborenen Schweizer Künstler Pe Lang ist in den letzten Jahren durch innovative
Klangskulpturen und kinetische Objekte bekannt geworden, für die er diverse internationale
Preise erhielt. Seine handgearbeiteten mechanischen Skulpturen, bei denen unterschiedliche
physikalische Kräfte zum Einsatz kommen und geistreich miteinander kombiniert werden, sind
gleichzeitig auf Verblüffung und Verzauberung angelegt. Sie verblüffen durch den
hervorgerufenen Effekt bzw. die zugrundeliegende Idee, sind dabei aber stets als ästhetisches
Ereignis wahrzunehmen, das mit Begriffen wie Poesie oder Eleganz beschrieben wird. Pe Lang
ist künstlerischer Autodidakt, der über die experimentelle Musik über Klangkunst zur kinetischen
Kunst gelangte.
Im Zentrum der Ausstellung stehen zwei Maschinen, deren Bewegungen einen in sich selbst
mündenden Zyklus durchlaufen. Bei moving objects | nº 485 von 2010 wird eine Platte, auf der in
Vertiefungen 1836 kleine Stahlkugeln liegen, durch einen drehenden Unwuchtmotor derart in
Schwingungen versetzt, dass sich nach einer gewissen Zeit die überwiegende Mehrzahl der
Kugeln synchron bewegt, um dann wieder in die anfängliche Unordnung zurückzufallen. Dieses
Interferenzphänomen tritt dann ein, wenn die Masse der im Gleichtakt schwingenden Kugeln der
des Unwuchtmotors entspricht und ihre Bewegungen sich gegenseitig behindern. Die zweite
Arbeit, positioning systems - falling objects von 2009, ist eine elektronisch gesteuerte Pinzette,
die auf einer speziellen Textur Wassertropfen in einer Größe aufbringt, in der sie durch die
Oberflächenspannung des Wassers zu einer annähernd perfekten Kugel geformt werden. Die
Pinzette durchwandert ein Quadrat von 20 x 20 Tropfen und kehrt nach circa 300 Minuten genau
in dem Moment an den Anfang zurück, wenn das Wasser dort verdunstet ist.
Die Komponistin Marianthi Papalexandri-Alexandri wurde 1974 in Griechenland geboren und
beschäftigt sich neben ihren experimentellen Klangwerken seit Jahren mit der Erschaffung
neuartiger Instrumente, die an einer höchst eigentümlichen Schnittstelle von Musik, darstellender
Kunst und Installation zu verorten sind und häufig in konstruktiver Zusammenarbeit mit Pe Lang
entstehen. Untitled II von 2010 ist eine von drei Motoren angetriebene Klangskulptur, die im
Rahmen einer Performance auch manuell als Instrument gespielt werden kann. Sie besteht aus
unterschiedlich großen Plexiglaszylindern, deren vorderes Ende mit einer Membran
verschlossen ist, von der aus jeweils ein Nylonfaden zu einer mit Kolophonium als Gleitmittel
bestrichenen Winde führt. Die Drehungen der Winde verursachen arbiträre Veränderungen der
Fadenspannung, die sich als Geräusche im Klangkörper der Zylinder niederschlagen. Das
akustische Erlebnis ist unmittelbar verknüpft mit der visuellen Präsenz des Objektes als Skulptur.
Für dieses Instrument hat Marianthi Papalexandri-Alexandri eine Partitur verfasst und eine
eigene Notation entworfen, die das genaue Spielen des Instruments ermöglicht. Diese Notation
ist der Installation in Form einer Schablone, ebenfalls aus durchsichtigem Acrylglas, als
skulpturaler Teil beigegeben und markiert die Verschmelzung von performativen und visuellen
Künsten in Marianthi Papalexandri-Alexandris Werk.
Marc Wellmann, Januar 2011

 

The exhibition “Decay” at Galerie Mario Mazzoli presents works by four artists from the USA,
Switzerland and Greece, all newly based in Berlin, who deal in different ways with concepts of
temporality and transience. The word “decay” refers to the context of biological decomposition in the sense of “decaying”, “spoiling”, “rotting” or “wilting”. It is also a term that is used in an audio context to describe the attenuation, decay or fading away of a sound (as, for example, in the attack-decaysustain-release envelope of a synthesizer). For the works in the exhibition, “decay” refers to the continuum of coming into being and passing away, to the process of continual transformation in acoustic and kinetic art. Most of all, however, it has to do with the aesthetic valuation and
contemplation of something that is unfinished, in which things appear as incomplete and mutable.
Andy Graydon was born in 1971 on Maui, Hawaii and graduated from film school. His predominantly site specific installations are based on the interaction and fusion of physical space with virtual image material, often combined with sound. He describes his projects as “science fiction ecologies” in view of the mutability of reality and the fictional reshaping of our environment through the world of media.
Graydon took part in the inaugural exhibition of the New Museum in New York in 2008 and was
recognized with a solo exhibition at the Portland Art Center in Oregon.
Andy Graydon’s video installation Untitled (band pass) is comprised of a white band of light that slowly glides back and forth over a pile of building rubble and “scans” its volume. The raw, unconfigured materiality of the materials heaped onto the floor of the exhibition space is a stark contrast to the ephemeral character of the light which is projected from the ceiling with geometric precision. The moving band of light harkens associations with the process of digital image production as is familiar from copying or scanning. At the same time, it is a metaphor for temporality or presence. The texture of the material is accented along the band of light, in sharp relief against the darkness of the space.
The clear visibility and also pictographic quality of the heap of rubble is perceived as a visual
reduction and is limited to the particular segment and the momentary nature of the moving band of
light. Author, artist and cultural theorist Brandon LaBelle was born in 1969 in Memphis, Tennessee and has been represented at festivals and exhibitions throughout the world with his sound installations, spatial compositions that reference architecture, and live performances. LaBelle has also established a scholarly reputation with his writings on experimental music and sound art. He is presently teaching as professor at the National Art Academy in Bergen, Norway.
LaBelle’s work Meditation on a Future Horizon is based on a selection of revolutionary slogans from different eras and regions that are transformed into the sound of an absurd melody by a handoperated music box. LaBelle transferred the text onto a strip of score paper and punched the letters onto previously determined points, thus translating the written language into the naïve series of tones of the music box. The ironic process of translation refers to the transformational potential of revolutionary ideas that were drafted with the intention of changing entire societies. The playback of the melodies can be seen on lap tops in the middle of an installation comprised of tables in which the corresponding books and texts are displayed and offered to observers as reading material.
The Swiss artist Pe Lang, born in 1974, has in recent years become known for innovative sound
sculptures and kinetic objects, for which he has received various international awards. His
handcrafted mechanical sculptures, in which different physical forces are deployed and ingeniously
combined with one another, are aimed to both surprise and enchant. The effects that are generated, including the underlying idea, are baffling; at the same time, however, the works are to be perceived as an aesthetic event, described with concepts such as poetry or elegance. Pe Lang is a self-taught artist who came to kinetic art through experimental music via sound art.
At the center of the exhibition are two machines whose movements run through a cycle that flows into itself. With moving objects | nº 485 from 2010, a large panel upon which 1,836 small steel balls are lying, each in its own individual recessed hole, is set into vibration by a rotary unbalanced motor in such a way that after a certain time, the overwhelming majority of the balls move in sync, only to
relapse again into the original disorder. This interference phenomenon occurs when the mass of balls vibrating in common mode corresponds to that of the unbalanced motor and impede each other’s movements. The second work, positioning systems – falling objects from 2009 is an electronically controlled pipette that adds drops of water onto a special textured surface until each forms into an almost perfect sphere through the surface tension of the water. The pipette wanders through a square grid of 20 x 20 drops and, after approximately 300 minutes, returns to the beginning at exactly the moment when the water there has evaporated.
The composer Marianthi Papalexandri-Alexandri was born in Greece in 1974 and, for many years,
alongside her experimental sound works, has occupied herself with creating new types of instruments located at a highly individual interface between music, performing art and installation and often produced in collaboration with Pe Lang. Untitled II from 2010 is a sound sculpture powered by three motors that can also be played manually as an instrument during a performance. It is comprised of different sized plexiglass cylinders closed at one end by a membrane with a nylon thread leading from each to a winch coated with resin. The turns of the winch create arbitrary changes in the tension of the thread, resulting as sounds in the body of the cylinder. The acoustic experience is immediately connected with the visual presence of the object as sculpture. For this instrument, Marianthi Papalexandri-Alexandri composed a score and created a special notation that permits precise playing of the instrument. This notation is included in the installation as a sculptural element in the form of a template, likewise out of transparent acrylic glass, thus highlighting the fusion of performative and visual arts in Marianthi Papalexandri-Alexandri’s work.
Marc Wellmann, January 2011


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