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Berlin

RECEPTION

Exhibition Detail
Theory Was Always Against Ideology
Kurfürstenstraße 5/5a
Berlin
Germany


June 26th, 2010 - July 31st, 2010
Opening: 
June 25th, 2010 6:00 PM - 9:00 PM
 
Reception Gallery, Berlin, Reception Gallery, Berlin
> QUICK FACTS
WEBSITE:  
http://www.reception-berlin.de
NEIGHBORHOOD:  
tiergarten
EMAIL:  
info@reception-berlin.de
PHONE:  
+49. (0)30. 26 93 14 55
OPEN HOURS:  
Wed–Sat 11-18 and by appointment
> DESCRIPTION

Eine amerikanische Energiesparlampe, ein Emblem der belgischen Staatsbahn und ein Stück Wand in einem Berliner Ladenlokal aus dem 19. Jahrhundert: Das sind Bestandteile der kommenden Ausstellung von Koenraad Dedobbeleer bei RECEPTION.
Die Ordnung der Dinge mit einigen wohl kalkulierten Handgriffen zu stören und die Wahrnehmung durch eine präzise arrangierte neue Ordnung herauszufordern, ist das Spezialgebiet des belgischen Künstlers, dessen erste Einzelausstellung in Berlin bei RECEPTION zu sehen sein wird. Oftmals gilt sein Blick dabei eher unscheinbaren Gegenständen oder zunächst unspektakulären architektonischen Gegebenheiten, die er durch überraschende Eingriffe in neue Konstellationen bringt.
Seine Arbeiten sind keine Ready-mades, sondern subtile Aneignungen vorgefundener Dinge. Durch winzige Verschiebungen, Kontextverschiebungen und nicht zuletzt durch die assoziationsreichen Titel der Arbeiten geht sein Umgang mit den Objekten, die sein Interesse geweckt haben, über eine reine Appropriation weit hinaus. Seine Arbeiten sind eine Hommage an das leicht zu Übersehende, eine Untersuchung sowohl seiner eigenen als auch der Subjekt-Objekt-Beziehungen der Betrachter. Auch wir sind aufgefordert, unser Sensorium zu schulen und achtsam zu sein, ob die Dinge um uns herum immer das sind, was sie zu sein versprechen.
In den Räumen der Galerie, die sich im Erdgeschoss eines in den 1880er Jahren gebauten Hauses befindet, hat ein Wandelement seine Aufmerksamkeit geweckt: Dieses Stück Mauer war vermutlich ursprünglich Teil jener Wand die das zur Straße liegende Ladenlokal von der sich daran anschließenden Wohnung getrennt hat. Mittlerweile sind Laden und Wohnung zu einer Einheit zusammengelegt, von der Wand ist als Rudiment noch dieser Pfeiler übrig.
Indem Koenraad Dedobbeleer den Pfeiler nachbaut und somit verdoppelt, wird er zur Skulptur. Dieser Nachbau ist als Skulptur ein ganz und gar eigenständiges Objekt, das augenzwinkernd mit der Ästhetik des Minimal spielt.
Zugleich jedoch fordert die Skulptur uns auf, den Raum in dem sie steht, genauer zu betrachten. Indem sie eine architektonische Struktur reflektiert, fordert sie auf zur Reflexion über diese Struktur – und damit verbunden auch über die Geschichte des Raumes und seiner wechselnden Nutzungen. Zugleich versperrt die Skulptur den Weg und greift somit ganz direkt in die architektonischen Gegebenheiten ein.
Beleuchtet wird die Ausstellung nicht nur von den zur Galerie gehörenden Neonröhren, sondern ebenfalls von zwei überdimensional wirkender Energiesparlampen, die knapp unter der Decke angebracht sind. Eigentlich kein Platz für solche Lampen... In einer Art Montagetechnik kommen hier zwei Dinge zusammen: Der originalgetreue Nachbau einer Energiesparlampe, die Koenraad Dedobbeleer in einem Supermarkt in den USA entdeckt hat und die in der Galerie vorhandenen, aber bisher ungenutzten Kabelauslässe. Dieses merkwürdige Ding beleuchtet nun in doppelter Ausfertigung die Ausstellung, changierend zwischen Gebrauchsgegenstand, Designobjekt und
Kunstwerk.
Und außen an der Galerie, neben dem Schriftzug RECEPTION befindet sich für die Dauer der Ausstellung ein seltsam verbogen wirkendes, scheinbar funktionsloses Logo. Abgeleitet von Henry van de Veldes Design für die belgische Staatsbahn hat Koenraad Dedobbeleer dieses Objekt gestaltet. Es ist ein vielen Belgiern wohlbekanntes Zeichen; und ist es in seiner Versehrtheit und aus dem Kontext gerissen eben doch wieder nicht. Solcherart Zwischenräume zwischen Bekanntem und Fremden, zwischen angewandter Funktion und einer Eigenständigkeit als Objekt an sich und als Kunstgegenstand machen Koenraaad Dedobbeleer künstlerische Arbeit aus. Es ist bei aller Perfektion das Spiel mit dem Fragmentarischen und dem Möglichen, das nicht nur die Dinge, sondern auch das Denken in Bewegung versetzt.


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