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Berlin

Wentrup

Exhibition Detail
Pattern Matching
Tempelhofer Ufer 22
10963 Berlin
Germany


November 13th, 2010 - December 22nd, 2010
 
, Nevin AladağNevin Aladağ
© Courtesy of the artist & Wentrup
> QUICK FACTS
WEBSITE:  
http://www.wentrupgallery.com/splash/
NEIGHBORHOOD:  
friedrichshain-kreuzberg
EMAIL:  
mail@wentrupgallery.com
PHONE:  
+49 (0)30.48.49.36.00
OPEN HOURS:  
Tue-Sat 11-6 pm
> DESCRIPTION

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When patterns don’t match
by Adam Szymczyk


Können Muster zusammenpassen? Dass sie es können, legt der Titel der ersten Einzelausstellung von Nevin Aladag bei Wentrup, Berlin, indirekt nahe. Der Begriff „pattern matching“ (zu Deutsch „Musterabgleich“), den die in der Türkei geborene Künstlerin der Informatiksprache entnimmt, wird allgemein (wenn auch etwas schleierhaft) als die Überprüfung einiger Zeichenabfolgen hinsichtlich des Auftretens bestimmter Muster, beschrieben. Dieses Vorgehen kann jedoch auch auf andere Wissensbereiche ausgeweitet werden. Beispielsweise kann in der Genetik die Identität eines menschlichen Körpers, mittels der Molekularanalyse einer DNA-Probe als „identisch mit“ oder „abweichend von“ einer bekannten Person X oder Y, nachgewiesen werden. Der Begriff „pattern matching“ kann somit als Instrument der Biopolitik eingesetzt werden, das Menschen als potentielle Kriminelle deklariert.

Die neuen Arbeiten von Nevin Aladag, die es in der Ausstellung „Pattern matching“ zu sehen gibt, umfassen eine Vielzahl möglicher Ausrichtungen. Dies kann auf den ersten Blick antagonistisch wirken, aber bei genauerer Betrachtung offenbaren sich wichtige Ähnlichkeiten und Übereinstimmungen, die ihren Anfang genau im Namengebungsprozess haben – dem linguistisch Unbewussten, das uns in der Art und Weise, wie wir über die Wirklichkeit sprechen, innewohnt. „Pattern Matching“ bringt die scheinbar ungleichen Themen - Basketball, den berühmten amerikanischen Sportexport und Orientteppiche, das wahrscheinlich bekannteste kommerzielle Produkt weltweit, welches aus dem Nahen Osten stammt - zusammen. Wenn man die Unterschiede nicht berücksichtigt, können diese zwei unvergleichbaren Kategorien – das Spiel und der Alltagsgegenstand – als zwei kulturelle Ausdrucksformen betrachtet werden, die dann eine Anpassung bezüglich der Muster möglich und produktiv machen können. Aladag bestückt ihre Teppiche mit einer dichten Collage aus Verzierungen, wobei sie die Linien und Farbfelder, die die Grenzen und Markierungen wichtiger Punkte in einem Basketballspielfeld darstellen, berücksichtigt. Die Künstlerin erklärt, dass wir solche Muster in einem weitest möglichen Sinn – einem, der über die sichtbare Erscheinung hinausgeht – berücksichtigen: somit stehen diese Muster für zwiespältige Denkmuster, gegensätzliche Lebensstile und sich gegenseitig ausschließende Regeln: sprich, sie geben sozialen und poltischen Realitäten unserer angeblich globalisierten Welt mit ihren eindeutig lokalen Erscheinungsformen eine Gestalt. Durch das Überlappen oder Angleichen der Muster, welche unterschiedlichen semantischen Ordnungen angehören – das Westliche Spiel und die Morgenländische Verzierung – erwirkt Aladag eine sachte Bedeutungskollision.

Die daraus resultierenden hybriden Objekte, bestehend aus zugeschnittenen Stücken echter Teppiche, welche irgendwo zwischen Maghreb und China, Deutschland und dem Irak produziert wurden, dienen als Beleg für gegensätzliche Lebensweisen und offenbaren Muster, die nicht zusammenpassen: Massenevent versus häusliche Frauenarbeiten, Unterhaltung (als eine weltliche Religion) versus Religion an sich, die USA versus die Schurkenstaaten (die die Teppiche produzieren) und vielleicht sogar Krieg versus Frieden. Die Installation in der Galerie Wentrup besteht aus vier farbigen Teppichen, welche sowohl an der Wand als auch am Boden der Galerie angebracht sind, so dass sie gleichzeitig als Bild und auch als Objekt betrachtet werden können. Jeder Teppich stellt eine einzigartige Komposition aus Farben und Verzierungen dar, wenngleich die grundlegende lineare Struktur, nach welcher die Farben und Muster angebracht sind, bei jeder Arbeit die Gleiche bleibt: nämlich jene eines verkleinerten Basketballspielfelds. Neben den Teppichen sind echte Basketbälle zu sehen, die in eine Camouflage aus orientalischen „Kilims“ fest eingehüllt sind und erscheinen, als wären sie von amerikanischen Riesen verlassen worden. Der Maßstab des Teppich-Felds stimmt nämlich in keinster Weise mit der Größe der Basketbälle überein. Bedeutungen verändern sich, so scheint es zumindest, aber die Muster passen immer noch irgendwie zusammen.

Nevin Aladags Arbeiten wurden in zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen gezeigt. Am 27./28. November wird ihre Performance „Raise the roof“ in der Hayward Gallery in London aufgeführt. Des Weiteren wird werden ihre Arbeiten ab dem 16. November in einer Gruppenausstellung im Thyssen-Bornesmisza Art Contemporary in Wien zu sehen sein.

 

 

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When patterns don’t match
by Adam Szymczyk

Can patterns match? The title of the first solo show of works by Nevin Aladag at Galerie Wentrup, Berlin, suggests—indirectly—that they could. The term “pattern matching,” which the Turkish-born German artist borrowed from the language of computer science, is generally (if somewhat cryptically) described as the act of checking some sequence of tokens for the presence of the constituents of some pattern. But this procedure of pattern matching can also be extended to other areas of knowledge. In genetics, for example, the identity of a human body “same as” or “different to” a known person X or Y can be verified through the molecular analysis of a DNA sample. Pattern matching, then, can be a tool of biopolitics that defines human beings as potentially criminal subjects.

The new group of works on view by Aladag, called “Pattern Matching”, encompass a multiplicity of possible directions that may seem antagonistic at first, but on second glance reveal important affinities and correspondences that have their origin in the very process of naming—the linguistic unconscious inherent to our way of speaking about reality. “Pattern Matching” brings together the seemingly disparate subjects of basketball, the famous American athletic export, and Oriental carpets, probably the most successful commercial product in the world that originates from the Middle East. Setting differences aside, let’s consider these two incommensurable categories—the game and the object of everyday use—as two cultural expressions, in order to make the matching of their respective patterns possible and productive. Aladag densely filled her carpets with a collage of ornamentation while respecting the lines and color fields that define the borders and mark important points on a basketball court. The artist proposes that we consider such patterns in the widest possible sense, going beyond their visual appearance: thus, they conjure conflicting patterns of behavior, opposing lifestyles and mutually exclusive rules that give shape to social and political realities of our supposedly globalized world and its distinctly local manifestations.

By overlapping or “matching” the patterns that belong to different semantic orders—that of the “Western” game and the “Oriental” ornament—Aladag produces a soft clash of meanings. The resulting hybrid objects, made of cut-out parts of existing carpets that are produced anywhere from Maghreb to China, Germany to Iraq, serve as evidence of conflicting ways of being and reveal patterns that don’t match: mass event versus domesticity, action versus leisure, professional athletic games dominated by men versus women’s domestic work, entertainment (as a secular religion) versus religion itself, the US versus the “rogue” states (that produce carpets) and perhaps even war versus peace. The installation at Galerie Wentrup consists of four colorful carpets installed on both the wall and the floor of the gallery, thus suggesting that they can be considered both image and object at the same time. Each carpet displays a unique composition of colors and ornament, though the basic linear structure on which the colors and patterns are laid out remains the same for each piece: that of a scaled-down basketball court. Placed next to the carpets, actual basketballs, tightly wrapped in a camouflage of Oriental kilims, appear to have been abandoned by American giants. The size of the carpet-field does not in any way match the size of the basketballs. Meanings change, it seems, but the patterns still match, somehow.

 

Nevin Aladag’s work has been presented in nummerous national and international exhibitions. On November 27/28 her performance Raise the roof will be staged at Hayward Gallery, London, furthermore will she take part in a group show at Thyssen-Bornemisza Art Contemporary, Vienna from November 16.


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