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Berlin
Group Exhibition
PG LAB
Spener Str. 1, 10557 Berlin, Germany
April 15, 2010 - June 20, 2010


SYELLE HASE über "KEIN SCHWEISS AUFS HOLZ"

„MACHT NICHTS“ (2010) postuliert die Arbeit von Clemens Wilhelm als leuchtender Schriftzug auf dem größten LED-Werbescreen Europas in Berlin. Einem Kippbild gleich beruhigt uns der jeder Interpunktion beraubte Ausspruch: „Macht (doch) nichts“, um im nächsten Moment zur widerständischen Leistungsverweigerung aufzurufen: „Macht nichts!!!“

Dieses Paradoxon auf einer Werbeleinwand lädt ein zur Diskussion über die Gestaltung von öffentlichem Raum, über Autorschaft, Manipulation, die Warenförmigkeit von Kunst und vor allem darüber, ob es wirklich nichts macht, wenn wir jetzt nichts machen. Eine großformatige Fotografie dieser Intervention im urbanen Raum ist nun auf einer Werbeplakatfläche außerhalb des PG LAB zu sehen.

Die schillernden Oberflächen, wie sie massenmedialen Phänomenen eigen sind, verströmen Faszination und Glamour ebenso wie Dirtiness. Die Arbeiten von Constantin Hartenstein geben sich diesen Doppeldeutungen hin, um den Betrachter in gleicher Manier zu verführen wie auszugrenzen. Nur noch die 150 häufigsten Wörter der drei meistgelesenen Bücher der Welt - Bibel, Koran und Harry Potter - beinhalten die tag clouds („Schlagwortwolken“) der 3-teiligen Leuchtkasten-Installation BOTTOM LINES (Bible, Harry, Koran) (2010). Die Größe eines Wortes in einer tag cloud visualisiert seine Häufigkeit im jeweiligen Text und suggeriert zugleich seine Bedeutsamkeit. Ungerührt werden in der computergenerierten Reduktion Vieldeutigkeiten ausgeblendet, komplexe Inhalte auf werbewirksame Schlagworte abstrahiert.

Für ihre neueste Videoarbeit Until at least forever (2010), die sich aus Filmzitaten zusammensetzt, hat Karin Then eigens ein Genre erfunden: den Inselfilm. In der Wiederholung von Motiven und Handlungsabläufen hat sie ein Muster erkannt, das den Kino- und Fernsehfilmen zu Grunde liegt und auf ein kulturelles Phänomen verweist. Erträumten Sehnsüchtige in der Vergangenheit noch das verloren geglaubte Paradies des Garten Edens, vermutet man das irdische Paradies heute in exotischen Insel-Welten. Immer schon gab es die Sehnsucht nach dem weit entfernten und ein besseres Leben versprechenden Ort. Die Protagonisten in Until at least forever sind unfreiwillig im Paradies gestrandet und kämpfen nun brüsk enttäuscht um ihr Überleben.

Eine Rauminstallation aus Projektionen und Monitoren, historischen Bildern und Textfragmenten aus einem familiären Briefwechsel beschrieben eine dichte Atmosphäre, in der Iris Musolf 2009 in einer Performance den eigenen Umgang mit und die gesellschaftliche Konstitution von Geschichte beleuchtete. Die Fotografie Viel hat sich ereignet, viel gibt es zu erzählen. (2009) zeigt die Performance, bei der die Künstlerin durch das Bekleben ihres Körpers mit Dokumenten zum Nachweis der arischen Herkunft der Großmutter wie auch mit dem Sprechen der amtlichen Mitteilung eine körperliche Nähe zur Vergangenheit herzustellen suchte. Iris Musolf legt in ihren Arbeiten immer wieder die eigene Person an die Oberfläche der (medial geprägten) Wirklichkeit an, um im Abgleich Fragen nach individueller und kollektiver Identität, nach gesellschaftlichen Normen und Klischees zu stellen.



Posted by Clemens Wilhelm on 3/8/10 | tags: photography conceptual video-art mixed-media

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