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Berlin

Kunstverein Tiergarten, Galerie Nord

Exhibition Detail
Blind trust
Turmstrasse 75
10551 Berlin
Germany


September 10th, 2010 - October 16th, 2010
 
, Jumana Emil AbboudJumana Emil Abboud
© Courtesy of the artist & Kunstverein Tiergarten, Galerie Nord
> ARTISTS
> QUICK FACTS
WEBSITE:  
http://www.kunstverein-tiergarten.de
NEIGHBORHOOD:  
tiergarten
EMAIL:  
info@kunstverein-tiergarten.de
PHONE:  
(030) 90 18 33 - 453
OPEN HOURS:  
Di - Sa: 14 - 19 Uhr
TAGS:  
film, photography, installation, sculpture
> DESCRIPTION

Die Ausstellung „Blindes Vertrauen“ thematisiert aus der Perspektive namhafter internationaler Künstlerinnen und Künstler die sog. „blinden Flecken“ in der Selbstwahrnehmung gesellschaftlicher Identitäten:
Sie verhandelt innerhalb hervorragender künstlerischer Arbeiten jene neuralgischen Punkte des Verbergens bzw. der Unsichtbarkeit von sozialen, politischen und strukturellen Problematiken, deren kollektive Ausblendung signifikant für den Zustand einer Gesellschaft und ihrer inneren und äußeren Positionierung ist. Denn im Rahmen einer legitimierten offiziellen Bilderpolitik von Staat, Gesellschaft, Medien und Kunst finden sowohl bewusste als auch unbewusste Selektionsprozesse statt, die bestimmten Kontexten eine prominente und omnipräsente Sichtbarkeit einräumen, anderen wiederum diese dezidiert entziehen und so eine Korrektur von Lesbarkeiten und Sichtbarkeiten vornehmen. Gerade in zunehmend sich medial artikulierenden Gesellschaften fordern großenteils ökonomisierte Bilderpolitiken zu einer eingehenderen Analyse der blinden Flecken auf. Die Ausstellung stellt den Versuch dar, diesen zu einer Ansichtigkeit zu verhelfen, sie zu decodieren und sie aus einer interdisziplinären Perspektive heraus zu untersuchen. Gleichwertig zu den bildkünstlerischen Arbeiten steht die enge Verzahnung mit einem diskursiv angelegten Begleitprogramm, das literarische und wissenschaftliche Perspektiven in die zentralen Fragestellungen der Ausstellung einbindet.
Den teilnehmenden bildenden KünstlerInnen gemeinsam ist ihre Fokussierung auf spezifische gesellschaftliche Themen und die Entwicklung experimenteller Arbeitsansätze an der Schnittstelle zwischen Analyse und Dokumentation. Sie begreifen ihre künstlerische Produktion als soziale Forschungsarbeit, die prozesshaft entsteht und in visuell und haptisch erfahrbaren Ergebnissen visualisiert wird. In den künstlerischen Arbeiten der Ausstellung findet man insofern seismographisch genau die Aufdeckung jener Punkte, die in der Selbstwahrnehmung der jeweiligen gesellschaftlichen Identitäten nicht vorkommen oder dezidiert ausgeblendet werden. Dazu gehören beispielsweise strukturelle Gewalt, mediale Strategien der Sichtbarkeit oder die gesellschaftliche Virulenz historischer (Dis-)Kontinuitäten. Von besonderem Interesse ist dabei jeweils ausgehend von subjektiven Erfahrungen der KünstlerInnen die Untersuchung der Gründe und Ursachen für den Prozess des gesellschaftlichen Verbergens und ihre erfahrbare Offenlegung.
Die Zusammenschau der künstlerischen Positionen innerhalb der Ausstellung macht insofern das enorme Potenzial sichtbar, das in der subjektiven Wahrnehmung und einer anderen Schreibung der gesellschaftlichen Wirklichkeit durch Künstlerinnen und Künstler liegt. Sie hinterfragt das „blinde Vertrauen“ in gesellschaftliche Wirklichkeiten und ermöglicht differenzierte kritische Perspektiven auf kollektive Legitimationsstrategien innerhalb einer Politik der Bilder.

Die vorgestellten Künstler und Künstlerinnen arbeiten in allen zeitgenössischen Medien. Insofern wird die Ausstellung Filme, Fotografien, Installationen, Malerei und Skulptur zusammenbringen. Die Arbeiten werden so präsentiert, dass die Schnittstellen der künstlerischen Ansätze sichtbar werden und sie in einen neuen Dialog treten können. Die Ausstellung soll im Rahmen eines Begleitprogramms aus Lesungen, Vorträgen und Filmscreenings in einen interdisziplinären Zusammenhang zwischen Bildender Kunst, Literatur, Soziologie und Gesellschaftswissenschaften gestellt werden. Namhafte Schriftsteller, Denker und Forscher, die zu analogen Themen arbeiten, sollen eingeladen werden, ihre Thesen und Ansätze in der Ausstellung zu vertreten und sie in eine Beziehung zu den in der Ausstellung gezeigten künstlerischen Positionen zu setzen. Die Bedeutung der Rolle dieser Seismographen der gesellschaftlichen Realitäten wird dadurch in ihrem interdependenten Kontext offenbar, die Komplexität gesellschaftlicher Prozesse und ihrer Verdrängungsmechanismen offen gelegt.


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